Ausstellungen der ersten Förderphase

Drei gemeinsame Forschungsprojekte bildeten in der ersten Förderphase (2013–2019) den Kern des Verbunds zwischen dem Deutschen Literaturarchiv Marbach, der Klassik Stiftung Weimar und der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel. In ihnen treffen‚ aktuelle Entwicklungen in den Geistes- und Kulturwissenschaften auf eine einzigartige Vielfalt an Objekten, die in den Archiven, Bibliotheken und Museen der drei Einrichtungen au‡fbewahrt sind. Es ist ein unvergleichlicher Reichtum nicht nur an Handschriften und Drucken. Die Magazine der drei Häuser bergen Dinge der unterschiedlichsten Art, von Zeichnungen und Fotografien über Skulpturen bis hin zu ausgefalleneren Gegenständen, zu denen Tintenfässer oder Schreibmaschinen genauso zählen wie Reisekoff‚er oder Totenmasken.

Mit einer Reihe von insgesamt drei Ausstellungen wurden die Projekte des Forschungsverbunds in den Jahren 2017/2018 für eine größere ւffentlichkeit sichtbar und boten gleichzeitig einen Einblick in das gesamte Spektrum der Sammlungen. Neben Luther, dem die erste der Ausstellungen in Wolfenbüttel gewidmet war und dessen Name bis heute synonym ist mit der Reformation, spürte eine große Schau zu Goethes „Faust“ im Jahr 2018 einer weiteren deutschen „Schicksalsfigur“ nach. Bereits ab September 2017 stand in Marbach mit der „Familie“ eine besondere soziale Formation im Zentrum der Aufmerksamkeit, die in ihrer speziellen Gestalt der Gelehrtenfamilie sinnbildlich ist für die Ambition, kulturelles Erbe weiterzugeben. Alle drei Ausstellungen zeigten, in welcher Weise innovative Forschung über die Grenzen von Institutionen und Epochen hinweg unseren gewohnten Blick auf Dinge und Zeiten in eine neue Richtung lenken kann.


Luthermania. Ansichten einer Kultfigur

Martin Luther ist eine der großen Gestalten der deutschen Erinnerungskultur. Aber an wen wird eigentlich erinnert? Wer war Martin Luther? Auf diese nur scheinbar triviale Frage sind in den vergangenen 500 Jahren sehr unterschiedliche Antworten gegeben worden. Aus der Person Martin Luther wurde eine Figur, die kultische Verehrung und erbitterte Anfeindung erfuhr und als Instrument der Legitimierung und Medium der Identitätsstiftung diente. Es entstand eine Vielzahl zum Teil bis heute wirksamer Lutherbilder: Heiliger, Ketzer, Prophet, Antichrist, Kirchenvater, Kirchenspalter, Aufklärer, Antisemit, Genie, Scharlatan, Nationalheld, Fürstenknecht. 

Die Ausstellung Luthermania präsentierte vier wesentliche kulturelle „Spielfelder“, in denen sich Lutherbilder entwickelten und über lange Zeiträume wirkten: Luther, der Heilige – Luther, der Teufel – Luther, die Marke – Luther, der Deutsche. Die Exponate werden dabei nicht als Wege zu Luther verstanden, sondern als materielle Agenten, die die Aufgabe hatten, eine bestimmte, mit Vorannahmen, Wertzuschreibungen, Idealen und Absichten behaftete „Sichtbarkeit“ herzustellen. Sie haben in ihrer Zeit und mit unterschiedlichem Erfolg „Luther“ gemacht.

Konzeption und Kuration der Ausstellung: Dr. Hole Rößler

Die Schau ist in einer umfassenden virtuellen Ausstellung www.luthermania.de weiterhin zu besuchen.

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Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, 15. Januar bis 18. Juni 2017


Die Familie. Ein Archiv

Die Ausstellung nahm Dichter-, Künstler- und Gelehrtenfamilien in den Blick: von den Mythen ihres Ursprungs über die Soziologien des Zusammenlebens zur Konstruktion von Geistes- oder Talentfamilien, literarischen Wahlverwandtschaften und fiktiven Ahnenreihen. Auf etwa 400 Quadratmetern des Museums wurde die Rolle dieser Familien beim Zustandekommen von Kunst und Literatur, Wissenschaft und Tradition sowie bei deren Verhinderung und Zerstörung gezeigt. 

Besonderes Interesse galt dabei den Marbacher Bildbeständen und der Funktion der Bilder im Prozess des „making of the family“. Welche sichtbaren Ordnungen braucht die Familie, um ihre soziale Realität herzustellen? Wie werden diese erschaff‚en, archiviert und vererbt? Welche Familienbilder und -narrative entwirft und verwirft die Literatur? Welches poetische und bildkünstlerische Potential verbirgt sich hinter dem Begri‚ff der Familie? Rund 300 Exponate zeugten von dem Versuch einzelner Familien, Traditionen zu bilden, kulturelles Erbe weiterzugeben, Kontinuitäten und Linien zu schaff‚en, aber auch von der Kraft der Unheilsgeschichten, von Asymmetrien, Normverstößen, Brüchen und Zerfall.

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Deutsches Literaturarchiv Marbach, Literaturmuseum der Moderne, 21. September 2017 bis 29. April 2018


Du bist Faust. Goethes Drama in der Kunst

Goethes „Faust“ ist das weltweit bekannteste Werk der deutschen Literatur. Das Drama reflektiert die mal heroische, mal verzweifelte Sinnsuche des neuzeitlichen Individuums und verwebt dieses Streben auf einzigartige Weise mit den großen Themen der Menschheitsgeschichte. Fausts Pakt mit dem Teufel befeuerte ebenso wie die Liebesbegegnung mit Margarete die Einbildungskraft vieler Künstler.

Vom 23. Februar bis zum 29. Juli 2018 widmete der Forschungsverbund Marbach Weimar Wolfenbüttel dem „Faust“-Drama eine Ausstellung in Kooperation mit der Kunsthalle München. Damit beleuchtete die Schau eines der fesselndsten Werke in der europäischen Kulturgeschichte vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Rund 150 Exponate aus den Sammlungsbeständen der Klassik Stiftung Weimar sowie aus europäischen und außereuropäischen Sammlungen führten vor Augen, dass nahezu jede Generation seit 1800 eine ganz eigene Beziehung zu Goethes „Faust“ entwickelt hat. An der Wirkungsgeschichte des Dramas lässt sich die Kulturgeschichte der Moderne ablesen.

Kunsthalle München, 23. Februar bis 29. Juli 2018

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Erfahren Sie hier mehr über die Ausstellungen:

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