Goethe digital

Eine Autorenbibliothek als Sammlungsraum

 

Bibliotheken sind zentrales Arbeitsmittel von Autorinnen und Autoren – besonders ihre eigenen Büchersammlungen. Marginalien und Anstreichungen geben Auskunft über ihre Arbeitsweise, Anordnungen im Regal sagen etwas über ihre Wissensordnungen und intellektuellen Horizonte aus, Widmungen und Begleitbriefe dokumentieren die sozialen Beziehungen der Besitzerinnen und Besitzer. Und schließlich kann man Autorenbibliotheken als Sammlungen begreifen, die wieder in Beziehung zu anderen Sammlungen stehen.

Projektziel

Eine der bedeutendsten deutschen Autorenbibliotheken digital auswerten und mit neuesten technischen Mitteln präsentieren – das ist die Aufgabe des MWW-Projektes an der Herzogin Anna Amalia Bibliothek der Klassik Stiftung Weimar.

Die Privatbibliothek von Johann Wolfgang Goethe (1749-1832) ist eine einzigartig überlieferte Sammlung. Mit etwa 7.200 Bänden umfasst sie etwa neun Zehntel dessen, was beim Tod des Dichters noch vorhanden war. In ihr bilden sich nicht nur die Quellen von seiner Arbeit ab, sondern auch der Umgang mit seinen Kunst- und Naturaliensammlungen, die Lektüren seiner Familie, und die vielfältigen Beziehungen zu Hunderten von bekannten und weniger bekannten Autorinnen, Autoren und Wissenschaftlern. Ergänzt wird dieses Bild durch die über 3.000 Bände, die Goethe aus der herzoglichen Bibliothek in Weimar auslieh, welche er auch über dreißig Jahre lang leitete.

Erste Förderphase

In der ersten MWW-Förderphase wurde das Zusammenspiel beider Bibliotheken im Projekt Goethes Bibliotheken in Weimar erforscht. Privatbibliothek und Ausleihen sind gemeinsam in der Goethe Bibliothek Online zusammengefasst – ein Best-Practice-Beispiel dafür, wie man eine Büchersammlung mit den Mitteln eines digitalen Katalogs abbilden kann. Notizen, Widmungen, Exlibris und andere Merkmale werden in einer bisher nicht gekannten Vollständigkeit abgebildet. Außerdem werden inhaltliche und personelle Schwerpunkte sichtbar, die in den bisherigen gedruckten Verzeichnissen versteckt geblieben waren. Dazu wurden 2.000 Bände der Privatbibliothek ausgewählt, die nach und nach digitalisiert und auf den Seiten der Klassik Stiftung Weimar zugänglich gemacht werden.

Das Nachfolgeprojekt Goethe digital

Eine Autorenbibliothek als Sammlungsraum widmet sich der digitalen Auswertung der Bibliothek und möchte sie im Zusammenhang anderer Sammlungen an der Klassik Stiftung Weimar verorten. In einem ersten Schritt beteiligt sich das Projekt mit seinen Daten an einer 3D-Visualisierung des Bibliotheksraumes in Goethes Wohnhaus. Ein sammlungserschließender Katalog soll exemplarisch den Zusammenhang von Goethes Lektüren mit anderen Sammlungen des Dichters veranschaulichen. Weitere Visualisierungen von Goethes Arbeit mit seinen Büchern sind in Zusammenarbeit mit dem Urban Complexity Lab der FH Potsdam geplant. In begleitenden Artikeln werden das Profil und die Geschichte von Goethes privater Bibliothek weiter erkundet.

Zu den Aktivitäten für 2019/20 gehören ferner ein Schwerpunktheft des Internationalen Archivs für die Sozialgeschichte der deutschen Literatur (IASL) zum Thema der Provenienzforschung in Autorenbibliotheken, die Tagung Literature in the World: Material Networks of Books to and from Goethe’s Weimar an der University of Oxford, die Beteiligung an der Planung der MWW-Sommerschule 2020 sowie ein Artikel zu Dimensionen des Erbes in Goethes Privatbibliothek in der kommenden Ausgabe des Goethe Yearbook.

Mitarbeiterinnen & Mitarbeiter