Zeitschrift für Ideengeschichte

„Alte Hüte“ - die erste Ausgabe der Zeitschrift für Ideengeschichte (www.z-i-g.de) hat ihre eigene Unzeitgemäßheit im Frühjahr 2007 gleich zum Titel gemacht. Ganz unbefangen von allen Theoriemoden und aktuellen turns in den Geisteswissenschaften pflegt die Zeitschrift seitdem das lange Gedächtnis der Ideen, spürt ihren untergründigen Wanderwegen nach, den Aufstiegs- und Verfallskurven der Ideen. Dabei erweist sich manch scheinbar neue Idee als alter Hut. Und umgekehrt gilt es, in Vergessenheit geratene Ideen neu zu entdecken.

Jedes Heft der vierteljährlich im C.H. Beck-Verlag erscheinenden Zeitschrift hat einen eigenen Schwerpunkt („Die Insel West-Berlin“, „Droge Theorie“, „Kleine Formlosigkeiten“ etc.). Darauf folgt ein großer, thematisch freier Essay. Einen weiteren festen Bestandteil bilden die Rubriken „Gespräch“, „Denkbild“ und „Archiv“, in der Fundstücke aus den Beständen und Neuerwerbungen der Herausgeberinstitutionen präsentiert werden. Den Schluss des Heftes bildet die Sektion „Konzept und Kritik“, in der bedeutende Neuerscheinungen diskutiert werden.

Die Zeitschrift für Ideengeschichte wendet sich an die gebildete Öffentlichkeit. Darüber hinaus strebt sie als Forum der Forschung und Reflexion eine fachübergreifende Kommunikation zwischen allen historisch denkenden und argumentierenden Geisteswissenschaften an.

Die Zeitschrift für Ideengeschichte wird von den drei großen deutschen Forschungsbibliotheken und Archiven in Marbach, Weimar und Wolfenbüttel sowie dem Wissenschaftskolleg zu Berlin und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz gemeinsam getragen. Mögen die Quellen der Zeitschrift im Archiv liegen, so ist ihr intellektueller Zielpunkt die Gegenwart. Sie beschreitet Wege der Überlieferung, um in der Jetztzeit anzukommen; sie stellt Fragen an das Archiv, die uns als Zeitgenossen des 21. Jahrhunderts beschäftigen.

 

 

"Keile" (Heft XII/4, Herbst 2018)

Wo steht die Wiege der Schrift und ersten Ideenkultur? "Keile" - Die Winterausgabe der ZIG gräbt tief hinab in die Ur-Ideengeschichte und entfaltet ein Panorama der Aufschreibesysteme im Alten Orient. Das Heft befragt das Superioritätsgefühl unserer modernen Welt - so viel Rationalität, Reflexion und Klugheitslehren scheinen schon in den Keilschrift und ihren gewieften Autoren zu stecken.

Mit Beiträgen von Stefan M. Maul, Heinz Schlaffer, Wolfgang Ullrich, Gesprächen mit Jan Assmann und Raoul Schrott und vielen Weiteren.

„Ich" (Heft XII/3, Herbst 2018)

„ICH" – das Herbstheft der ZIG kreist um eine Zentralsignatur der Moderne. Jenseits aller schnell ausgerufener Renaissancen und Abgesänge auf das Ich, an denen in der Ideengeschichte stets kein Mangel war, spürt das Heft dieser flackernden Signatur in Einzelgeschichten nach. Die Zeitschrift begibt sich auf die Suche nach dem Ich als Kraftquelle des Schreibens. Jacob Burckhardt erscheint als Bildregisseur seines Nachruhms, Silvia Bovenschen als Wächterin über den Eigensinn von '68 und Thomas Mann als kalifornischer Dramaturg bürgerlicher Innenansichten. Der Essay beleuchtet demokratietheoretisch eine politische Ego-Quelle unserer Tage – Donald Trumps serielle Tweets der Vorbehaltlosigkeit.

Mit Beiträgen von Karl Heinz Bohrer, Valentin Groebner, Anna Kinder, Peter Strohschneider, Ulrich Raulff, Henning Ritter und vielen weiteren.

„Intelligenzbad Ahrenshoop“ (Heft XII/2, Sommer 2018)

Im "Intelligenzbad Ahrenshoop" spürt die ZIG der DDR an einem einzigartigen Ort nach. Seit 1947 erholten sich hier am Ostseestrand prominente Schriftsteller, Künstler und Wissenschaftler von den Mühen des Neuaufbaus - und setzten ihn in aufgelockerter Form als privilegierte Sommergesellschaft fort. Unter ihnen: Johannes R. Becher, Bertolt Brecht, Hanns Eisler, Hans-Georg Gadamer, Ernst Niekisch, Heiner Müler, Franz Fühmann, Christa Wolf und Sarah Kirsch. Das aus den Archiven geschriebene und reich bebilderte Heft zeigt den Intelligenztransfer in der unmittelbaren Nachkriegszeit von der Hinterbühne. Eine ungewöhnliche Bilderrevue aus dem privaten Leben führender DDR-Intellektueller ist zu besichtigen.

Mit Beiträgen von Marina Achenbach, Annett Gröschner, Sebastian Kleinschmidt und vielen weiteren. 

„Welthistoriker – Dilettant – Burckhardt“ (Heft XII/1 Frühjahr 2018)

Was sagt uns Jacob Burckhardt heute? Die Frühjahrsausgabe der Zeitschrift für Ideengeschichte kreist um einen Einzelgänger, genialen Dilettanten und Welthistoriker, der schon lang vor den jüngsten turns globalhistorisch dachte. Heute, an seinem 200. Geburtstag, sind uns seine "Weltgeschichtlichen Betrachtungen" politisch bedrückend nahe. In seinem Pessimismus, seinen Ängsten und Irritationen erkennen wir uns wieder. Wie kaum ein anderer Historiker trifft der Seismograph Burckhardt die Stimmung unserer Zeit.

Mit Beiträgen von Simon Strauss, Christian Meier, Stefan Rebenich, Ulrich Raulff,  Caspar Hirschi, Patrick Bahners und vielen weiteren.

"Intelligence. Import / Export" (Heft XI/4 Winter 2017)

Neues vom ideenhistorischen Nachrichtendienst: "Intelligence. Import / Export". Die Winterausgabe der Zeitschrift spürt ideenpolitischen Wanderwegen diesseits und jenseits der transatlantischen Einbahnstraße nach - von Henry Kissinger bis zur Suhrkamp Culture, von der Reeducation bis zum Ethik-Import der späten Bundesrepublik. Ein eigener Schwerpunkt ist Clemens Heller gewidmet, dem legendären Tausendsassa der Maison des Sciences de l'Homme, der im Paris der Nachkriegszeit den großen Ideentransfer von der Hinterbühne der Wissenschaftsverwaltung orchestrierte.

Mit Beiträgen von Patrick Bahners, Klaus Reichert, Petra Gehring, Wolf Lepenies und vielen Weiteren. 

Marx (Heft XI/3 Herbst 2017)

"Marx" - der Name hat politische Signalfarbe. Kein Denker der Moderne hat ein solches Beben in der politischen Ereignisgeschichte ausgelöst wie der Theoretiker aus Trier. Die Geschichte seiner Rezeption ist ein eigener ideenpolitischer Roman. Wurde er noch nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ins historische Antiquariat des 19. Jahrhunderts verbannt, wird nun im Zuge der Krise des Finanzkapitalismus überall seine Renaissance ausgerufen. Jenseits vorschneller politischer Aktualisierung beleuchtet die Herbstausgabe der Zeitschrift den Marx-Komplex auf eigene Weise. Am Vorabend seines 200. Geburtstages begibt die ZIG sich auf Spurensuche ins Archiv und zeigt Marx in überraschenden Konstellationen.

Mit Beiträgen von Philipp Felsch, Dick Howard, Wilfried Nippel, Julia Voss und vielen weiteren.

Spätzünder (Heft XI/2 Sommer 2017)

"Spätzünder" - die ZIG widmet sich in der Sommerausgabe jenen Ideen, die lange ein Schattendasein fristen, um dann urplötzlich Wirkungsmacht zu entfalten. Mit Winckelmann, Hobbes, Beethoven oder dem Denkstil-Theoretiker Ludwik Fleck begibt die Zeitschrift sich quer durch die Wissenschaften und Künste auf die Suche nach der Physiognomie der Spätzünder, nach ihrer Latenz und Explosivität.

Mit Beiträgen von Luca Giuliani, Ben Hutchinson, Hannelore Schlaffer, Quentin Skinner und vielen Weiteren.

betrifft: Beamte (Heft XI/1 Frühjahr 2017)

Die Frühjahrsausgabe der ZIG spürt den ideenhistorisch bisher wenig gewürdigten Schlüsselfiguren der Moderne nach. Soziologisch bilden die Beamten eine Parallelgesellschaft im Hintergrund. Heute im Zeichen weltweiter Migration wiederholen sich die Bilder, die nach den Beamten rufen. Leben wir im Zeitalter des Herbstes des Beamten oder ihrer Renaissance?

Mit Beiträgen von Dieter Henrich, Florian Meinel, Wolfram Pyta, Helwig Schmidt-Glintzer und vielen weiteren. 

 

 

 

Kleine Depressionen (Heft X/4 Winter 2016)

Die Winterausgabe der „Zeitschrift für Ideengeschichte” mit dem Titel „Kleine Depressionen” steht im Schatten der Melancholie. Das Heft zeichnet ein facettenreiches Psychogramm der Ideengeschichte – von den Professorenleiden in der Frühen Neuzeit über die Untergangsstimmung der Avantgarden, dem marxistischen Kater der siebziger Jahre bis zu den selbsternannten politischen „Alternativen” unserer Tage. So sehr Angst, Untergang, Depression politische Stimmungsgefühle der Jetztzeit zu sein scheinen, wird hier einmal ideenhistorisch die Gegenrechnung aufgemacht: die schöpferische Kraft der Schwermut pointiert, mit Lust an der Krise entlangbalanciert.

Mit Beiträgen von Peter-André Alt, Durs Grünbein, Ina Hartwig, Paul Nolte, Wolfgang Rihm und vielen weiteren.

 

 

Russischer Herbst (Heft X/3 Herbst 2016)

Das Herbstheft der „Zeitschrift für Ideegeschichte” nimmt die Leserinnen und Leser mit auf eine Reise in die politische Seelenlage Russlands: vom demokratischen Frühlingserwachen 1917 bis zur Patriarchendämmerung und Putins imperialen Abenteuern.

Mit Beiträgen von Kerstin Holm, Adam Tooze, Alexandra Kemmerer, Barbara Vinken und vielen weiteren.

 

 

 

 

 

 

 

Der Wille zum Wissen (Heft X/2 Sommer 2016)

Allen kulturkritischen Abgesängen zum Trotz prägt der „Wille zum Wissen” auch unsere Jahre – auch wenn er sich andere Kanäle sucht als in der klassischen Hochphase der Enzyklopädien. Wo Wissensexplosionen und Wissenserosionen beständig einander ablösen, verheißen Nachschlagewerke Orientierung. Nie war ihr Erfolg so groß wie heute im Zeitalter von Wikipedia. Aber wie ändert sich das „Wissen”, wenn es im Minutentakt neu modelliert wird? Das Sommerheft der ZIG spürt dem Schicksal der Enzyklopädien in unserer digitalen Jetztzeit nach.

Mit Beiträgen von Peter Burke, Oliver Jungen, Christoph Möllers, Steffen Siegel, Joseph Vogl und vielen weiteren.

 

 

 

Altgier (Heft X/1 Frühjahr 2016)

Von den "Alten Hüten" bis zur "Altgier" – mit der Frühjahrsausgabe geht die "Zeitschrift für Ideengeschichte" in das zehnte Jahr. Es ist die Faszination von alten Sachen, vom Fundus der Ideen, die die Energien der Zeitschrift im letzten Jahrzehnt immer wieder herausgefordert und beflügelt hat. Die Jubiläumsausgabe spürt der Obsession für das Alte einmal grundsätzlich nach – von der Faszination der Antike für ihr eigenes Altertum über das moderne Vintage-Phänomen bis zu den Retro-Schleifen unserer Jahre.

Mit Beiträgen von Karl Heinz Bohrer, Glen Bowersock, Heike Gfrereis, Carola Lentz, Hermann Lübbe, Ira Mazzoni, Ulrich Raulff und weiteren.

 

 

Die Party (Heft IX/4 Winter 2015)

Die Winterausgabe spürt den darkrooms der Ideengeschichte nach. Sie entwirft einen Reigen wilder Party-Szenen. Eben sind wir noch in den frühen Achtziger Jahren mit Blixa Bargeld im Westberliner "Dschungel", schon steht Diogenes vor der Tür. Ein Zimmer weiter schlägt die Stunde der Mänaden. Reinhart Koselleck erlebt 1989 in München einen denkwürdigen Empfang; und Niklas Luhmann beobachtet alles und beutet Bar-Gespräche für seine Theorie aus.

Mit Beiträgen von Aleida Assmann, Heinz Bude, Hans Magnus Enzensberger, Philipp Felsch, Petra Gehring, Friedrich Wilhem Graf, Ellen Strittmatter und vielen weiteren.

 

 

Schändung (Heft IX/3 Herbst 2015)

Die Herbstausgabe der Zeitschrift für Ideengeschichte beleuchtet eine Zone, die durch den Vandalismus des IS ungeheure neue Virulenz gewonnen hat – "Schändung". Schändungen sind Gewaltakte, die Körper treffen, Bilder zerstören und Höchstgrade der Erregung bewirken sollen. Es geht um Bilder als Gesten, um schmutzige Bilder als Trophäen eines ungehegten Krieges. Das Heft spürt diesem abgründigen moralischen Komplex durch die Zeiten nach – von der Leichenschändung in der Antike bis zur amerikanischen Terror-Politik in Guantánamo.

Mit Beiträgen von Monika Dommann, Luca Giuliani, Kathrin Hoffmann-Curtius, Wolfgang Schivelbusch und vielen Weiteren.

 

 

 

Das Dorf (Heft IX/2 Sommer 2015)

Die urbane Faszination ist ein intellektueller Fetisch. Das "hervorragende Sommerheft der 'Zeitschrift für Ideengeschichte', der es immer wieder mal gelingt, aus dem Archiv heraus den Nerv der Zeit zu treffen" (Johan Schloemann in der SZ vom 18. Mai 2015), macht die Gegenrechnung auf. Es widmet sich dem "Dorf" und zeigt, dass entgegen der Blickverengung auf die Großstadt das Dorf eine Brutstätte von Ideen ist.

Mit Beiträgen von Jürg Beeler, Stefan Breuer, Friedrich Wilhelm Graf, Oliver Müller, Marie Theres Stauffer und vielen weiteren.

 

 

 

Kommissar Lukács (Heft VIII/4 Winter 2014)

Wer redet noch von Georg Lukács? Warum ist es so still geworden um ihn, der jahrzehntelang die Gemüter erhitzte wie nur wenige? Die Zeitschrift für Ideengeschichte wagt mit Fundstücken aus dem Budapester Archiv einen neuen, unbefangenen Blick auf diesen bedeutenden Literaturtheoretiker des 20. Jahrhunderts.

Mit Beiträgen von Agnes Heller, Joachim Fischer, Fritz J. Raddatz, Heinz Schlaffer und vielen weiteren.

 

 

 

 

Kleine Formlosigkeiten (Heft VIII/3 Herbst 2014)

Was wäre aus den konservativen Granden Joachim Fest, Johannes Gross und Wolf Jobst Siedler geworden, wenn das Dritte Reich gesiegt hätte? Und stimmt es, dass der Mäzen Jan Philipp Reemtsma dem verehrten Arno Schmidt Geld über den Zaun geworfen hat? Die Herbstausgabe der Zeitschrift für Ideengeschichte gibt Antwort auf diese und andere diskrete und indiskrete Fragen. Die Ausgabe versammelt mehr als dreißig „Kleine Formlosigkeiten“, die sich auf der schiefen Ebene von der Anekdote zum Klatsch bewegen.

Mit Beiträgen von Hans Magnus Enzensberger, Eckhard Henscheid, Claudio Magris, Christian Meier, Ulrich Raulff, Jan Philipp Reemtsma, Martin Walser und vielen weiteren.