ENDE

Endterm-Tagung

- Call for Papers -

Digital ist besser? Sammlungsforschung im digitalen Zeitalter

16. u. 17. Februar 2023
Klassik Stiftung Weimar

 

Im Deutschen Literaturarchiv Marbach, der Klassik Stiftung Weimar und der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel befindet sich mehr als ein halbes Jahrtausend deutscher und europäischer Kulturgeschichte. 2013 haben sich die Einrichtungen in einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Forschungsverbund (MWW) zusammengeschlossen. Von Beginn an beschäftigt den MWW die digitale Sammlungsforschung, die seit 2019 mit der gezielten Entwicklung bedarfsgerechter digitaler Angebote und Modelllösungen im Mittelpunkt steht. Nach zehn Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit schließt der Verbund im Februar 2024 seine zweite Förderphase ab. Diese Zäsur soll genutzt werden, um über die Bedeutung des Digitalen für die Erschließung, Erforschung und Vermittlung kulturhistorischer Objekte und deren Kontextualisierung durch Sammlungszusammenhänge zu reflektieren und gemeinsam den Blick in die Zukunft zu richten.

Die Aufgabe von Kulturinstitutionen, Museen, Bibliotheken und Archiven ist es, ihre Bestände dauerhaft zu bewahren und nach zeitgemäßen Standards zu erfassen, das Wissen über ihre historisch gewachsenen, analogen und digitalen Sammlungen zu erweitern und zu vertiefen sowie diese Sammlungen und die darüber gewonnenen Erkenntnisse an ein vielfältiges Publikum zu vermitteln. Dabei spielen digitale Methoden, Werkzeuge und Anwendungen eine immer größere Rolle, zumal sich die Kulturinstitutionen gegenwärtig in einem rasanten Prozess der digitalen Transformation befinden, der durch die Corona-Pandemie unlängst noch beschleunigt wurde. Vor diesem Hintergrund möchte die Tagung »Digital ist besser? Sammlungsforschung im digitalen Zeitalter« einen interdisziplinären Dialog über Ziele, Wirkungsweisen, Potentiale und Grenzen der digitalen Sammlungsforschung und -präsentation anstoßen. Die Beiträge sollen in einem oder in beiden der folgenden Themenfelder angesiedelt sein:

Reflexion

  • Wie hat sich die digitale Sammlungsforschung in den letzten zehn Jahren entwickelt? Was waren Veränderungen, die das Feld grundlegend umgestaltet haben? Welche Auswirkungen haben beispielsweise die Empfehlungen des Rats für Informationsinfrastrukturen auf nationaler Ebene und die Arbeit des Standard Resource Description and Access Steering Committee auf internationalem Terrain? Welche Trends haben sich nicht durchgesetzt und warum?
  • Wo kann das Digitale das Erkenntnisstreben unterstützen, erweitern oder gar über die Kapazitäten eines analogen Ansatzes hinaus Denkanstöße liefern und Ergebnisse produzieren, beispielsweise durch die Visualisierung verschiedener Zeitschichten, die Analyse großer Datenmengen oder die digitale Zusammenführung geografisch getrennter Bestände, die nicht mehr, oder nur eingeschränkt zugänglich sind?
  • Die Nachlässe von born digitals sind längst in den Archiven angekommen und das Sammeln von rein digitalen Daten gehört heute zur Realität von Kulturinstitutionen. Welche praktischen Fragen beispielweise nach Speicherplatz, Langzeitarchivierung oder im Umgang mit born digital-Nachlässen stellen sich hier?
  • Was sind die Wirkungsweisen digitaler Tools und Anwendungen? Wie wirken virtuelle Ausstellungen bzw. Virtual- und Augmented-Reality-Angebote auf die Wissenschaft und das breite Publikum?
  • Was sind die Grenzen digitaler Methoden und Herangehensweisen, wo können sie klassische hermeneutische Verfahren der analogen Welt nicht ersetzen? Wie ist grundsätzlich das Mit- und Nebeneinander tradierter und digitaler Methoden zu denken?
  • Wo liegen die Potenziale und Grenzen der Nutzung kommerzieller digitaler Programme und Infrastrukturen für die Erforschung und Präsentation institutioneller kulturhistorischer Sammlungen?
  • Welche Herausforderungen gibt es aktuell in der digitalen Sammlungsforschung? Welche Probleme sind ungelöst?

Zukunftsvisionen

  • Was sind neuartige, experimentelle Ansätze und Zukunftsvisionen für die digitale Sammlungsforschung?
  • Wie können Desiderate aufgelöst werden? Was wünscht sich die Forschung als digitale Utopie für das kommende Jahrzehnt?
  • Wo liegen Potenziale, wo vielleicht auch Gefahren der digitalen Transformation für sammlungsführende Kulturinstitutionen?
  • Mit welchen theoretischen Fragen, etwa nach Authentizität – man denke an den zunehmenden Einsatz von KI-Anwendungen und -Rekonstruktionen, Materialität, Nähe und Distanz oder zur digitalen Verdopplung der Welt wird sich die digitale Sammlungsforschung vermehrt auseinandersetzen müssen? Wie verändert umgekehrt die Praxis der digitalen Sammlungsforschung unsere Auffassung dieser Begriffe?
  • Wie zukunftsfähig und nachhaltig sind digitale Datensätze, Datenträger und Projekte? Was lässt sich tun, um deren Nachhaltigkeit zu verbessern?
  • Welche Auswirkungen hat die zunehmend normierte semantische Erschließung des Sammlungsguts (Normdaten, Vokabulare, Ontologien)? Wie flexibel sind diese Klassifikationen mit Blick auf ›Nicht-Wissen‹, neues Wissen und die fortlaufende Revision des Kanons?

Eingeladen sind Vortragende aller geistes- und kulturwissenschaftlichen Disziplinen, insbesondere auch aus sammlungsführenden Institutionen. Bitte reichen Sie bis zum 15. September 2022 ein Abstract von maximal 300 Wörtern für einen Beitrag von 20 Minuten ein. Die Konferenz findet vom 16.–17. Februar 2023 in Präsenz an der Klassik Stiftung Weimar statt.

Die Publikation der Beiträge in einem Tagungsband ist für Ende 2023 im Rahmen einer bestehenden Kooperation mit dem Wallstein Verlag sowie im Open Access auf der MWW-Publikationsplattform PoP geplant. Wir bitten die für einen Vortrag Eingeladenen, uns bis zum Datum der Konferenz einen Entwurf ihres Papers zuzusenden. Deadline für die Abgabe der Endfassung ist der 15. Mai 2023. Die Veranstalter übernehmen die Fahrt- und Hotelkosten der Sprecher*innen.

Kontakt

Dr. Katharina Günther
E-Mail:
katharina.guenther@mww-forschung.de

Florian Hellbach
E-Mail:
Florian.Hellbach@klassik-stiftung.de

 

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