Impressionen von Stipendiaten und Stipendiatinnen

Der von Veronika Walter zitierte Brief von Schiller an Goethe (GSA- 28slash1052-Blatt146vs)

Die Aussicht auf zwei Wochen Weimar reizte und beunruhigte mich zugleich, und die Aufregung nahm naturgemäß zu, je näher der Termin der "Internationalen Sommerschule" rückte. Als aufgeriebene "Vorsommerliche", die ich neben der obligaten Lektüre zumeist abends Goethe- und Schiller-Biographien querlas, fand ich in einem Brief Zuspruch:

"Zwar verberge ich mir nicht", schrieb Schiller 1799 darin über Weimar an Goethe, "daß sich von dem Einfluß der dortigen Societät eben nicht viel ersprießliches erwarten läßt, aber der Umgang mit Ihnen, einige Berührungen mit Meiern, das Theater und eine gewiße Lebenswirklichkeit, welche die übrige Menschenmasse mir vor die Augen bringen muß, werden gut auf mich und meine Beschäftigungen wirken." [Schiller an Goethe, 24.8.1799; Goethe-und-Schiller-Archiv Weimar]

So verhielt es sich denn auch, und es gehörte zu den angenehmen Überraschungen der an Input, Recherche und uns in den "Kosmos Weimar" einsaugenden Goethe- und Schiller-Führungen reichen Wochen, dass die "gewisse Lebenswirklichkeit" der vielfältigen Begegnungen sowohl überaus "ersprießlich" als auch "erquicklich" auf unsere Gemüter wirkten. Ersteres nicht nur wegen der intensiven Seminarstunden, sondern insbesondere durch die Gespräche mit den Referenten und den Austausch mit den anderen Doktoranden, die erst zu wenn nicht gleich, so doch ähnlich Gesinnten wurden und schließlich zu Freunden.

Wenn der Klassiker-Kult also im Seminar Kritik verdiente, weil er parteiisch vorgeht und darüber Ungleiches gleich erscheinen lässt, so hat er doch die überaus angenehme Folge, dass wir "Sommerlichen" in konsensueller Vielstimmigkeit zwei Wochen darüber debattierten konnten, was diese Dinge seien und welche zu den gleichen und ungleichen zu rechnen seien.

Viktoria Walter aus München arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt "Narragonien digital" an der Universität Würzburg sowie als Mitarbeiterin im Lektorat des C.H. Beck-Verlags. Sie hat einen Magister in Neuerer deutscher Literatur und Politikwissenschaft und schreibt ihre Dissertation über "Politische Narrative in Schillers Dramen".