Blog

Von Phantasiewesen, pummeligen Schosshunden und einer fidelen Wildsau

Von Hanne Grießmann

Als sich Hanne Grießmann, damals Wissenschaftliche Hilfskraft im MWW-Forschungsprojekt „Text und Rahmen“, ein spätmittelalterliches Gebetbuch in den Lesesaal der Herzog August Bibliothek bestellt, ahnt sie nicht, welch farbenprächtige und phantastische Welt sich ihr eröffnen würde. Hier erzählt sie vom frech-verspielten Treiben am Seitenrand der frommen Handschrift – und was es über die satirische Seite des Mittelalters verrät.

 

Weiterlesen
Was macht denn das Schwein mit der Schubkarre hier? Drolerie in einem spätmittelalterlichen Gebetbuch. Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, Cod. Guelf. 87.10 Aug. 12°, fol. 52v-53r. (CC BY-SA)

MWW auf Kavalierstour

Von Stefan Höppner und Timo Steyer

DH-Methoden spielen für die Forschungsprojekte von MWW eine wichtige Rolle. Hilfreiche Tools in diesem Bereich stellt das Projekt DARIAH zur Verfügung. Um mehr über sie zu erfahren, nahmen MWW-Mitarbeiter Stefan Höppner (Weimar) und Timo Steyer (Wolfenbüttel) Mitte Februar 2016 an der ersten „DARIAH-DE Grand Tour” in Göttingen teil. Ein Reisebericht.

 

Weiterlesen
Erfahrungsaustausch: Timo Steyer und Stefan Höppner (vor der ersten Poster-Präsentation links im Bild) informieren sich auf der Grand Tour von DARIAH-DE über die neuesten DH-Tools. Foto: Frank Fischer

„Lebendiges Orakel”

Ein Gespräch mit dem Autor Dietmar Dath

Auf Einladung des MWW-Forschungsprojekts „Text und Rahmen” hält Dietmar Dath am 4. Mai 2016 in Weimar einen Videovortrag mit dem Titel „FaustScienceFiction”. Im Interview erzählt der Autor und Redakteur der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung”, wie ihn die Schullektüre von Goethes „Faust” zur Erforschung des Satanismus anregte, warum der Faust-Mythos bis heute rastlos in der Pop-Kultur unterwegs ist und wo uns seine Aktualität alle paar Minuten vor Augen geführt wird.

 

Weiterlesen
Plakat zum Videovortrag von Dietmar Dath am 4. Mai in Weimar © KSW

Glückloses Stück

Von Stefan Höppner

Goethes Libretto „Claudine von Villa Bella“ ist bis heute weitgehend unbekannt – dabei wurden Teile daraus von Beethoven, Brahms und Hugo Wolf vertont. Der 18-jährige Franz Schubert komponierte sogar eine komplette Oper, die leider verloren gegangen ist. Nicht viel besser erging es dem hessischen Komponisten Peter Müller, der seine fertige „Claudine“ 1825 nach Weimar schickte – und zwei Jahre lang vergebens auf eine Reaktion wartete.

 

Weiterlesen
Eine einfache kleine Geschichte: Goethes Libretto "Claudine von Villa Bella", hier die Titelseite einer Ausgabe von 1780. © Archiv Theater-, Film- und Medienwissenschaften der Universität Wien

Kann ein Buch Akteur sein, Frau Gleixner?

Am 5. April 2016 beginnt in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel die viertägige internationale Konferenz "Biographien des Buches". Im Interview erzählt Tagungsleiterin Ulrike Gleixner, welche neuen Forschungsperspektiven sich für Bibliotheken durch die Hinwendung zur materiellen Kultur eröffnen, weshalb der dingliche Charakter eines Buches immer auch einen Bezug zum Inhalt hat und warum es nicht ausreicht, Bücher aus der alleinigen Verfügbarkeit durch den Menschen zu betrachten.

 

Weiterlesen
Bewegte Lebensgeschichte: türkisches Trachtenbuch von 1570 mit rotbraunem Lederüberzug und Goldprägungen. Das Deckblatt erzählt die Biographie der Handschrift durch die Einträge der Vorbesitzer. © HAB

Die Bibliothek des Schreibmeisters

Von Meindert E. Peters

Acht Wochen verbrachte Meindert E. Peters als Forschungshospitant an der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel. Hier erzählt der Germanistikstudent der Universität Oxford, wie er in dem niedersächsischen Städtchen Klein Venedig fand, warum er sich im Kornspeicher auf die Suche nach Exlibris machte und weshalb ihn sein Wolfenbütteler Forschungsgegenstand bis heute nicht loslässt.

Weiterlesen
Titelblatt des Auktionskatalogs, in dem die Büchersammlung des niederländischen Schreibmeisters Johannes Heuvelman verzeichnet ist. (c) HAB

„Die mentale Barriere überwinden“

Ein Gespräch mit den Nachwuchswissenschaftlern Ulrike Henny und Peter Andorfer

Das technische Know-how haben sie sich zunächst selbst beigebracht, heute erstellen Ulrike Henny und Peter Andorfer digitale Ausgaben und begleiten größere Editionsprojekte. Am Rande der Tagung „Digitale Metamorphose. Digital Humanities und Editionswissenschaft“, die im November 2015 in Wolfenbüttel stattfand, erzählten uns die beiden jungen Wissenschaftler, warum die digitale Editionswissenschaft für den akademischen Nachwuchs ein ideales Feld ist, welchen Vorbehalten sie bei ihrer Arbeit begegnen und ob sie auch privat auf gedruckte Bücher weitgehend verzichten.

Weiterlesen
Sind fasziniert von den Möglichkeiten digitalen Edierens: Ulrike Henny und Peter Andorfer. Foto: Nicole Alexander

"Revolution der Klassiker-Ausgabe"

Die Fragen stellte Nicole Alexander

Vom 14. bis 16. Januar 2016 findet am Deutschen Literaturarchiv Marbach der öffentliche Workshop „Die Präsentation kanonischer Werke um 1900“ des MWW-Forschungsprojekts „Text und Rahmen“ statt. Ein Gespräch mit Tagungsleiter Philip Ajouri über die Bedeutung der deutschen Klassiker für den Buchmarkt um 1900, den neuen Verleger-Typus der Jahrhundertwende und seine persönliche Lieblingsausgabe aus dieser Zeit.

Weiterlesen
Mit der "Großherzog Wilhelm Ernst"-Ausgabe schuf der Kunstmäzen Harry Graf Kessler 1904 einen neuen Buchtyp, der bis heute sofort als Klassiker-Ausgabe erkannt wird. © DLA Marbach

Bilder, Texte, Orte

Workshop des Forschungsprojekts „Bildpolitik“

Mal klassisch, mal kryptisch, mal ironisch: Alfred Döblin ließ sich auf Fotos ganz unterschiedlich inszenieren – und stellte diese Inszenierungen seiner Autorschaft gleich wieder infrage. Einen wunderbaren Fundus, um das komplexe Verhältnis des berühmten Schriftstellers zum eigenen Bild zu erforschen, bietet die Marbacher Foto-Sammlung Döblins, so die Leiterin des MWW-Forschungsprojekts "Bildpolitik" Ellen Strittmatter in ihrem Vortrag „Bildpolitik und Poetik“, gehalten im Rahmen des Workshops "Bilder, Texte, Orte".

 

Weiterlesen
Enge Verflechtung zwischen Text und Bild: Das autobiographische Buch „Alfred Döblin. Im Buch – Zu Haus – Auf der Straße“, erschienen 1928 zum 50. Geburtstag des Schriftstellers. © DLA

Weimarer Verwirrspiel

Von Stefan Höppner

1779 lernte Goethe in der Schweiz den Prediger Georg Christoph Tobler kennen, zwei Jahre später begegneten sich die beiden in Weimar wieder. Als 1782/83 Toblers rhapsodischer Text „Die Natur“ im „Tiefurter Journal“ erschien, hielten die meisten Goethe für den Verfasser. Ein Irrtum, dem selbst die renommierte Zeitschrift „Nature“ in ihrer ersten Ausgabe 1869 aufsaß – und an dem der große Dichter keinen geringen Anteil hatte.

Weiterlesen
"By Goethe": Toblers Text wurde 1869 in der Zeitschrift "Nature" abgedruckt – und Goethe zugeschrieben. © Nature Publishing Group