Raum

Obwohl das von der Natur ihres Gegenstandes her naheläge, hat die Kunstgeschichte in der Debatte um den ‚spatial turn’ in den Geisteswissenschaften keine Führungsrolle eingenommen. Die Forschungsgruppe Raum greift daher wissensgeschichtlich fundierte Ansätze zu Archiv, Depot und Display auf und wendet sie auf die historischen (Sammlungs-)Räume in Marbach, Weimar und Wolfenbüttel an, um diese als ein Archiv der Gedächtnispolitik lesbar zu machen. In ihrer Gesamtheit bilden die Verbundeinrichtungen ein breites museumshistorisches Spektrum ab, das vom fürstlich-repräsentativen Sammeln über die bürgerlichen Dichterhäuser bis zu den in der Kaiserzeit gegründeten ‚Nationalmuseen’ reicht, mit jeweils eigenen Architekturidiomen, Inszenierungsstrategien, Ordnungs- und Klassifikationssystemen.

Die Forschungsgruppe Raum plant Workshops an allen drei Standorten, um die jeweiligen Sammlungsräume im Original zu diskutieren. An die Seite kulturhistorischer Fragen treten museologische Problemstellungen: Wie reflektieren die Einrichtungen die in ihren Gebäuden sedimentierte Geschichte? Welche Rolle spielen die sich überlagernden Zeitschichten in der musealen Praxis? Unter welchen Voraussetzungen ist die (reale oder virtuelle) Rekonstruktion verlorener Sammlungsinszenierungen sinnvoll und wie kann diese in die Dauerausstellungen und Online-Angebote integriert werden? Ziel der gemeinsamen Arbeit ist eine Publikation zu den teils ikonischen, teils unbekannten Raumensembles der Verbundeinrichtungen.

Der Teilnehmerkreis der Forschungsgruppe Raum umfasst neben MWW-Mitarbeiter*innen und Fachkustod*innen auch externe Expert*innen für Raumforschung und Museumsgeschichte. Besonders wichtige Kooperationspartner sind die Arbeitsstelle für literarische Museen, Archive und Gedenkstätten in Baden-Württemberg und die AG 3D-Rekonstruktion im DHd-Verband. Eine inhaltliche Verbindung besteht zur → Fallstudie Kult und Kapital, die unter anderem das heute für die Öffentlichkeit nicht mehr zugängliche 1. Obergeschoss im Weimarer Nietzsche-Archiv behandelt.

Was ist das Ziel des Projektes?

Ziel des Projektes ist eine fundierte Auseinandersetzung mit den historischen Sammlungsräumen der Verbundpartner – und zwar sowohl wissensgeschichtlich als auch museologisch-praktisch. Generell dient das Format der Forschungsgruppen der internen und externen Vernetzung.

Wie soll das Ergebnis kommuniziert werden?

Das Projekt erarbeitet eine reich bebilderte Publikation im Sinne eines ‚Inventars' der historischen Sammlungsräume ‚vor und hinter den Kulissen’. Parallel dazu sind digitale Rekonstruktionen verlorener Sammlungsräume sowie museale Interventionen in den Verbundinstitutionen denkbar.

Wie viel Zeit wird für die Teilnahme veranschlagt?

Geplant sind zwei Workshops pro Jahr, beginnend im Herbst 2020. Die Mitglieder der Forschungsgruppe können sich an der Publikation beteiligen und erhalten die Gelegenheit zur Quellenforschung vor Ort.