ENDE

– Ausschreibung – 

Literaturdaten und digitale Literatur 

Internationale Sommerschule

In Verbindung mit dem Projekt textklang (Universität Stuttgart)

31. Juli bis 11. August 2023 
Deutsches Literaturarchiv Marbach

Literaturdaten und digitale Literatur

Mit digitalen großen (literarischen) Korpora wissenschaftlich zu arbeiten, war schon ab der Mitte des 20. Jahrhunderts im Projekt Index Thomisticus Roberto Busas Vorhaben. Mit Hilfe von etwa Project Gutenberg wird das seit über 50 Jahren in wesentlich größeren Dimensionen konkretisierbar – ab den 1990er Jahren auch im deutschen Projekt-GutenbergDE. In den letzten 20 Jahren lässt sich überdies ein enormer Digitalisierungsfortschritt verzeichnen. Durch Großunternehmungen wie vor allem dem kommerziellen Google Books-Projekt stehen der literaturwissenschaftlichen Forschung inzwischen zahlreiche Texte (vornehmlich alte Drucke) in digitaler Form zur Verfügung – in Open Access-Projekten wie etwa Textgrid oder dem Deutschen Textarchiv zudem als maschinenlesbare Digitalisate. Dabei wird bei digitalen Editionen nun immer mehr danach gestrebt, auch wissenschaftlichen Ansprüchen gerechter zu werden, wie im Projekt Edview des DLA Marbach.

Dank großer internationaler Digitalisierungsinitiativen werden ferner immer mehr lokal bewahrte Handschriften nicht nur global abrufbar, sondern auch digital verknüpfbar. Neben den digitalen Volltexten werden durch die Aktivitäten zahlreicher GLAM-Institutionen die Metadaten und deren Verknüpfung bedeutend. Wer sich etwa für Stefan Zweigs (DLA et al), Else Lasker-Schülers (DLA/NLI) oder Heinrich Manns (AdK) verstreute Archive interessiert, kann diese mittlerweile in einer virtuellen Zusammenführung studieren. In Goethe Digital wird eine ganze private Autor*innenbibliothek virtuell erforschbar und in Arthur Schnitzler Briefe können ganze Briefkorrespondenzen digital studiert werden. In Projekten wie dem Getty Provenance Index sind digital zahlreiche Provenienz-Daten für visuelle Künste verzeichnet. Gleichzeitig wächst in den Archiven die Datenmenge an Born-digitals, also an genuin digitalen Beständen wie etwa Festplatten, Computerspiele oder Netzliteratur rapide an (vgl. z.B. das Projekt Netzliteratur des DLA). Der Umgang mit solchem Material stellt die Institutionen vor neue Herausforderungen, unter anderem wird aus diesem Grund erforscht, wie etwa künstliche Intelligenz die Arbeit von beispielsweise Archiven unterstützen kann. 

Ergänzt wird dieses Datenuniversum durch die zahlreichen digitalen Kataloge, die selbst zwar in der Mehrzahl noch auf analoge Sammlungen verweisen, mit ihren Metadaten (zunehmend in Linked Open-Data-Projekten wie dem Katalog des DLA) aber selbst wiederum Forschungsdaten zur Verfügung stellen, die in Verschränkung mit digitalen Ansätzen ganz neue Forschungsperspektiven eröffnen. Besonders relevant werden damit Themen wie: Datenprovenienz, Metadaten, Datenqualität, Data curation, Data analytics, User driven approaches, Entwicklung digitaler Kataloge, Verschränkung von Katalogen mit digitalen Ansätzen und damit insgesamt die Weiterentwicklung des Literaturbegriffs. Gerade die literaturwissenschaftliche Provenienzforschung hat in den letzten Jahren gezeigt, dass Datenfragen nicht isoliert behandelt werden können, sondern in hohem Maße forschungsgeleitet zu denken sind. Die Frage nach der Generierung, Speicherung, Kuratierung und Vernetzung von Daten ist eng verknüpft mit der Frage nach dem literaturwissenschaftlichen Forschungsgegenstand und Forschungsinteresse. 

Die Sommerschule bietet einen Rahmen, um explorativ das Potential digitaler Ansätze für eigene Forschungsfragen auszuloten und mit Expertinnen und Experten zu diskutieren. In den Seminaren der Sommerschule sollen beispielsweise Metadatensammlungen untersucht und auf ihr Forschungspotential befragt werden. Insbesondere für die zukünftige (digitale) Provenienzforschung ist der Fokus darauf zu richten, wie Metadaten ausgewählt und erzeugt werden. Welches Wissen gilt in diesem Zusammenhang als relevant und welches nicht? Daran anschließend sollen auch die technischen Fragen nach der Langzeitarchivierung thematisiert werden (vgl. z.B. das Projekt SDC4Lit). Was kann/soll archiviert werden? Wie arbeiten digitale Kataloge im Hinblick auf solche Fragen? Wie sehen Datenlebenszyklen aus? Wie wird die Verarbeitung von Daten dokumentiert? Gerade der Bereich der Data curation ist zunehmend auch für die Philologie elementar. Wie sieht eine Datenprovenienz für genuin digitale Literatur, sogenannte Born-digitals, aus? 

Kooperation mit dem Forschungsprojekt textklang 

Durch das in Kooperation mit dem von der Universität Stuttgart (Institut für Maschinelle Sprachverarbeitung, Institut für Literaturwissenschaft/Digital Humanities) und dem DLA Marbach durchgeführten Forschungsprojekt textklang wird ein aktueller interdisziplinärer, theoretisch fundierter und hypothesengeleiteter Forschungsbereich in die Sommerschule integriert, der im Zuge der systematischen Erforschung von Klanglichkeit literarischer Texte (Lyrik der Romantik) mit konkreten Fragen der Digitalisierung, Metadatenerfassung, Maschinenlesbarkeit, digitalen Sprach- und Klanganalyse und Bereitstellung bzw. Vernetzung von Forschungsdaten umgeht. Konkret wird ein multimodales Korpus aus Texten, Tonaufnahmen (Rezitationen und Vertonungen) und digitalisierten Notendrucken, das sich aus den Beständen des DLA speist, mithilfe eines speziell entwickelten DH-Mixed-Methods-Workflows auf Wechselbeziehungen zwischen Text(be)deutungen und prosodischen Sprachmerkmalen hin untersucht. 

Die Sommerschule findet im Rahmen des durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Forschungsverbunds Marbach Weimar Wolfenbüttel in Kooperation mit dem Verbundprojekt textklang des DLA Marbach und der Universität Stuttgart statt.

Programm, Dozent*innen

Details zum genauen Programm und zu den internationalen Dozent*innen folgen in Kürze.
Zu den zugesagten Referent*innen und Dozent*innen gehören unter anderem:

Tobias Blanke, Kathrin Bode, Lukas Diestel, Frank Fischer, Matthew Handelman, Jan Hess, Lise Jaillant, Roland Kamzelak, Ines Kolbe, John Mark Ockerbloom, Allison Parrish, Andrea Rapp, Annika Rockenberger, Karin Schmidgall und Melanie Wald-Fuhrmann.

Bewerbung

Im Rahmen der Sommerschule werden sich 20 Doktorand*innen zwei Wochen lang – vor dem Hintergrund der Sammlungen des DLA Marbach in Archiv, Bibliothek und Museum – gemeinsam mit internationalen Dozent*innen mit Literaturdaten und digitaler Literatur auseinandersetzen. Die interdisziplinäre und internationale Sommerschule richtet sich an Doktorand*innen aus einschlägigen Fachgebieten, insbesondere aus der Literaturwissenschaft, Musikwissenschaft, Sound Studies, der Bibliotheks- und Informationswissenschaft, den Digital Humanities und der Informatik. 

Das Thema der Dissertation kann, muss aber nicht in einem unmittelbaren Zusammenhang zum Sommerschulthema stehen. In jedem Fall sollte aus den Bewerbungsunterlagen hervorgehen, warum die Teilnahme an der Sommerschule und der Aufenthalt im Archiv für die Arbeit an der Dissertation gewinnbringend wären. Explizit zur Erwerbung ermutigt werden Doktorand*innen aus Schwellenländern. 

Internationale Teilnehmer*innen mit weiter Anreise (transkontinental), die explizite Bestandsinteressen verfolgen, können bei der Bewerbung im Anschreiben einen formlosen Antrag auf eine einwöchige Archivarbeitszeit im Anschluss an die Sommerschule stellen. Für diese Zeit werden die Kosten für die Unterkunft im Collegienhaus übernommen. 

Die Bewerbung enthält

  1. Formular (personen- und stipendienbezogene Daten) 

  2. Anschreiben mit kurzer Begründung der Bewerbung (thematische Bezüge und relevante Archivbestände, max. 2 Seiten, ggf. Antrag auf einwöchigen Archivaufenthalt nach der Sommerschule, ggf. Antrag auf Befreiung von der Teilnahmegebühr)

  3. Lebenslauf

  4. Kopie des Abschlusszeugnisses

  5. Kurze Darstellung des Dissertationsprojekts (max. 5 Seiten)

  6. Universitäres Empfehlungsschreiben

Bewerbungsfrist

Bewerbungen ausschließlich über das Bewerbungsportal bis zum 31. Januar 2023. Bewerbungen per Post oder E-Mail werden nicht berücksichtigt.

Die Teilnehmenden werden voraussichtlich im März 2023 benachrichtigt. Internationale Teilnehmer*innen erhalten Einladungen für die Beantragung des Visums. Die Sommerschulteilnahme impliziert keinen Anspruch auf einen längeren Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland. Ein Rechtsanspruch auf Teilnahme besteht nicht. 

Unterbringung/Reisekosten

Die Teilnehmer*innen werden im Collegienhaus des DLA Marbach kostenfrei untergebracht. Die Reisekosten werden maximal nach den Pauschalen des DAAD erstattet.

Teilnahmebeitrag

Es wird ein Teilnahmebeitrag in Höhe von 150 Euro erhoben. Bei Vorlage eines formlosen Antrags, in dem die Teilnehmer*innen ihre wirtschaftliche Situation darlegen, besteht die Möglichkeit einer Befreiung von dieser Gebühr.

COVID-19

Die Sommerschule findet unter Einhaltung der zu dem Zeitpunkt geltenden COVID-19-Maßnahmen statt.

Bibliografie

  • Barnert, Arno/Dietrich, Elisabeth/Kolbe, Ines/Schmidgall, Karin: Vom Nutzen Vernetzter Werke. Das Kooperationsprojekt „Werktitel Als Wissensraum“ des Deutschen Literaturarchivs Marbach und Der Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar. In: Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie 68/3 (15.06.2021), S. 138–151. (https://doi.org/10.3196/186429502068327
  • Baum, Constanze / Stäcker, Thomas: Grenzen und Möglichkeiten der Digital Humanities. Zeitschrift für digitale Geisteswissenschaften 1 (2016). (http://dx.doi.org/10.17175/sb01)
  • Bernhart, Toni/Willand, Marcus/Richter, Sandra Richter/Albrecht, Andrea (Hg.): Quantitative Ansätze in den Literatur- und Geisteswissenschaften. Systematische und historische Perspektiven. Berlin/Boston 2018. (https://doi.org/10.1515/9783110523300)
  • Binczek, Natalie/Wirth, Uwe (Hg.): Handbuch Literatur & Audiokultur. Handbücher zur kulturwissenschaftlichen Philologie 10. Berlin/Boston 2020. 
  • Johanna Drucker: The Digital Humanities Coursebook. An Introduction to Digital Methods for Research and Scholarship. Abingdon, Oxon/New York 2021.
  • Eve, Martin Paul: The Digital Humanities and Literary Studies. Oxford 2022.
  • Flanders, Julia/Jannidis, Fotis (Hg.): The Shape of Data in the Digital Humanities. Modeling Texts and Text-Based Resources. London/New York 2020.
  • Gold, Matthew K./Klein, Lauren: Debates in the Digital Humanities. Minnesota 2016.
  • Horstmann, Jan/Fischer, Frank (Hg.): Digitale Verfahren in der Literaturwissenschaft. Text Praxis - Digitales Journal für Philologie. Sonderausgabe 6 (2022).
  • Jaillant, Lise (Hg.): Archives, Access and Artificial Intelligence: Working with Born-Digital and Digitised Archival Collections. Bielefeld 2022.(https://doi.org/10.14361/9783839455845
  • Jannidis, Fotis/Kohle, Hubertus/Rehbein, Malte (Hg.): Digital Humanities. Eine Einführung. Stuttgart 2017.(https://doi.org/10.5282/o-bib/2017H3S142-148
  • Jannidis, Fotis: Digitale Geisteswissenschaften: Offene Fragen – schöne Aussichten. In: Zeitschrift für Medien- und Kulturforschung 10/1 (2019), S. 63-70.
  • Karsdorp, Folgert/Kestemont, Mike/Riddell, Allen: Humanities data analysis. Case studies with Python. Princeton 2021.(https://doi.org/10.5281/zenodo.891264
  • Morat, Daniel/Ziemer, Hansjakob/Rutz, Rainer (Hg.): Handbuch Sound. Geschichte - Begriffe – Ansätze. Stuttgart 2018.
  • O’Sullivan, James Christopher/Siemens,Raymond George (Hg.): Digital Humanities for Literary Studies. Methods, Tools, and Practices. Texas 2021.
  • Pinch, Trevor/Bijsterveld, Karin (Hg.): The Oxford Handbook of Sound Studies. New York 2013. 
  • Piper, Andrew: Enumerations. Data and Literary Study. Chicago 2018.
  • Reiter, Nils/Pichler, Axel/Kuhn, Jonas (Hg.): Reflektierte algorithmische Textanalyse
  • Interdisziplinäre(s) Arbeiten in der CRETA-Werkstatt. Berlin/Boston 2020. (https://doi.org/10.1515/9783110693973)
  • Rippl, Gabriele (Hg.): Handbook of Intermediality. Literature - Image - Sound - Music. Berlin/Boston 2015.   
  • Schuster, Kristen/Dunn, Stuart E. (Hg.): Routledge International Handbook of Research Methods in Digital Humanities. Routledge International Handbooks. London, New York 2021. 
  • Schöch, Christof/Schneider, Lars (Hg.): Literaturwissenschaft im digitalen Medienwechsel. Beihefte von PhiN – Philologie im Netz 7 (2014).
  • Terras, Melissa/Nyhan, Julianne/Vanhoutte, Edward (Hg.): Defining Digital Humanities. A Reader. Farnham 2013.
  • Underwood, Ted: Distant Horizons. Digital Evidence and Literary Change. Chicago/London 2019.
  • Weitin,Thomas: Digitale Literaturgeschichte. Eine Versuchsreihe mit sieben Experimenten. Berlin/ Heidelberg 2021

Konzeption

Dîlan Canan Çakir – Wiss. Mitarbeiterin MWW – Deutsches Literaturarchiv Marbach
Anna Kinder – Leitung Forschungsreferat – Deutsches Literaturarchiv Marbach
Felix Dieterle – Wiss. Mitarbeiter „textklang“ – Deutsches Literaturarchiv Marbach

Organisation und Koordination

Birgit Wollgarten – Sekretariat Forschung – Deutsches Literaturarchiv Marbach – Tel.: 07144 - 848 - 175 – Fax: 07144 - 848 - 179 – E-Mail: forschung@dla-marbach.de 
Marie Limbourg – Koordination Forschungsverbund MWW – Deutsches Literaturarchiv Marbach – Tel.: 07144 - 848 - 227 – E-Mail: marie.limbourg@dla-marbach.de 

Kontakt

E-Mail: forschung@dla-marbach.de

 

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