Forschungsprojekte der ersten Förderphase

Die gemeinsamen Forschungsprojekte bildeten in der ersten Förderphase (2013–2019) den Kern des Verbunds. Sie führten aktuelle Fragestellungen der Text-, Bild-, Buch- und Medienwissenschaften sowie der Ideen- und Wissenschaftsgeschichte mit bestandsbezogenen Forschungsperspektiven zusammen. Sie lagen in der Verantwortung von Forschergruppen aus wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der drei Einrichtungen sowie international renommierten Persönlichkeiten.

Die Forschungsprojekte wurden durch den Aufbau einer digitalen Forschungsinfrastruktur flankiert. In der zweiten Förderphase werden die Projekte und deren Ergebnisse in neuen Fallstudien teilweise weitergeführt.

Mit einer Reihe von insgesamt drei Ausstellungen wurden die Projekte des Forschungsverbunds in den Jahren 2017/2018 für eine größere ւffentlichkeit sichtbar und boten gleichzeitig einen Einblick in das gesamte Spektrum der Sammlungen.

Autorenbibliotheken: Materialität – Wissensordnung – Performanz

Das Forschungsprojekt widmete sich den Sammlungsschwerpunkten, intellektuellen Profilbildungen und Benutzungsgeschichten von individuellen Autorenbibliotheken seit dem 16. Jahrhundert. Dabei wurden Autorenbibliotheken als Räume neuen Wissens und Träger des Wandels wissenschaftlicher und poetischer Arbeitspraktiken untersucht.

Bildpolitik: Das Autorenporträt als ikonische Autorisierung

Das Projekt führte aktuelle text- und bildwissenschaftliche Forschungsansätze zusammen, um auf der Basis der Sammlungsbestände den Leitbegriff der ‚ikonischen Autorisierung‘ zu profilieren. Untersucht wurden die Funktionsmechanismen des Autorenporträts und seiner Vorläufer im literarischen Diskurs.

Text und Rahmen: Präsentationsmodi kanonischer Werke

Die Bibel, der Faust, die Klassiker: Was macht sie eigentlich kanonisch? Das Projekt verfolgte die These, dass die Sinnenfälligkeit eine entscheidende Rolle spielt und dazu sowohl die berührbare und sichtbare Materialität der Bücher gehört als auch die Präsentation in Worten, Gesten und Gesang. Die Projektgruppe machte es sich zur Aufgabe, die Kanon-Konjunkturen, ihre medialen Bedingungen und Beschränkungen zu untersuchen und damit eine Sammlungs-Kritik im aufklärerischen Sinne zu leisten.

Digitale Forschungsinfrastruktur

Der Forschungsverbund entwickelt eine gemeinsame Infrastruktur für den Einsatz moderner Informationstechnologien. Mit ihrer Hilfe werden die wissenschaftliche Arbeit und die Sicherung ihrer Erträge auf ein neues Fundament gestellt. Der Forschungsverbund verfolgte in der ersten Förderphase (2013–2019) drei gemeinsame Projekte:

Datenmodellierung und Metadaten

Das Teilprojekt konzentrierte sich auf die Modellierung der durch Metadaten zu beschreibenden Entitäten sowie auf die Entwicklung und Nutzung von Metadatenstandards für den Forschungsverbund. Über die Metadaten werden die verschiedenen Komponenten der virtuellen Forschungsumgebung des Verbunds zusammengeführt.

Aufbau eines virtuellen Forschungsraums

Gegenstand dieses Teilprojektes war der Aufbau eines virtuellen Forschungsraums, der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern einen digitalen Zugang zu den Sammlungen der drei Verbundeinrichtungen eröffnet und interaktive computergestützte Arbeitsmöglichkeiten für methodisch neue Forschungsperspektiven anbietet.

Aufbau eines verlässlichen Speichers

Im Rahmen des Projekts wurde ein Langzeitarchivierungssystem nach dem OAIS-Modell aufgebaut, das zum einen die Grundlage für den gesamten Forschungsraum des Verbunds darstellt, zum anderen aber auch als Pilot für andere Einrichtungen fungieren soll, die ebenfalls vor der Herausforderung stehen, digitale Objektdaten nachhaltig und verlässlich zu archivieren.