<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?> <feed xmlns="http://www.w3.org/2005/Atom" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"> <title>MWW-Forschung</title> <link rel="self" href="https://www.mww-forschung.de/c/blogs/find_entry?p_l_id=656695" /> <subtitle>MWW-Forschung</subtitle> <id>https://www.mww-forschung.de/c/blogs/find_entry?p_l_id=656695</id> <updated>2026-04-06T07:56:53Z</updated> <dc:date>2026-04-06T07:56:53Z</dc:date> <entry> <title>Die Rolle von Goethes Bibliothek beim Entstehungsprozess der „Italienischen Reise“</title> <link rel="alternate" href="https://www.mww-forschung.de/c/blogs/find_entry?p_l_id=656695&amp;entryId=4035938" /> <author> <name>Vinca Lochstampfer</name> </author> <id>https://www.mww-forschung.de/c/blogs/find_entry?p_l_id=656695&amp;entryId=4035938</id> <updated>2023-08-31T07:21:00Z</updated> <published>2023-08-29T12:00:00Z</published> <summary type="html">&lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/Abb.+1+%281%29.jpg/c50c20e9-4f15-13af-c1e0-9f7518eee35f" /&gt;Goethes Bibliothek, Klassik Stiftung Weimar, Fotothek, Foto: Jens Hauspurg.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;b&gt;Einführung&lt;/b&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Die Passion für Goethe und seine Texte begleitet mich schon seit meiner frühsten Jugend, die in den Wunsch mündete, sein Werk auch wissenschaftlich zu erforschen. Die Inspiration zum Thema meiner Forschungsarbeit bekam ich durch meine Tätigkeiten bei den Forschungsprojekten &lt;a href="https://www.mww-forschung.de/autorenbibliotheken"&gt;&lt;i&gt;Autorenbibliotheken&lt;/i&gt;: &lt;i&gt;Goethes Bibliothek&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; und &lt;a href="https://www.mww-forschung.de/goethe-digital"&gt;&lt;i&gt;Goethe Digital&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; unter der Projektleitung von Stefan Höppner. Durch die &lt;a href="https://www.mww-forschung.de/forschungshospitanzen"&gt;Forschungshospitanz&lt;/a&gt; beim Forschungsverbund MWW in Weimar konnte ich im Archiv der &lt;a href="https://www.klassik-stiftung.de/herzogin-anna-amalia-bibliothek/"&gt;Herzogin Anna Amalia Bibliothek&lt;/a&gt; zu meinem Projekt forschen und die Arbeit abschließen. Der nachfolgende Artikel gibt einen kurzen Einblick in meine wissenschaftliche Untersuchung.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;b&gt;Goethes Privatbibliothek und die Lesespuren in den Büchern&lt;/b&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Die Privatbibliothek von Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) ist eine der bedeutendsten Autorenbibliotheken der deutschen Literatur, die bei seinen relevanten literarischen Projekten ein essenzielles Arbeitsmittel war und reichhaltiges Quellenmaterial zur Kontextualisierung seiner Werke beinhaltet. Einige historische Exemplare der Bibliothek sind mit Lesespuren versehen, die zeigen, wie Goethe mit den Büchern gearbeitet hat und entschleiern, was im fertigen Text zunächst verborgen bleibt.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Eine Lesespur ist eine absichtlich gesetzte stiftliche Spur in einem gelesenen Buch, das mit einem Schreibwerkzeug, wie mit einer Feder oder einem Bleistift hinterlassen wurde. Dabei gibt es zwei Arten von Lesespuren: verbale und nonverbale Lesespuren. Zur zweiten Gruppe gehören An- und Unterstreichungen, die in den Büchern von Autorenbibliotheken am häufigsten vertreten sind. ‚Anstreichungen‘ sind Striche am seitlichen Rand von Texten. Striche, die unterhalb von Textzeilen erkennbar sind und sich auf den direkt darüber befindlichen Text beziehen, werden als ‚Unterstreichungen‘ bezeichnet. Eine Unterstreichung zeigt ihren Bezug meist genau an, da sie einzelne Zeichen oder Wörter hervorhebt. ‚Marginalien‘ gehören wiederum zu den verbalen Lesespuren, die sich auf den naheliegenden Text beziehen und nicht nur stiftlich sind, sondern in Schrift übergehen. Mit Marginalien drückt die Leserin oder der Leser ihre bzw. seine Meinung aus.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Die Herkunft einer einzelnen Spur kann oft nur schwer einer bestimmten Person zugeordnet werden. Dies ist besonders bei nonverbalen Lesespuren der Fall. Hierbei helfen die Kontextualität und die Untersuchung von Ähnlichkeiten bei den einzelnen Lesespuren. In Goethes Fall ist dies gut möglich, da es bezüglich der Art der Handschrift und der Anbringung der An- und Unterstreichungen sowie anderer Lesespuren große Ähnlichkeiten gibt. Vor allem die einfache Unterstreichung und der kurze, nur eine Zeile betreffende Strich am seitlichen Rand sind typisch für die Bücher in Goethes Bibliothek.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;b&gt;Neue Perspektiven zur Genese der &lt;/b&gt; &lt;b&gt; &lt;i&gt;Italienischen Reise &lt;/i&gt;&lt;/b&gt; &lt;b&gt;anhand von Lesepuren&lt;/b&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/Abb.+2+%281%29.jpg/1c9cba9b-6f9a-319b-9d8b-1bf5eeaf0d3d" /&gt;Goethe in der Champagne, Städel Museum, Frankfurt am Main.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Besonders die Entstehung der &lt;i&gt;Italienischen Reise&lt;/i&gt; lässt sich mit Hilfe der Bücher aus Goethes Privatbibliothek nachvollziehen, denn beim Verfassen des Textes wurde Goethe durch Bücher aus seiner Bibliothek beeinflusst, in denen sich Lesespuren befinden. Die Analyse der Lesespuren in diesen Bänden sowie ihre Kontextualisierung in Bezug auf die Entstehung einzelner Werke Goethes, wie der &lt;i&gt;Italienischen Reise&lt;/i&gt; wurde zuvor jedoch noch nicht untersucht. Im Zuge meiner Hospitanz in Weimar konnte ich in der HAAB verschiedene Quellen sichten, die Goethe bei diesem Produktionsprozess verwendete. Dabei stachen insbesondere die &lt;i&gt;Historisch-kritische Nachrichten von Italien &lt;/i&gt;von Johann Jacob Volkmann (1732–1803) aus der Masse der Bücher von Goethes Privatbibliothek heraus, weil sie diverse Lesespuren enthalten, die Indizien über den literarischen Produktionszyklus der &lt;i&gt;Italienischen Reise&lt;/i&gt; liefern. Volkmann war ein Schriftsteller und Reisender, der nach seinem Studium zu seiner eineinhalbjährigen Italienreise aufbrach. Sein dort erworbenes Wissen hielt er in Form eines Fremdenführers in drei Bänden fest. Goethe nutzte ihn auf seiner Reise vielfach als literarischen Begleiter, dessen Exemplar er von Karl Ludwig von Knebel bekam und ihn nach der Reise in seine Bibliothek aufnahm&lt;i&gt;. &lt;/i&gt;In einem brieflichen Tagebuch der italienischen Reise für Charlotte von Stein, das die Grundlage für die spätere stilisierte Druckversion war, verweist Goethe direkt auf Volkmanns Werke und nennt spezifische Seitenzahlen. Nachfolgend werden exemplarisch einige Untersuchungsergebnisse aus der Analyse des dritten Bandes vorgestellt:&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;b&gt;Ausschnitt aus der Analyse des dritten Bandes der &lt;/b&gt; &lt;b&gt; &lt;i&gt;Historisch-kritischen Nachrichten von Italien&lt;/i&gt;&lt;/b&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/Abb.+3+%281%29.jpg/3777f435-b7ee-8eb9-d41a-4f38304f4fb6" /&gt;Klassik Stiftung Weimar, Anna Amalia Bibliothek&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Bei der Analyse des dritten Bandes zeigte sich, dass in der im Rahmen von MWW entstandenen &lt;a href="https://opac.lbs-weimar.gbv.de/DB=2.5/"&gt;&lt;i&gt;Goethe Bibliothek Online&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, dem digitalen Verzeichnis von Goethes Bibliothek sowie in Hans Rupperts gedrucktem Katalog zwar die verschiedenen Lesespuren vermerkt sind, aber nicht vollständig. Hans Ruppert (1885–1964) war ein Altphilologe und Goetheforscher, der 1959 den Katalog zur Goethe-Privatbibliothek herausgab. Bei meiner eigenen Überprüfung des Originals fanden sich 38 verbale und nonverbale Lesespuren und nicht nur 19 wie im Online-Katalog aufgelistet. Projektleiter Stefan Höppner trug, die im Zuge der Arbeit zusätzlich gefundenen Lesespuren nachträglich in den Online-Katalog ein. Die relativ große Anzahl überrascht, weil Goethe selten in seine Bücher schrieb – vielmehr favorisierte er es, Notizen separat auf einem Papieranzufertigen. Markant ist zudem, dass Ruppert nur Marginalien, nicht aber andere Arten von Lesespuren nennt. Das lässt sich vermutlich dadurch erklären, dass er die Marginalien für zentraler hielt und auch hauchzarte Anstreichungen darunter sind, die der im Alter fast blinde Ruppert leicht hätte übersehen können.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/Abb.+4+%284%29.jpg/3a5952e1-3c7d-95b1-6d8e-e5f9d26903b8" /&gt; &lt;br /&gt; Anstreichung wahr. von J. W. von Goethe. In: Volk I 3, S. 515.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Unter den 16 nonverbalen Lesespuren gibt es keine Unterstreichungen, sondern nur Anstreichungen. Sie tauchen meistens am Rand auf und sind entweder waagerecht, senkrecht oder schräg. Bei fünf von den 16 Anstreichungen fanden sich passende Textstellen bei Goethes &lt;i&gt;Italienischer Reise&lt;/i&gt;. Zu den verbalen Lesespuren gehören unter anderem die allographen Marginalien, die vorliegen, wenn fremde Werke bearbeitet werden. Sie sind in diesem Band mit einer substanziellen Anzahl von 21 vorherrschend. Den Großteil der Lesespuren fertigte der Literat mit Bleistift (19 Stück) an, doch einige Marginalien wurden mit anderen Schreibgeräten, wie mit der Feder oder mit einem Rötelstift verfasst.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/Abb.+5+%282%29.jpg/03e6acc3-adee-0699-d724-eefa4a554ce1" /&gt;Marginalie, Rötelstift von J. W. von Goethe. In: Volk I 3, S. 654.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Die meisten Marginalien, 17 Stück, sind Datumsangaben. Dabei gibt es bei 13 Marginalien eine Übereinstimmung mit dem Inhalt der Buchfassung der &lt;i&gt;Italienischen Reise.&lt;/i&gt; Das sind mehrheitlich Beschreibungen von Orten, die Goethe während seiner Reise besuchte. Von den 38 Lesespuren gab es wiederum 22 Parallelen mit dem Inhalt von Goethes Werk. Darunter sind fünf An- und Unterstreichungen sowie 13 Marginalien. Außergewöhnlich sind hierbei die vielen verschiedenen Datumsangaben, bei denen es Kongruenzen bezüglich des Zeitpunktes von Goethes Aufenthalt in Italien sowie der damit verbundenen literarischen Verarbeitung gibt. Von den 15 Datumsangaben haben wiederum 12 eine inhaltliche Kongruenz gezeigt:&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;strong&gt;Die Besonderheit der Datumsangaben&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/Abb.+6+%282%29.jpg/20319018-be81-b827-2406-c06124f3f56f" /&gt;Marginalie, Bleistift von J. W. von Goethe. In: Volk I 3, S. 687.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Eine Besonderheit bei den Datumsangaben ist eine Marginalie aus der Kombination von Zahlen und Wörtern, die Goethe mit einem dünnen Bleistift schrieb. So notierte er auf einer Seite des Kapitels über Verona, auf der der architektonische Zustand der Stadt beschrieben wird, nicht nur „14.15“, sondern auch „nicht sonderlich“. Auf der theoretischen Ebene handelt es sich hierbei um eine expressiv-rezeptive Lesespur, weil es ein Kommentar ist und Goethe damit eine gewisse Emotionalität ausdrückt, indem er eine unmittelbar abwertende Lesereaktion zeigt. Die inhaltliche Ebene betrachtend, könnten die beiden Zahlen sich darauf beziehen, dass Goethe in der Nacht vom 14. auf den 15. September 1786 in Verona ankam, wie es in seiner &lt;i&gt;Italienischen Reise&lt;/i&gt; steht. Sein Kommentar „nicht sonderlich“ bei Volkmann bezieht sich auf folgende Stelle: „Verona hat sechs und eine halbe Meile im Umfang und vier Tore, welche von guter Architektur sind“. In der &lt;i&gt;Italienischen Reise&lt;/i&gt;, ist passend zu Goethes Randkommentar über Veronas Zustand, etwas Gegenteiliges zu Volkmanns Text zu finden: „Ich machte ihn und das Volk aufmerksam auf den Verfall dieser Türme und dieser Mauern, auf den Mangel von Toren, kurz auf die Wehrlosigkeit des ganzen Zustandes und versicherte, ich habe hier nichts als eine Ruine zu sehen und zu zeichnen gedacht.“ Hier erwähnt Goethe explizit den schlechten Zustand der Stadt, indem er vom „Verfall“, dem „Mangel von Toren“ und der „Wehrlosigkeit“ der Stadt spricht und damit Volkmanns Schilderungen widerspricht.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Die Ähnlichkeiten zwischen der Quelle und der späteren literarischen Verarbeitung sind frappierend, sodass die Vermutung nahe liegt, dass Goethes Kommentar einen bestimmten Zweck hatte, er nicht zufällig entstanden ist und im direkten Bezug mit dem Entstehungsprozess der&lt;i&gt; Italienischen Reise&lt;/i&gt; steht. Die Marginalie ist ein Indiz für die intensive Auseinandersetzung des Literaten mit der Passage und dass er sie wahrscheinlich hinterließ, nachdem er sich selbst von dem Zustand der Stadt überzeugen konnte. Die Entstehung der Marginalie vor der Reise ist unwahrscheinlich, da sie auf eine persönliche Erfahrung hindeutet. Sie entstand entweder während der Reise oder nach Goethes Weimar-Rückkehr, vielleicht sogar erst, als er an die Niederschrift seines Buches ging.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;b&gt;Welche Erkenntnisse ergeben sich aus den Lesespuren?&lt;/b&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/Abb.+7.jpg/bf8930e0-d2af-5f06-9eb0-15c7270f6d14" /&gt;Klassik Stiftung Weimar, Anna Amalia Bibliothek&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Anhand der diversen Lesespuren können Einblicke in den Produktionsprozess der &lt;i&gt;Italienischen Reise&lt;/i&gt; geboten werden, die Belege für die ‚Gemachtheit‘ des Textes sind und darlegen, dass der Reisebericht kein authentisches, während der Reise entstandenes Dokument ist, obwohl Goethe ihn so erscheinen lassen will Es stellte sich heraus, dass Goethe eine inhaltliche und stilistische Veränderung seines originalen Reiseberichts für Charlotte von Stein vornahm, hin zu einer distanzierten Darstellung, bei der er den persönlichen Ton herausnahm, das Pathos sowie die Begeisterung, die in den Tagebüchern zu spüren waren, reduzierte. Zudem wurden Passagen gekürzt oder weggelassen, Verweise auf andere Quellen wie auf den dreibändigen Reisebericht von Johann Jacob Volkmann eliminiert sowie Erlebnisse auf andere Tage verschoben. Damit fand eine Simulation von Unmittelbarkeit statt und die eigene ästhetische Urteilskraft wurde betont. Goethe konsultierte diese Schriften und das Wissen daraus floss in seinen Reisebericht ein, was die These des Konstruktes und der Stilisierung untermauert.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Die Analyse der Lesespuren offenbart, wie Goethe die untersuchten Bücher las – mit welcher Intensität und aus welchen Gründen sowie Leitmotiven. Durch sie wird der direkte Bezug zu seinem literarischen oder wissenschaftlichen Produktionszyklus sichtbar. Mit dem Wissen aus den Büchern besuchte Goethe die Städte Italiens, schuf mit Hilfe ihrer Kenntnisse sein literarisches Werk und betrieb dadurch Buchgelehrsamkeit. Somit werden Prozesse der Entstehung des Reiseberichts und die Wirkung sowie der Nutzen der Lesespuren anhand der Privatbibliothek Goethes sichtbar.&lt;/p&gt; &lt;hr /&gt; &lt;p&gt; &lt;b&gt;Kurzbiographie&lt;/b&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Kimberley Wegner erwarb zwei Bachelorabschlüsse in Germanistik und Geschichte und ist Masterstudentin der Neueren deutschen Literaturwissenschaft an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen Goethe und die Goethezeit, Provenienz- und Bibliotheksforschung, die Literatur und Geschichte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts sowie in die Erforschung der Frauengeschichte, mit einem besonderen Fokus auf den Anfang des 20. Jahrhunderts. Im Rahmen ihrer Abschlussarbeit, die 2023 unter dem Titel &lt;i&gt;Goethes Privatbibliothek im Spiegel der Italienischen Reise &lt;/i&gt;veröffentlicht wurde, untersuchte sie detailliert die Entstehungsgeschichte der &lt;i&gt;Italienischen Reise&lt;/i&gt;, die mit Hilfe der Lesespuren in den Büchern aus Goethes Privatbibliothek nachvollziehbar ist.&lt;/p&gt;</summary> <dc:creator>Vinca Lochstampfer</dc:creator> <dc:date>2023-08-29T12:00:00Z</dc:date> </entry> <entry> <title>Japanische Impressionen</title> <link rel="alternate" href="https://www.mww-forschung.de/c/blogs/find_entry?p_l_id=656695&amp;entryId=3779269" /> <author> <name>Burow Rica</name> </author> <id>https://www.mww-forschung.de/c/blogs/find_entry?p_l_id=656695&amp;entryId=3779269</id> <updated>2023-06-02T13:28:50Z</updated> <published>2023-06-02T13:14:00Z</published> <summary type="html">&lt;p&gt;von Stefan Höppner&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Die Sophia University, auf Japanisch Jōichi Daigaku, ist die älteste katholische Universität Japans. Von drei Jesuiten gegründet, liegt sie im Herzen von Tokio, in Laufweite des riesigen Kaiserpalastes und der Stadtteile Akasaka und Shinjuku, wo heute das Herz von Business und Verwaltung schlägt. Als die Universität 1913 eröffnet wurde, lag der Campus noch am wenig beachteten Stadtrand; inzwischen ist Tokio ins Riesenhafte gewachsen. Heute frequentieren mehr als 12.000 Studierende den Campus im Stadtteil Chiyoda. Fast ein Zehntel davon kommt aus dem Ausland, meist aus asiatischen Nachbarländern und den USA. Die Sophia University gilt als eine der begehrtesten Privathochschulen Japans; nur ein kleiner Teil der Bewerber:innen wird in die Programme aufgenommen.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/H%C3%B6ppner+Blog+Foto+1.jpg/80d35fd3-7b93-7959-f7cd-f7c9e16db4e0" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Abendhimmel über Tokio. Foto: Privat.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Traditionell sind die Verbindungen nach Deutschland eng. Einer der Gründer, Joseph Dahlmann, war Deutscher, auch der erste Rektor Hermann Hoffmann kam aus Deutschland. Lange wurde die Hochschule durch das Erzbistum Köln mitfinanziert, und die Germanistik war von Anfang an eines der Kernfächer. Auch das &lt;a href="https://www.dijtokyo.org/de/"&gt;Deutsche Institut für Japanstudien&lt;/a&gt; befindet sich noch heute auf dem Campus. Zu den vielen Kooperationen, die die Sophia University mit Deutschland unterhält, gehört auch die mit der &lt;a href="https://www.klassik-stiftung.de/"&gt;Klassik Stiftung Weimar&lt;/a&gt;. Nicht nur sendet die Hochschule regelmäßig Stipendiat:innen an die Ilm, es gibt auch einen Austausch von Mitarbeiter:innen.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/H%C3%B6ppner+Blog+Foto+2.jpg/2102eddd-26d9-0c10-c717-003a626b3f52" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Der Campus der Sophia University. Blick aus meinem Bürofenster. Foto: Privat.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Seit April 2023 darf ich daher zweieinhalb Monate lang für die Klassik Stiftung und MWW an der Sophia University lehren. Das ist ein großes Privileg. Wie es sich gehört, steht der Unterricht teilweise im Zeichen der Weimarer Klassik. In einem Masterkurs unterrichte ich Goethes Lyrik. Da die Studierenden erst an der Hochschule Deutsch gelernt haben, geht es vor allem um das Textverständnis. Wörter wie »geschwind«, »Gefilde« oder »Knabenmorgenblütenträume« gehören nicht zum Wortschatz im heutigen Sprachunterricht. Anschließend diskutieren wir über die Bedeutung der Gedichte und sprechen über Goethes Biographie. Mein zweiter Kurs wird auf Wunsch der Uni auf Englisch und in der Komparatistik abgehalten. Hier geht es um die Geschichte des westlichen Comics seit Ende des 19. Jahrhunderts, in den USA und im frankophonen Europa, aber auch in Deutschland, von den »Vater und Sohn«-Geschichten von e.o. plauen und dem Wirtschaftswunder-Detektiv Nick Knatterton bis zum ostdeutschen Dauerbrenner &lt;i&gt;Mosaik&lt;/i&gt; und der Graphic Novel &lt;i&gt;Endzeit&lt;/i&gt; der Weimarer Zeichnerin Olivia Vieweg.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/H%C3%B6ppner+Blog+Foto+3.jpg/6a285c64-5abf-e05b-0d83-5b74d801768e" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Das Master-Seminar &lt;i&gt;Goethes Lyrik&lt;/i&gt;. Foto: Privat.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Zwischendurch habe ich die Zeit genutzt, um die Stadt und ihre Umgebung zu erkunden. Mit etwa 38 Millionen Menschen ist der Ballungsraum Tokio einer der größten der Welt. In vielen Teilen ist die Stadt so lebhaft und überlaufen, wie man sich das in Europa vorstellt. Tokio ist definitiv nichts für Menschen, die kein Gedränge mögen oder sich ungern durch labyrinthische U-Bahnhöfe navigieren. Doch gleich neben den Knotenpunkten liegen idyllische Parks, ruhige Gassen, Shinto-Schreine und buddhistische Friedhöfe, in die sich kaum jemand verirrt. Dazu kamen Tagesausflüge zum majestätischen Fuji und ans Meer sowie der Austausch mit Kolleg:innen von der Sophia University und der University of Tokyo, mit der die Klassik Stiftung ebenfalls schon lange Verbindungen unterhält. Ungewohnt waren zwei kurze Erdbeben, die die Stadt erschütterten und mich in einem Fall auch aus dem Schlaf holten. Aber Japan ist eine der seismisch aktivsten Regionen der Welt, leichte Beben gehören hier zum Alltag. Niemand, wirklich niemand ließ sich davon aus der Ruhe bringen. Sogar am Luxushotel gegenüber fuhren weiter die Taxis vor, als wäre nichts geschehen.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/H%C3%B6ppner+Blog+Foto+4.jpg/3693a02d-1d31-f2bb-0b41-9e5870cbea8a" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Vortrag im Europa-Zentrum der Sophia University. Foto: Privat.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;/p&gt; &lt;p&gt;Kurz vor Ende meines Aufenthalts hielt ich am Zentrum für Europastudien der Universität einen Vortrag über die MWW-Fallstudie »&lt;a href="https://www.mww-forschung.de/goethe-digital"&gt;Goethe digital&lt;/a&gt;«, in der ich arbeite, und las aus meiner Monographie &lt;a href="https://www.klostermann.de/Hoeppner-Stefan-Goethes-Bibliothek"&gt;&lt;i&gt;Goethes Bibliothek&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, die 2022 im Klostermann Verlag erschienen ist – eine Mischung aus einer klassischen Lesung, der Vorführung von Bildern von Goethes Büchern und der Erläuterung von digitalen Visualisierungen, die im Rahmen des Projektes entstanden sind. Der Zuspruch des Publikums war beachtlich.  Dies war ein gelungener Abschluss, bevor es nun zurück in den Weimarer Alltag geht.&lt;/p&gt; &lt;hr /&gt; &lt;p&gt; &lt;a&gt;Prof. Dr. Stefan Höppner&lt;/a&gt; ist Wissenschaftliche Projektleiter der Fallstudie ›Goethe Digital‹ an der Klassik Stiftung Weimar. Gemeinsam mit Sarah Gaber und Stefanie Hundehege leitet er die Forschungsgruppe »Provenienz«.&lt;/p&gt;</summary> <dc:creator>Burow Rica</dc:creator> <dc:date>2023-06-02T13:14:00Z</dc:date> </entry> <entry> <title>Die Exilbibliothek der Familie Lieblich</title> <link rel="alternate" href="https://www.mww-forschung.de/c/blogs/find_entry?p_l_id=656695&amp;entryId=3605812" /> <author> <name>Burow Rica</name> </author> <id>https://www.mww-forschung.de/c/blogs/find_entry?p_l_id=656695&amp;entryId=3605812</id> <updated>2023-04-06T08:54:04Z</updated> <published>2023-04-05T12:53:00Z</published> <summary type="html">&lt;p&gt; &lt;em&gt;von Emanuel Neumann&lt;/em&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Im Rahmen eines Junior-Fellowships der MWW-Forschungsgruppe »Provenienz« hatte ich im Dezember 2022 die Möglichkeit, im Deutschen Literaturarchiv Marbach (DLA) an der bislang unerschlossenen Exilbibliothek von Olga und Karl Lieblich zu arbeiten. Der Bestand &lt;a href="https://www.dla-marbach.de/find/opac/id/BF00034474/?tx_find_find%5Baction%5D=detail&amp;amp;tx_find_find%5Bcontroller%5D=Search&amp;amp;cHash=e66c211add8995b231acf1e118257f18#tx_find"&gt;»G:Lieblich, Karl«&lt;/a&gt; umfasst laut Marbacher Katalog die Autorenbibliothek des Stuttgarter Rechtsanwalts und Schriftstellers Karl Lieblich. Meine bisherigen Beschäftigungen zeigen jedoch, dass sich etwa 20–25% der Bücher eindeutig Olga Lieblich und etwa 35–40% der Bände Karl Lieblich zuordnen lassen. Es handelt sich also vielmehr um eine Paarbibliothek, die auch im Exil weiterhin und vor allem durch Olga Lieblich ergänzt wurde. Die Bibliothek befindet sich seit 2013 im Haus. Judith Patarra-Lieblich, die jüngste Tochter des Ehepaars Lieblich, hat die Büchersammlung 2013 dem DLA gespendet. Seit einem Jahr arbeite ich im Zuge meiner Masterarbeit in den Jüdischen Studien an der Universität Potsdam an dem Bestand. Mit diesem Blogbeitrag möchte ich einen ersten Einblick in die Vielfalt der in der Bibliothek vorgefundenen Spuren geben.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Der Erhaltungszustand der Bücher ist sehr schlecht – das Papier ist brüchig, Buchrücken und Einbände sind vom Buchblock abgelöst, einzelne Seiten fehlen – all das sind Spuren, die die lange Reise bezeugen, welche die Sammlung in den vergangenen 75 Jahren zurückgelegt hat. Besonders anschaulich lassen sich die einzelnen Stationen dieser Reise an der Provenienzgeschichte eines Exemplars von Selma Lagerlöfs Roman &lt;i&gt;Nils Holgersens Reise mit den Wildgänsen&lt;/i&gt; nachvollziehen:&lt;/p&gt; &lt;ul&gt; &lt;li&gt;Lieblich 1936. Zum Vorlesen für die Kinder im Herbst. Auf die Reise von Mutti: 1.1.1937. Herbst 1936 in Stuttgart gekauft. Januar 1937 mit Papa nach New-York. Juli 1938 wieder in S. Paulo [São Paulo] angetroffen. 15. Januar 1940 in S. Paulo beendet. Herbst 1936 – Januar 1940.&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/Lieblich.jpg/d95f257f-6d19-44ef-dfdb-28f538db0c0d" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Abbildung 1: Fliegendes Blatt in Lagerlöf, Selma: Niels Holgersens wunderbare Reise mit den Wildgänsen. Erster und zweiter Teil in einem Bande. Leipzig: Hesse &amp;amp; Becker Verlag, [1932]. 588 S.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;/p&gt; &lt;p&gt;1937 emigrierte Karl Lieblich über New York nach São Paulo. Seine Lebensgefährtin Olga Lieblich erreichte Brasilien nach langer Reise im Jahr 1938 gemeinsam mit drei ihrer vier Töchter. Die älteste Tochter Ursula Lieblich rettete sich in die Schweiz und folgte ihrer Familie erst 1945 nach gescheiterter Ehe ins südamerikanische Exil. Am 14. September 1938 lief die &lt;i&gt;General Artigas&lt;/i&gt; im Hafen von Santos, Brasilien ein. An Bord befanden sich, verteilt auf zwei »Lifts« (Frachtcontainer), insgesamt 9365 kg Gepäck der Familie Lieblich, darunter auch die Bibliothek. Insgesamt 835 Titel sind heute erhalten. Darunter vor allem deutschsprachige Literatur der Wilhelminischen Zeit, Kriegsliteratur aus dem Ersten Weltkrieg, Literatur der Zwanziger Jahre, NS-Literatur der dreißiger und vierziger Jahre und Nachkriegsliteratur. In der Zusammensetzung der Bibliothek zeichnen sich zwei stark unterschiedliche Leseinteressen ab, die exemplarisch für zwei völlig gegensätzliche Entwicklungen im Exil stehen. Während Karl Lieblich durch die mitgebrachte europäisch-deutsche Literatur ein Stück seiner kulturellen Heimat nach Brasilien importierte und sich damit eine Verbindung zur Vergangenheit erhielt, las Olga Lieblich in Brasilien überwiegend zeitgenössische Literatur in englischer, französischer und portugiesischer Sprache. In meiner Masterarbeit untersuche ich die Bibliothek, beschreibe sie in ihrem Gesamtcharakter und hoffe, mit Hilfe der gefundenen Lese- und Nutzungsspuren den in der (Exil-)Forschung bislang unterrepräsentierten Biographien von Olga und Karl Lieblich einige neue Erkenntnisse hinzufügen zu können.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;b&gt;Aufwendige Konservierung&lt;/b&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;In der Restaurierungswerkstatt des DLA wurden die schlecht erhaltenen Bücher konserviert. Geschützt durch Folie, Bänder und Pappe oder abgelegt in säurefreien Mappen sind die Bücher nun benutzbar, gleichzeitig bleibt aber der desaströse Zustand einzelner Exemplare weiterhin sichtbar. Die vorgefundenen Griffspuren und der tief in das Material eingeprägte Schmutz bezeugen eine intensive Nutzung der Bücher im Hause Lieblich. Bemerkenswert sind vor allem die Sicherungsmaßnahmen, die die Familie noch in Brasilien selbst durchführte. Durch die mit Gewebeband geklebten Buchrücken und die handschriftlich aufgebrachten Beschriftungen blieben die Bücher trotz der schwierigen klimatischen Bedingungen im Exilland nutzbar und eine offene Ansicht der Titel im Regal erhalten. Diese Reparaturen zeigen, welchen hohen Wert die Sammlung für ihre Besitzer:innen gehabt haben muss. In den Büchern finden sich mannigfaltige Provenienzspuren von Besitzvermerken über Widmungen bis hin zu Annotationen und Einlagen aller Art. Die eingelegten Zeitungsartikel, Briefe, Fotografien und Rezensionen zeigen, dass die Bücher als eine Art thematischer Sammlungsort benutzt wurden.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/Lieblich2.jpg/042f4b9e-1cd6-7bc4-69f7-bc7652244b24" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Abbildung 2: Verschiedene Formen konservatorischer Bestandserhaltung&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Bevor ich nun näher auf einige der gefundenen Spuren eingehe, möchte ich noch einmal zur eingangs bereits erwähnten Selma Lagerlöf zurückkehren. Olga und Karl Lieblich waren begeisterte Leser:innen und Sammler:innen der Werke der schwedischen Schriftstellerin. So finden sich in der Bibliothek weitere Titel der Autorin, darunter die Romane &lt;i&gt;Jans Heimweh. Eine Geschichte aus dem Wärmland&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;Gösta Berling&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;Jerusalem&lt;/i&gt;, außerdem die Novellensammlung &lt;i&gt;Die Königinnen von Kungahälla&lt;/i&gt; und die Erzählung &lt;i&gt;Herrn Arnes Schatz&lt;/i&gt;. Interessant ist der Erzählband &lt;i&gt;Christuslegenden&lt;/i&gt;, in den Olga Lieblich das Datum »August 1937« einschrieb und in der darin enthaltenen Erzählung &lt;i&gt;Die sieben Todsünden&lt;/i&gt; einzelne Begriffe ins Portugiesische übersetzte. Es ist anzunehmen, dass sie einen ihr wohlbekannten Text benutzte, um erste Vokabeln für die geplante Auswanderung nach São Paulo zu erlernen. Ein anderer Titel enthält eine gedruckte Publikationsliste aller bereits erschienenen Veröffentlichungen Selma Lagerlöfs. Das Ehepaar Lieblich markierte hier alle Titel, die sie bereits für ihre Sammlung angeschafft hatten.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;b&gt;Judaica und Zionistica in der Bibliothek Lieblich&lt;/b&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Ein großer Teil der in der Bibliothek enthaltenen Judaica und Zionistica lässt sich qua eingeschriebenem Besitzvermerk Olga Lieblich zurechnen. Sie beschäftigte sich intensiv mit der Schoah und las frühe englisch- und französischsprachige Berichte aus den Konzentrationslagern.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Aus der Bibliothek erfahren wir, dass Olga Lieblich 1953 in ihrer Funktion als Vizepräsidentin der &lt;i&gt;Women's International Zionist Organization&lt;/i&gt; (WIZO) Brasilien an einem Treffen der Organisation in Israel teilgenommen hat. Das Programm dieser Reise findet sich, zusammen mit einigen Notizen, eingelegt in Ben-Chavivs Lehrbuch &lt;i&gt;Lerne Hebräisch. Praktisches Lehrbuch zum Selbstunterricht&lt;/i&gt;, erschienen 1949 in Tel-Aviv. Sogar ein Treffen mit dem damaligen Präsidenten Jizchak Ben Zwi und dem damaligen Premierminister David Ben-Gurion war geplant. Auch wenn das Programm selbst in englischer Sprache durchgeführt wurde, zeigen die weiteren im Lehrbuch enthaltenen Lese- und Arbeitsspuren, dass Olga Lieblich versuchte, ihre Hebräisch-Kenntnisse im Rahmen der Reise aufzubessern.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/Lieblich3.jpg/fd2ce66f-b351-07b0-91f8-7dec0e687b72" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Abbildung 3: Ben-Chaviv: Lerne Hebräisch. Praktisches Lehrbuch zum Selbstunterricht. Fünfte verbesserte Auflage. Tel-Aviv: Sinai, 1949. 110 Seiten. [Unvollständig]&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Ein weiterer interessanter Fund ist das von Juliette Pary verfasste und 1938 erschienene Buch &lt;i&gt;Mes 126 gosses&lt;/i&gt; (Meine 126 Kinder). Die in Odessa geborene Autorin, Journalistin und Übersetzerin engagierte sich in den 1930er-Jahren in einem Sommercamp für jüdische Kinder aus dem Pariser Einwanderer:innenviertel Belleville. Diese Erfahrungen verarbeitete sie in einem Artikel in der 1932 bis 1940 erschienenen Zeitschrift &lt;i&gt;Marianne&lt;/i&gt; und später in einem eigenen Buch. In den folgenden Jahren organisierte sie Hilfe für jüdische Kinder und leistete zionistische Erziehungsarbeit, um Jugendliche für die Auswanderung nach Israel vorzubereiten.&lt;a href="#_ftn1"&gt;[1]&lt;/a&gt; Olga Lieblich, die vor ihrer Flucht ins brasilianische Exil selbst als Lehrerin gearbeitet hat und in ihrer Jugend Mitglied des zionistischen Wanderbundes »Blau-Weiß« war,  schrieb mit blauer Tinte ihren Namen in den vorliegenden Band. Nicht nur das Erscheinungsjahr, sondern auch ein im Buch aufgebrachter Aufkleber des Antiquariats &lt;i&gt;Livraria Parthenon&lt;/i&gt; (Buchhandlung Parthenon) erlauben den Schluss, dass Olga Lieblich das französischsprachige Werk in Brasilien angeschafft haben muss.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/Lieblich4.jpg/b102bfc0-0d6e-6972-9748-8aa11c6b2e86" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Abbildung 4: Aufkleber der Buchhandlung Livraria Parthenon im Band Pary, Juliette: Mes 126 gosses. Paris: Flammarion, © 1938. 330 Seiten.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Wie sehr ihr die religiöse und insbesondere die zionistische Jugendbildungsarbeit am Herzen lag, zeigen auch die in der Bibliothek enthaltenen Bibelausgaben. So finden sich nicht nur Ausgaben, die Olga Lieblich selbst seit ihrer Kindheit besessen haben muss&lt;a href="#_ftn2"&gt;[2]&lt;/a&gt;, sondern auch neuere Auflagen, die Besitzvermerke und Lesespuren ihrer Töchter enthalten. Die Anstreichungen sowie die eingelegten Lesezeichen lassen ebenfalls auf eine zionistisch geprägte Lesart schließen. Aus der Bibliothek erfahren wir außerdem, dass Olga Lieblich an einer portugiesischen Übersetzung des zweibändigen, 1964 von Abrascha Stutschinsky veröffentlichten Werkes &lt;i&gt;Die Bibel für Kinder erzählt&lt;/i&gt;, gearbeitet hat. Während sie damit einen Beitrag zur religiösen (Kinder-)Erziehung in Brasilien zu leisten versuchte, war Karl Lieblich bereits nach Deutschland remigriert.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Ein anderes interessantes Exemplar ist der Roman &lt;i&gt;Richter und Narr&lt;/i&gt; des Schriftstellers Altalena. Das Buch im orangefarbenen Leineneinband ist 1928 im Meyer &amp;amp; Jessen Verlag in München erschienen. Auf dem fliegenden Blatt des Vorsatzes befindet sich mit schwarzer Tinte eingetragen der Besitzvermerk »Olga Lieblich.« Im Text selbst finden sich außerdem noch verschiedene Anstreichungen mit Bleistift. Unter den Zionistica der Bibliothek sticht dieses Werk besonders heraus. Denn hinter dem pseudonymisierten Autorennamen »Altalena« verbirgt sich der russische Zionist und Schriftsteller Wladimir Zeev Jabotinsky. Der Begründer des nationalistischen und revisionistischen Zionismus begann die Arbeit an seinem Roman &lt;i&gt;Samson Nazorej&lt;/i&gt; (Samson der Nasiräer) 1919 in Palästina. Erstmals veröffentlicht wurde die Geschichte in Paris in der russischsprachigen Zeitung &lt;i&gt;Rassvet&lt;/i&gt; (Morgendämmerung), für die Jabotinsky von 1924 bis 1934 als Herausgeber tätig war. In Buchform erschien der ursprünglich als Fortsetzungsroman angelegte Text erstmalig 1927 im russischen Verlag Slovo (Wort) in Berlin. 1928 folgte schließlich die Veröffentlichung der hier vorliegenden, deutschsprachigen Ausgabe unter dem Titel &lt;i&gt;Richter und Narr&lt;/i&gt; im Meyer &amp;amp; Jessen Verlag. Jabotinsky Heldenepos orientiert sich an der biblischen Simson-Geschichte aus dem &lt;i&gt;Buch der Richter&lt;/i&gt;. In der Vorlage kämpft der von Gott ausgewählte und zum Richter eingesetzte Simson als Held des israelitischen Stammes Dan mit scheinbar unbezwingbarer Kraft gegen die Philister. Als seine Feinde ihn schließlich bezwingen, opfert er sich, um noch 3000 von ihnen mit in den Tod zu reißen. Diese Märtyrer-Erzählung wurde vielfach in Gemälden, musikalischen Werken und als Baukunst rezipiert. Auch als literarischer Stoff wurden die vier Kapitel des &lt;i&gt;Richterbuches&lt;/i&gt; verschiedentlich interpretiert. Jabotinsky erweitert den biblischen Bericht, verzichtet allerdings auf die göttliche Auserwähltheit der Hauptfigur. Einige Textstellen lesen sich dabei wie eine Allegorie auf die Lage der assimilierten jüdischen Bevölkerung im Europa der 1920er-Jahre und waren sicher auch als eindeutig Botschaft an die jüdischen Leser:innen zu verstehen. Neben dieser Ausgabe findet sich im DLA Marbach noch eine weitere Ausgabe diese Buches, und zwar in der Sammlung des Schriftstellers und Literaturkritikers &lt;a href="https://www.mww-forschung.de/blog/-/blogs/autorenbibliothek-kurt-pinthus"&gt;Kurt Pinthus&lt;/a&gt;. Auch in seinem Exemplar finden sich Annotationen und Anstreichungen, die sich sicher sehr gut den gefundenen Spuren in Olga Lieblichs Ausgabe gegenüberstellen ließen.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Die Exilbibliothek von Olga und Karl Lieblich enthält noch unzählige solch spannender Funde, die uns neue Erkenntnisse über die Leseinteressen ihrer Besitzer:innen und über die Zeit im brasilianischen Exil offenbaren. Durch die verschiedenen Aufkleber und Einlagen erfahren wir etwas über die Netzwerke und Kontakte im Exil, die Widmungen anderer Schriftsteller:innen geben Auskunft über Karl Lieblichs Verbindungen innerhalb der baden-württembergischen Literaturlandschaft und die Annotationen in den Büchern geben uns einen Einblick in die Gedankenwelt der Leser:innen. Einige der vorgefundenen Spuren werfen dabei mehr Fragen auf, als mit ihrer Hilfe beantwortet werden können. Andere führen ins Nichts oder widerlegen zuvor getroffene, hypothetische Annahmen, die Biographien und Leseinteressen betreffend, gar komplett. Ebenso interessant sind die Leerstellen einer solchen Sammlung, also die Bücher, von denen wir erwarten, dass die Besitzer:innen sie gelesen haben &lt;i&gt;müssen&lt;/i&gt;, die aber nicht aufzufinden sind. Die in der Bibliothek enthaltenen Gegensätze, das Nebeneinander unterschiedlicher Interessenschwerpunkte und die Repräsentation verschiedener Bildungswelten machen diese kontinuierlich gewachsene Sammlung für mich so interessant. Sie zeigt aber auch, wie schwer es ist, die verschiedenen in Autor:innenbibliotheken enthaltenen &lt;i&gt;Subtexte&lt;/i&gt; zu entschlüsseln. Mit meiner Masterarbeit möchte ich in diesem Jahr einen Teil zu dieser Arbeit beitragen und hoffe, diese schöne Sammlung so wieder etwas mehr in den Fokus gegenwärtiger Forschungen rücken zu können.&lt;/p&gt; &lt;div&gt; &lt;p&gt; &lt;/p&gt; &lt;hr /&gt;Emanuel Neumann ist Masterstudierender der Jüdischen Studien an der Universität Potsdam. In seiner Bachelorthesis beschäftigte sich Emanuel Neumann mit einer Korrespondenz aus der Marbacher Handschriftensammlung zwischen Karl Lieblich und seinem damaligen Verleger Eugen Diederichs. Zuletzt veröffentlichte Emanuel Neumann den Beitrag »Jüdischer Widerstand und jüdisches Heldentum in der &lt;i&gt;Wolfenstein&lt;/i&gt;-Spielereihe« in Aurelia Brandenburg, Rudolf Thomas Inderst, Pascal Marc Wagner: »Eva, auf Wiedersehen!« Zur Geschichte, Verhandlung und Einordnung der &lt;i&gt;Wolfenstein&lt;/i&gt;-Spielereihe. Verlag Werner Hülsbusch, Glückstadt, 2022. &lt;hr /&gt; &lt;div&gt; &lt;p&gt; &lt;a href="#_ftnref1"&gt;[1]&lt;/a&gt; Boussion, Samuel: Juliette Pary. June 23, 2021, in: The Shalvi/Hyman Encyclopedia of Jewish Women. Zuletzt abgerufen am 20.02.2023 unter: https://jwa.org/encyclopedia/article/pary-juliette.&lt;/p&gt;&lt;/div&gt; &lt;div&gt; &lt;p&gt; &lt;a href="#_ftnref2"&gt;[2]&lt;/a&gt; Müller, Samuel: Kleine Bibel. Biblische Geschichte und Religionslehre, fortgeführt bis zum Ende des jüdischen Staates. Erweiterte Ausgabe des „Buch für unsere Kinder“. Stuttgart, J. B. Metzlerscher Verlag, 1903. Die Ausgabe enthält den Besitzvermerk „Clara und Olga Lieblich“, einen Stempel ihres Bruders Otto Lieblich samt zugehöriger Adresse in Strasbourg sowie verschiedenste (kindliche) Kritzeleien, Zeichnungen und Annotationen.&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt; &lt;div&gt; &lt;div&gt; &lt;div&gt; &lt;p&gt; &lt;/p&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;</summary> <dc:creator>Burow Rica</dc:creator> <dc:date>2023-04-05T12:53:00Z</dc:date> </entry> <entry> <title>How to build a Publikationsumgebung für MWW</title> <link rel="alternate" href="https://www.mww-forschung.de/c/blogs/find_entry?p_l_id=656695&amp;entryId=3257648" /> <author> <name>Burow Rica</name> </author> <id>https://www.mww-forschung.de/c/blogs/find_entry?p_l_id=656695&amp;entryId=3257648</id> <updated>2023-01-09T13:24:59Z</updated> <published>2022-12-15T12:58:00Z</published> <summary type="html">&lt;p&gt;2022 hat die Herzog August Bibliothek ihr 450-jähriges Jubiläum und dabei auch ihren einzigartigen Bestand mit wertvollen Büchern und Handschriften gefeiert – Bücher, die zuweilen doppelt so alt sind, wie die Bibliothek selbst. Im Gegensatz dazu sind digitale Publikationen vergleichsweise jung. Obwohl es in den letzten Jahren starke Verbesserungen gegeben hat, besteht immer noch eine nicht zu unterschätzende Unsicherheit darüber, ob die derzeit online publizierten Texte in 10 oder 25 Jahren noch auffindbar und verfügbar sein werden.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Eine der Aufgaben der 2. Förderphase von MWW besteht darin, eine Publikationsumgebung aufzubauen, um den Forschungsverbund und die beteiligten Institutionen in die Lage zu versetzen, Monographien, Sammelbände oder Kataloge und darüber hinaus auch Forschungsdaten eigenständig veröffentlichen zu können. Schließlich soll das neue Angebot mit den bestehenden Publikationsangeboten, wie der &lt;a href="https://zfdg.de/"&gt;Zeitschrift für digitale Geisteswissenschaften (ZfdG)&lt;/a&gt;, und den institutionellen Repositorien verknüpft werden.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Egal ob Repositorien, Open Access-Zeitschriften oder -Verlage – der Aufbau einer digitalen Publikationsstruktur ist mit zahlreichen Herausforderungen und Fragen konfrontiert: Wie soll der Workflow gestaltet werden? Welche Softwareumgebung und welche Tools werden benötigt? Wie kann die Infrastruktur nach dem in der Regel projektmäßig geförderten Aufbau weiter betrieben, gepflegt und erneuert werden? Wie lässt sich die langfristige Verfügbarkeit der Publikationen und Forschungsdaten sicherstellen? Wie kann man die neue Publikationsplattform in der Community bekannt machen? Wie bekommt man Reputation für das neue Angebot und damit Leser:innen und Zitationen für die Publikationen?&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Die langfristige Verfügbarkeit ist ein wichtiger, wenn auch nicht der einzige Grund, warum viele Geisteswissenschaftler:innen nach wie vor gedruckte Bücher einer &lt;i&gt;online only&lt;/i&gt; Publikation vorziehen. Das Publikationssystem dient nicht nur der Bekanntmachung von wissenschaftlichen Ergebnissen. Die Frage, wer wo veröffentlicht, hat sehr direkte Auswirkungen darauf, wer welche Stelle bekommt, letztlich wie Karrieren verlaufen. Wissenschaftliche Disziplinen haben im Laufe der Zeit unterschiedliche Publikationskulturen ausgebildet und das nicht erst seit dem digitalen Wandel. Die Entwicklung dieser unterschiedlichen Publikationskulturen zu beobachten, heißt immer auch, Entwicklungen des Wissenschaftssystem wahrzunehmen.&lt;a href="#_ftn1"&gt;[1]&lt;/a&gt; Dies beschränkt sich keinesfalls nur auf eine Aufteilung in Natur- und Geisteswissenschaften und Zeitschriftenaufsätze vs. Monographien, sondern ist weitaus vielschichtiger, wie das Beispiel der Soziologie zeigt, bei der sich die quantitativ arbeitende Soziologie eher der naturwissenschaftlichen und die qualitativ arbeitende Soziologie eher der geisteswissenschaftlichen monographischen Publikationskultur ähnelt.&lt;a href="#_ftn2"&gt;[2]&lt;/a&gt; Ähnliches ließe sich sicherlich auch für die unterschiedlichen Publikationskulturen der Digital Humanities im Vergleich zu den klassischen Humanities herausarbeiten. Für alle gilt das unumgängliche Diktum von &lt;i&gt;publish or perish&lt;/i&gt;, das zwar in etwas überspitzter, aber doch treffender Weise das Ziel von Wissenschaft wiedergibt: Veröffentlichungen. Unpubliziertes mag zwar richtig sein, steht dem wissenschaftlichen Diskurs aber nicht zur Verfügung, kann weder überprüft und bestätigt, noch widerlegt werden.&lt;a href="#_ftn3"&gt;[3]&lt;/a&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Fördergeber sind in den letzten Jahren dazu übergegangen, Open Access-Publikationen stärker zu fördern und auch einzufordern. Zugleich nimmt die Bedeutung der Veröffentlichung von Forschungsdaten zu. Die großangelegte und disziplinübergreifende Förderung der NFDI-Initiativen sind ein Ausweis dieser Bedeutung. Beide Entwicklungen benötigen entsprechende Beachtung beim Aufbau einer digitalen Publikationsumgebung für MWW.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Aus den oben genannten Erwägungen und um verschiedene Funktionen erfüllen zu können, ist die MWW-Publikationsumgebung aus zwei miteinander verbundenen Elementen konzipiert: Einmal mit einer Umgebung, in der monographische Werke im Open Access publiziert, bequem und responsive online gelesen und kommentiert werden können. Diese Plattform bietet zudem Möglichkeiten, die über Printpublikationen hinausgehen, z.B. das Einbinden von multimedialen Inhalten oder auch interaktiven Elementen, das Erstellen von &lt;i&gt;living books&lt;/i&gt;, das Ergänzen, Anhängen von und Verknüpfen mit weiteren Inhalten und Funktionalitäten, die über die der PDFs weit hinausgehen. Dieser Teil der Publikationsumgebung wird über die Open Source Software &lt;a href="https://manifoldapp.org/"&gt;Manifold Scholarship&lt;/a&gt; realisiert.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/Blog1.png/dc55610e-74e7-8cfa-438a-ee0dcc7c304d" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Manifold Scholarship ist 2012 als kollaboratives Projekt entstanden, um eine interaktive Webedition des Bandes ›Debates in the Digital Humanities‹ zu produzieren. Beteiligt waren das CUNY Graduate Center Digital Scholarship Lab, der University of Minnesota Press und die Programmierfirma Cast Iron Coding. Ab 2015 wurde das Projekt Manifold Scholarship von der Andrew Mellon Foundation unterstützt. 2022 wurde Version 7 herausgebracht, mit dem nun u.a. auch die Produktion von Zeitschriften unterstützt wird.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Als zweites Element der Publikationsumgebung wird ein MWW-Repositorium aufgesetzt. Das Repositorium wird mit der Software &lt;a href="https://demo7.dspace.org/home"&gt;DSpace&lt;/a&gt; realisiert und dient primär dazu, die Auffindbarkeit von Publikationen und Forschungsdaten zu gewährleisten. Als Repositorium des Forschungsverbundes bietet es zudem die Möglichkeit, die jeweiligen institutionellen Repositorien und deren Inhalte auf einer Oberfläche sicht- und durchsuchbar zu machen.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/Blog+2.png/f475ffb3-8e9d-ee69-6f3e-fb6208f0fa93" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Ganz im Sinne des Verbundgedankens von MWW werden hierdurch potenziell große und kulturell wie wissenschaftlich wertvolle Bestände der drei Institutionen stärker sichtbar, ohne dass dafür ein großer Aufwand nötig wäre. Das MWW-Repositorium wird über entsprechende Schnittstellen mit den jeweiligen Repositorien der Institutionen verbunden. Es enthält keine eigenen Bestände, sondern verweist jeweils auf die Bestände aus Marbach, Weimar und Wolfenbüttel.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;In Zusammenarbeit mit dem Wallstein Verlag werden die Bände der MWW-Forschungsgruppen ›Provenienz‹, ›Ökonomie‹ und ›Raum‹ sowie die der Mid- und Endterm-Tagung in der Reihe ›Kulturen des Sammelns‹ sowohl in Print als auch digital veröffentlicht. Weitere Publikationen aus MWW-Tagungen sind in Planung. Die bereits etablierte Reihe ›Kulturen des Sammelns‹ wird damit komplett Open Access gestellt, was ihre Reichweite erhöhen und auch den bereits veröffentlichten Bänden zugutekommen wird.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/Blog3.png/7d6ac8f9-ba0a-d7ac-3df6-99db6811eca9" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Die Herausforderung der kommenden Monate besteht darin, die Manifold Library mit Publikationen zu füllen und damit die Konzeption innerhalb eines begrenzten Zeitraums umzusetzen und zugleich die notwendig werdenden Anpassungen des Workflows einzubauen, Verknüpfungen zu erstellen sowie die Publikationsumgebung auf verschiedenen Kanälen in der Community bekannt zu machen. Außerdem müssen die Weichen für eine nachhaltige Lösung gestellt werden oder – um im Bild der Infrastruktur zu bleiben – die Schienen für die nachhaltige Betreuung gelegt werden.&lt;/p&gt; &lt;hr /&gt; &lt;p&gt;Dr. Torsten Kahlert ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im MWW-Projekt ›Platform for Open Access Publication‹ an der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel.&lt;/p&gt; &lt;div&gt;  &lt;hr /&gt; &lt;div&gt; &lt;p&gt; &lt;a href="#_ftnref1"&gt;[1]&lt;/a&gt;&lt;a href="https://www.zotero.org/google-docs/?GRXoCe"&gt;Carlos Spoerhase, Filetierte Vernunft. Veröffentlichen in den Geistes- und Sozialwissenschaften, in: Mittelweg 36, 31 (2022) 2, S. 4–13.&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt; &lt;div&gt; &lt;p&gt; &lt;a href="#_ftnref2"&gt;[2]&lt;/a&gt;&lt;a href="https://www.zotero.org/google-docs/?a8DHCF"&gt;Vgl. Martina Franzen, Einheit oder Vielfalt? Wissenschaftliche Publikationspraktiken im fachkulturellen Vergleich, in: Mittelweg 36, 31 (2022) 2, S. 40f.&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt; &lt;div&gt; &lt;p&gt; &lt;a href="#_ftnref3"&gt;[3]&lt;/a&gt;&lt;a href="https://www.zotero.org/google-docs/?GYtAug"&gt;Vgl.: Niklas Luhmann, Die Wissenschaft der Gesellschaft, Frankfurt am Main, 1992, S. 606f.&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;</summary> <dc:creator>Burow Rica</dc:creator> <dc:date>2022-12-15T12:58:00Z</dc:date> </entry> <entry> <title>Weimar hoch drei</title> <link rel="alternate" href="https://www.mww-forschung.de/c/blogs/find_entry?p_l_id=656695&amp;entryId=3128296" /> <author> <name>Burow Rica</name> </author> <id>https://www.mww-forschung.de/c/blogs/find_entry?p_l_id=656695&amp;entryId=3128296</id> <updated>2022-11-08T07:29:26Z</updated> <published>2022-11-04T13:16:00Z</published> <summary type="html">&lt;p&gt;Im Rahmen einer vom Forschungsverbund MWW ausgeschriebenen &lt;a href="https://www.mww-forschung.de/forschungshospitanzen"&gt;Forschungshospitanz&lt;/a&gt; durfte ich vier Wochen in Weimar forschen, leben und arbeiten. Die Stadt bietet dafür ideale Bedingungen – nicht nur wissenschaftlicher Natur. Ein Sommer in der kleinen, aber charmanten Stadt ist, so meine Erfahrung, ein erfolgreich verbrachter Sommer.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Erfolg habe ich in der Fallstudie &lt;a href="https://www.mww-forschung.de/goethe-digital"&gt;»Goethe Digital«&lt;/a&gt; gesehen: Dem Team ist es gelungen, die Privatbibliothek Goethes in einen Onlinekatalog zu übertragen. Sie ist so durchsuchbar, recherchierbar und übersichtlich zusammengefasst. Der Wert des Kataloges ist unschätzbar, denn die Bibliothek war Goethes hauptsächliches Arbeitsinstrument. Mit diesem nun erschlossenen Schatz an Literatur, Fachwissen und Enzyklopädien können Forscher*innen zu Goethe umfangreicher, detaillierter und präziser Bezüge, Zitate und Anmerkungen erarbeiten und benennen. Und dennoch wird der Katalog vermutlich nie ganz abzuschließen sein. Viele Bücher sind im Laufe der Zeit schlicht verloren gegangen, haben ihre*n Besitzer*in gewechselt oder wurden aussortiert. Goethe ist mit seiner Bibliothek wesentlich weniger nachwelt-bewusst umgegangen als mit seinen anderen Sammlungen. Er hat aussortiert, verschenkt und verkauft. Ein besonderes Beispiel eines so fluiden und dynamischen Bestandes zu sehen hat mich beeindruckt. Mir sind zudem Schwierigkeiten aber auch Chancen im Umgang mit solchen Beständen, besonders im museologischen Kontext, bewusst geworden. Aber auch Fragen des bibliothekswissenschaftlichen Umgangs haben sich mir gestellt. Wie stellt man eine Bibliothek dieses Ausmaßes aus? Wie lässt sich dieses immaterielle Wissen, das buchstäblich zwischen den Zeilen steht, ausstellen? Wie sieht ein Kompromiss zwischen Erhaltung und Konservation bei gleichzeitiger musealer Präsentation und wissenschaftlicher Zugänglichkeit aus?&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/Kr%C3%A4uter+Deckblatt.png/9847b190-4aef-fd90-496f-54c6d6788d93" style="height: auto;width: 453.0px;display: block;margin-left: auto;margin-right: auto;" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Deckblatt des »Catalogus Bibliothecae Goethianae« von 1822 bis 1839 von Goethes Bibliothekar Friedrich Theodor Kräuter handschriftlich geführt. HAAB Weimar&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Erfolgreich inszeniert hat Elisabeth Förster-Nietzsche ihren Bruder Friedrich. Ich hatte in meiner Zeit in Weimar auch Einblicke in die Fallstudie &lt;a href="https://www.mww-forschung.de/kunst-und-memoria"&gt;»Kunst und Memoria«&lt;/a&gt;, die ›jenseits des Werks‹ arbeitet und damit vor allem Fragen der Nietzsche-Rezeption behandelt. Mit Nietzsche habe ich auch meine ersten drei Tage im Archiv verbracht, die daraus bestanden, sämtliche Fotografien des Ikonografie-Bestandes zu sichten. Eine schier unendliche Menge, die jedoch nur einen Bruchteil des gesamten Bestandes zu Nietzsche abbildet. Förster-Nietzsche hatte Erfolg in ihrer Sammelwut, in ihrer Festschreibung eines Nietzsches-Bildes und in ihrer Etablierung des Nietzsche-Archivs in Weimar. Besonders eindrücklich ist es, wenn Fotografien von Kunstwerken zeugen, die nicht erhalten sind. Die Fotos im Goethe-Schiller-Archiv sind dann oft der einzige Beleg dafür, dass es diese Kunstwerke überhaupt gegeben hat.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/jul+rosor.jpg/f8f83cf0-eb3b-1f2e-73fd-f74ffe061a14" style="height: auto;width: 394.0px;display: block;margin-left: auto;margin-right: auto;" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Farbautotypie als Beilage des »Jul Rosor« 1910, Motiv Edvard Munch. GSA, Signatur GSA 101/63a (ÜF 256).&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Einen späten Erfolg durfte ich in meiner eigenen Forschung verbuchen. Mein Vorhaben war es, zu Minna Körner und ihrer Familie zu forschen. Christian Gottfried Körner gilt gemeinhin als einer der engsten Freunde Schillers, seine spätere Frau Minna (geborene Stock) war die Tochter des Mannes, der Goethe in Leipzig Zeichenunterricht gab. Ihre Schwester Dora sollte später eine profilierte Porträtzeichnerin werden. Ich ging mit wenig konkreten Informationen nach Weimar, denn die Körners sind im Strudel der Kanonisierung oft vergessen worden. Zudem haben sowohl Christian Gottfried als auch Minna und der Sohn Theodor sich literarisch betätigt, was die Unterscheidung bisweilen kompliziert machen kann. Die Großzahl der authentischen Manuskripte ist allerdings ohnehin in einem Ende des 19. Jahrhunderts in Dresden errichteten Körner-Museum im Februar 1945 in den Bomben verbrannt. Ich konnte aber über die &lt;a href="https://ores.klassik-stiftung.de/ords/f?p=401:1::::::"&gt;Archivdatenbank des GSA&lt;/a&gt; Briefe von Minna Körner an unterschiedliche Empfänger*innen recherchieren. Ich hoffte so, die zeitgenössische Relevanz der Körners als kultureller, sozialer und gesellschaftlicher Treff- und Mittelpunkt über die Briefkultur rekonstruieren zu können. Mein später Erfolg waren dann Briefe von Minna Körner an Charlotte Schiller. Sie zeugen von einer Freundschaft, enthalten aber auch Berichte von Konzert-, Theater- und Opernbesuchen. Diese Briefe belegen so auch eine weibliche Kunstkritik – die allerdings nur im privaten Rahmen ausgeübt wurde. Der Bestand des GSA ist unvollständig, die Lücken sind evident, es müssen wesentlich mehr Briefe geschrieben worden sein. Mithilfe verschiedener Bestände, Abteilungen und Mitarbeitenden der Klassik Stiftung versuchte ich zu rekonstruieren, wie die Briefe in das GSA gekommen sind. Denn den Bestand mit seinen Wegen und Herkünften zu rekonstruieren kann als erster Schritt hilfreich sein – ein Projekt, das ich weiterhin verfolge.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/Minna+Bild.jpg/8eb97172-b0b1-58db-3231-e5da069d499f" style="height: auto;width: 400.0px;display: block;margin-left: auto;margin-right: auto;" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Anfang des Briefes vom 17. Februar 1802 von Minna Körner an Charlotte von Schiller. GSA, Signatur GSA 83/1776.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Weimar war für mich in mindestens dreifacher Sicht erfolgreich: Es haben sich mir neue Fragen, Problematiken und Sichtweisen eröffnet. Ich habe etwas über Bestand, Ausstellung und Erhaltung gelernt. Und ich habe Goethe, Nietzsche und die Körners aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachten können als in meinem Studium. Denn die vielleicht wichtigste Erkenntnis bleibt für mich, dass man als Literaturwissenschaftler*in unbedingt mit, an und über die Bestände arbeiten sollte. Wenn sie auch noch so reichhaltig sind wie in Weimar bleiben keine Wünsche offen.&lt;/p&gt; &lt;hr /&gt; &lt;p&gt;Sophie Charlotte Wehner ist Studentin der Neueren Deutschen Literaturwissenschaft an der Leibniz Universität Hannover und kurz vor dem Abschluss des Fachmasters. Ihre Forschungs- und Interessenschwerpunkte widmen sich insbesondere der Sattelzeit, Fragen von (fehlenden) Kanonisierungsprozessen sowie Rezeptionsästhetik und literarische Publikationskontexte im 18. Jahrhundert.&lt;/p&gt;</summary> <dc:creator>Burow Rica</dc:creator> <dc:date>2022-11-04T13:16:00Z</dc:date> </entry> <entry> <title>Was ist der Wert der Dinge? Konzepte einer Sammlungsökonomie</title> <link rel="alternate" href="https://www.mww-forschung.de/c/blogs/find_entry?p_l_id=656695&amp;entryId=3008564" /> <author> <name>Burow Rica</name> </author> <id>https://www.mww-forschung.de/c/blogs/find_entry?p_l_id=656695&amp;entryId=3008564</id> <updated>2022-10-04T11:14:56Z</updated> <published>2022-09-26T09:20:00Z</published> <summary type="html">&lt;p&gt; &lt;em&gt;von Qingyu Cai &lt;/em&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Da ich mich im Rahmen meiner Promotion mit dem Sammelmotiv in der Literatur beschäftige, war die Teilnahme an der internationalen Sommerschule des Forschungsverbunds MWW 2022 mit dem Titel »Was ist der Wert der Dinge? Konzepte einer Sammlungsökonomie« für mich von sehr großem Interesse. Das Lernprogramm der Sommerschule war sehr vielfältig und reichte von Seminaren und Vorträgen über Workshops bis hin zu Exkursionen.&lt;br /&gt; Nach einem herzlichen Empfang begann unsere Sommerschule mit der Sammlung der Herzog August Bibliothek. Die Führung ermöglichte es uns, einen Einblick in die wertvolle fürstliche Büchersammlung der frühen Neuzeit sowie in die später entstandenen Malerbüchersammlung zu gewinnen. So konnten wir auf lebendige Art und Weise das Bild vom Herzogen August als einem leidenschaftlichen Sammler und den dynamischen Wandel der Sammlung im Lauf der Zeit erfahren.&lt;br /&gt; Über zwei Wochen setzten wir uns in intensiven Seminaren und im Rahmen von Vorträgen mit unterschiedlichen Aspekten der Wertevorstellungen beim Sammeln im interdisziplinären Kontext auseinander. Dies bot viele Anregungen auf der theoretischen Ebene und regte zum Nachdenken über Sammelpraxen an. Weiterhin konnten wir unsere Diskussionen in den Seminaren durch die Exkursionen in Museen und Sammlungen, wie in das Herzog Anton Ulrich-Museum oder in den Domschatz Halberstadt, weiter fortsetzen, wodurch wir immer wieder neue Inspirationen gewannen. Außerdem lernten wir durch die nachmittäglichen Workshops verschiedene digitale Tools sowie die Digitalisierungsprojekte des Forschungsverbunds kennen.&lt;br /&gt; Die Sommerschule des Forschungsverbunds MWW war für mich eine schöne und spannende Zeit mit einer tollen Gruppe in Wolfenbüttel und Umgebung. Wir hatten zahlreiche Austauschmöglichkeiten mit Referent*innen sowie untereinander. Die Erlebnisse waren absolute Bereicherungen für meine eigene Forschung.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt; &lt;em&gt;Qingyu Cai ist Dokorandin an der Ludwig-Maximilians-Universität München und beschäftigt sich in ihrer Dissertation mit dem Sammeln als Inhalt und Form in der Gegenwartsliteratur (Arbeitstitel).&lt;/em&gt;&lt;/p&gt; &lt;hr /&gt; &lt;p&gt; &lt;em&gt;von Nikoleta Perić &lt;/em&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;The topic of this year’s summer school, »Was ist der Wert der Dinge Konzepte einer Sammlungsökonomie« has proven itself as valuable for my dissertation which deals with collections in the works of Adalbert Stifter and W.G. Sebald.&lt;br /&gt; The Summer School has gathered students from various disciplines such as art history, history, archeology, and literature, and the fruitful discussions during the various seminars have given me a new understanding of museums and collections. All participants were provided with reading materials before the program began, which helped us understand the subject matter even better.&lt;br /&gt; The program consisted of seminars, and lectures, which tackled the numerous divisions of the concept of value, examining the changes in the value of the collections over time and the universal worth of things, which opened up questions such as How does an object become a part of a collection and what conditions cause it to leave the collection? How do museums charge things with meaning and what role does the aura of the object play? How is the economic aspect of things determined? They have also dealt with the historical development of collections, analyzing not only their genesis but also examining the future of museums.&lt;br /&gt; During these two weeks, we also had a chance to take part in three workshops, through which we got acquainted with the possibilities digital methods have to offer and we also had a chance to enjoy excursions to Braunschweig and Halberstadt. In Braunschweig, we took part in a guided tour through the city and visited the Herzog Anton Ulrich Museum, where we could not only admire their collection but also understand more about the processes of choosing the right exhibition object. In the cathedral treasury in Halberstadt, we observed the relics looted by Conrad of Krosigk from Constantinople to Halberstadt and could get a clear picture of the effect relics have on the elevation of the importance of a place they are brought to.&lt;br /&gt; The program of the school represents a successful combination of theory and practice, offering lectures, seminars, and workshops held by professionals in their field. There was also enough free time to reflect on the matters discussed during the day and work on my dissertation project, to which this experience contributed. This also represents a great chance to meet a lot of young knowledgeable people and make new contacts.&lt;br /&gt; For all the above reasons, I would like to recommend this Summer School to Ph.D. students, no matter their state of research.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt; &lt;em&gt;Nikoleta Perić ist Doktorandin an der Universität Debrecen (Ungarn) und promoviert über die Poetik der Dinge bei Adalbert Stifter und W.G. Sebald.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;em&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/09_Wolfenb%C3%BCttel.jpg/7b0d559a-f40d-a405-d4cb-3557a66c9bc2" style="height: auto;width: 587.0px;" /&gt; &lt;br /&gt; Führung durch das &lt;a href="https://3landesmuseen-braunschweig.de/herzog-anton-ulrich-museum"&gt;Herzog Anton Ulrich-Museum Braunschweig&lt;/a&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;</summary> <dc:creator>Burow Rica</dc:creator> <dc:date>2022-09-26T09:20:00Z</dc:date> </entry> <entry> <title>Henry van de Velde und die Raumkunst in Weimar</title> <link rel="alternate" href="https://www.mww-forschung.de/c/blogs/find_entry?p_l_id=656695&amp;entryId=2502248" /> <author> <name>Burow Rica</name> </author> <id>https://www.mww-forschung.de/c/blogs/find_entry?p_l_id=656695&amp;entryId=2502248</id> <updated>2022-04-06T07:36:14Z</updated> <published>2022-04-05T14:05:00Z</published> <summary type="html">&lt;p&gt;Die Überraschung kam per Mail an einem Sommerabend im Juni 2021: Es war die Einladung zu einem Fellowship im Forschungsverbund MWW bei der Klassik Stiftung Weimar, das ich jetzt zwischen Mitte Februar und Mitte April 2022 wahrnehme. Die Freude war groß. Es gibt nämlich einige Anknüpfungspunkte zwischen meiner Dissertation &lt;i&gt;Wohnen im Kaiserreich&lt;/i&gt; an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und der von Dr. Christoph Schmälzle geleiteten Fallstudie ›&lt;a href="https://www.mww-forschung.de/kunst-und-memoria"&gt;Kunst und Memoria&lt;/a&gt;‹ und der Forschungsgruppe ›&lt;a href="https://www.mww-forschung.de/raum"&gt;Raum&lt;/a&gt;‹&lt;i&gt;.&lt;/i&gt; Sie untersucht Möbel und Hausrat von Elisabeth Förster-Nietzsche. &lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/Abb.+1.jpg/c0c474f2-6569-4beb-f90c-c84b301b96d7" style="height: auto;width: 624.0px;" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;em&gt;Nietzsches Wohnzimmer im 1.OG, Foto: GSA, 101_622_Seite 5&lt;/em&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Sie lebte in ihrer Wohnung im Obergeschoss des Nietzsche-Archivs mit historistischen Möbeln, ließ aber das Erdgeschoss mit modernen, schlichten Möbeln von Henry van de Velde ausstatten. &lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/Abb.+2.jpg/061ab615-7000-e2a8-3475-24757b8595ac" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;em&gt;Einblick in die von Henry van de Velde ausgestatteten Räumlichkeiten, Foto: GSA, 101_623_Seite 29&lt;/em&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Dieses Gegensatzpaar &lt;i&gt;antimodern/modern&lt;/i&gt; steht auch im Zentrum meiner Forschungen. Weimar bietet mit seinen Bibliotheken und Archiven dafür hervorragende Bedingungen. So gibt es zum Beispiel im Goethe und Schiller-Archiv (GSA) Unterlagen von Elisabeth Förster-Nietzsche und Dokumente des Großherzogs Wilhelm Ernst zur Förderung von Architektur und Kunstgewerbe. Mit Henry van de Velde holte der Großherzog einen bekannten Reformer in die Residenzstadt, um dem Kunsthandwerk neue Impulse zu geben. Unterstützt wurde van de Velde sehr stark von Elisabeth Förster-Nietzsche.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/Abb.+3.jpg/0bfa28ce-367e-a474-793b-a9b3f25a3c44" style="height: auto;width: 475.0px;" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;em&gt;Henry van de Velde um 1910, Foto: Fotothek 100-2012-0404&lt;/em&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/Elisabeth_F%C3%B6rster_Nietzsche.jpg/3dadd228-3f87-a252-69f5-28e06c1988af" style="height: auto;width: 481.0px;" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;em&gt;Elisabeth Förster-Nietzsche, Foto: GSA 101/172&lt;/em&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Sie erwartete, dass das von ihm geleitete Kunstgewerbliche Seminar in Weimar, später die Kunstgewerbeschule, Musterteile für die thüringischen Werkstätten und Fabriken herstellte, die wiederum von deren besten Mitarbeitern ausgeführt würden. Auf diesem Wege wollte sie die Qualität des Kunsthandwerks verbessern. So schrieb Elisabeth Förster-Nietzsche in einem Brief am 22. März 1901 an den Kunstsammler und Mäzen Harry Graf Kessler: »Was ich nämlich immer vermisse, ist, daß auch die allergeringsten Gebrauchsgegenstände nach guten, künstlerischen Prinzipien hergestellt werden, und zwar billige Gebrauchsgegenstände, die eben das Volk auch bezahlen kann und woran es selbst seine innige Freude haben würde«.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/Abb.+5.jpg/6a10f622-3306-676f-caac-9379ed97ee76" style="height: auto;width: 449.0px;" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;em&gt;Harry Graf Kessler, Foto: Klassik Stiftung Weimar, GSA 101/488 Bl. 49&lt;/em&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Mit dieser Einstellung stand Elisabeth Förster-Nietzsche an der Seite der modernen Kunstgewerbebewegung.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Der Zusammenhang von Kunstgewerbe, Handwerk und Industrie hat mich schon während des Studiums der Geschichte und Kunstgeschichte und der Promotion in Frankfurt am Main beschäftigt. Für mich kommt es darauf an, die Kunstgeschichte mit der Wirtschaftsgeschichte zu verbinden, den Stil der Möbel und der gesamten Einrichtung auch aus den Bedingungen der Produktion und der Entwicklung des Marktes zu erklären. Besonders die Jahre nach 1900 bis zum Ersten Weltkrieg sind aufschlussreich. In den Fabriken begann die maschinelle Serienfertigung von Möbeln, in den Kaufhäusern entstanden die ersten Wohnungsabteilungen mit kompletten Raumausstattungen wie heute bei IKEA und zur Geschmacksbildung der Verbraucher fanden in vielen Städten Ausstellungen mit Musterwohnungen statt. Wohnungszeitschriften wie die &lt;i&gt;Innendekoration&lt;/i&gt; veranstalteten Wettbewerbe zur Inneneinrichtung. Hersteller sollten gut gestaltete und geschmackvolle Möbel entwerfen, die prämiert wurden und zu vorab festgelegten Preisen im Handel erhältlich sein sollten.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Einer der Wortführer des schlichten, sachlichen Stils war Henry van de Velde, einige Jahre später, 1907, einer der Mitbegründer des Deutschen Werkbundes. In Sachsen-Weimar sollte er nach dem Willen des Großherzogs Wilhelm Ernst beim Kunsthandwerk die gute Form durchsetzen, zu einem guten Preis und von guter Qualität. »In keinem Lande gab es etwas Ähnliches, und kein Souverän, keine Regierung hatte daran gedacht, das verfallene Kunsthandwerk unter seinen Schutz zu nehmen«, schrieb van de Velde in seinen Erinnerungen &lt;i&gt;Geschichte meines Lebens.&lt;/i&gt; Welchen Einfluss er auf die Werkstätten und ihre Produkte nehmen konnte, zusammen mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, inwieweit auch das Kunstgewerbliche Seminar von der Zusammenarbeit mit den Fabriken profitierte, untersuche ich während meines Forschungsaufenthaltes in Weimar. Dazu gehört auch die Frage, wo der bekannte Kunstreformer an Grenzen stieß und wo er Unterstützung bekam – durch Großherzog Wilhelm Ernst, den Sammler und Mäzen Harry Graf Kessler und durch Elisabeth Förster-Nietzsche. Gemeinsam schufen die Drei nach 1902 das »Neue Weimar«, das im ehemals Großherzoglichen Museum heute wieder lebendig wird.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/Museum_neues_Weimar.jpg/34da3f08-6ce6-9f5f-55da-7d1e9cecb4c9" style="height: auto;width: 592.0px;" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;em&gt;Museum Neues Weimar, Foto: Klassik Stiftung Weimar: KPh/3629&lt;/em&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;/p&gt; &lt;hr /&gt; &lt;p&gt; &lt;a href="https://msfuenderich.de/"&gt;Dr. Maren-Sophie Fünderich&lt;/a&gt; ist Historikerin und Kunsthistorikerin. Ihre Dissertation &lt;em&gt;Wohnen im Kaiserreich. Einrichtungsstil und Möbeldesign im Kontext bürgerlicher Selbstrepräsentation&lt;/em&gt; wurde 2019 bei &lt;a href="https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/9783110650525/html"&gt;De Gruyter&lt;/a&gt; veröffentlicht. Im Februar bis April 2022 ist sie als Junior Fellow in der Forschungsgruppe ›Raum‹ im Forschungsverbund Marbach Weimar Wolfenbüttel und seit März 2022 auch Mitglied dieser Forschungsgruppe.&lt;/p&gt;</summary> <dc:creator>Burow Rica</dc:creator> <dc:date>2022-04-05T14:05:00Z</dc:date> </entry> <entry> <title>Die Sammlung(en) Zweig</title> <link rel="alternate" href="https://www.mww-forschung.de/c/blogs/find_entry?p_l_id=656695&amp;entryId=2407017" /> <author> <name>Burow Rica</name> </author> <id>https://www.mww-forschung.de/c/blogs/find_entry?p_l_id=656695&amp;entryId=2407017</id> <updated>2022-03-10T13:07:31Z</updated> <published>2022-03-03T07:32:00Z</published> <summary type="html">&lt;p&gt;»Ich beauftrage Sie mit dem kommissionsweisen Verkauf meiner Autographensammlung u[nd] zw[ar] zunächst mit deren ersten Teil, umfassend Deutsche Literatur, Gelehrte und Komponisten.«&lt;a href="#_ftn1"&gt;[1]&lt;/a&gt; Mit diesen Zeilen an den Wiener Antiquar Heinrich Hinterberger läutete Stefan Zweig am 15. Dezember 1935 aus dem Londoner Exil heraus die Auflösung seiner Autographensammlung ein. Es war der erste größere Teilverkauf der in seiner Salzburger Villa zurückgebliebenen Privatsammlung Zweigs, die zu diesem Zeitpunkt aus circa 1.000 Autographen&lt;a href="#_ftn2"&gt;[2]&lt;/a&gt; und seiner schätzungsweise 10.000 Bände umfassenden Bibliothek&lt;a href="#_ftn3"&gt;[3]&lt;/a&gt; bestand. Seit seiner jähen Emigration im Februar 1934 – Zweigs Reaktion auf eine kaum als Hausdurchsuchung verhohlene Polizeischikane – lebte er in einer kleinen Wohnung, deren Beengtheit nur die Übersiedlung eines Bruchteils seiner ursprünglichen Bücher- und Autographenkollektion in die britische Hauptstadt zuließ.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/Zweig_Kataloge_01-min.jpg/9a2187c6-6576-eb59-43d4-ce0fe5c882db" style="height: auto;width: 480.0px;" /&gt; &lt;br /&gt; &lt;em&gt;Auktionskataloge aus der Sammlung Stefan Zweig. (Foto: Chris Korner, DLA Marbach)&lt;/em&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Zweigs Korrespondenz mit Hinterberger zum Verkauf seiner Autographen liegt heute in der &lt;a href="https://searcharchives.bl.uk/primo_library/libweb/action/display.do?tabs=detailsTab&amp;amp;ct=display&amp;amp;fn=search&amp;amp;doc=IAMS040-003450684&amp;amp;indx=5&amp;amp;recIds=IAMS040-003450684&amp;amp;recIdxs=4&amp;amp;elementId=4&amp;amp;renderMode=poppedOut&amp;amp;displayMode=full&amp;amp;frbrVersion=&amp;amp;frbg=&amp;amp;rfnGrpCounter=3&amp;amp;dscnt=0&amp;amp;scp.scps=scope%3A%28BL%29&amp;amp;mode=Basic&amp;amp;vid=IAMS_VU2&amp;amp;fctV=Zweig%2C+Stefan%2C+1881-1942%2C+writer+and+collector&amp;amp;fctV=ger&amp;amp;fctV=archives&amp;amp;rfnGrp=3&amp;amp;rfnGrp=2&amp;amp;rfnGrp=1&amp;amp;srt=rank&amp;amp;tab=local&amp;amp;fctN=facet_local1&amp;amp;fctN=facet_lang&amp;amp;fctN=facet_rtype&amp;amp;dum=true&amp;amp;vl(freeText0)=Stefan%20Zweig&amp;amp;dstmp=1643982769811 "&gt;British Library&lt;/a&gt;. Die Briefe dokumentieren die arbeitsintensive Vorbereitung des Verkaufs dieser in gleichem Maße umfangreichen wie hochkarätigen Sammlung. Zweig verlangte beispielsweise den Druck eines eigenen bebilderten Verkaufskatalogs und drang darauf, die darin angebotenen 304 Stücke möglichst &lt;i&gt;en-bloc&lt;/i&gt; zu verkaufen. Die Korrespondenz gibt darüber hinaus Einblick in die teils zähen Verhandlungen: Zweig lehnte Hinterbergers Vorschläge zu einigen potentiellen Käufern ab, da diese in seinen Augen keine »richtigen« Sammler seien; mehrere Interessenten bemängelten wiederum ihrerseits den geforderten Kaufpreis als zu hoch. Im März 1936, auch dies ist in den Briefen festgehalten, konnte immerhin der Verkauf der im Katalog enthaltenen ersten und weitaus umfangreichsten Abteilung I (»Deutsche Dichter und Denker«&lt;a href="#_ftn4"&gt;[4]&lt;/a&gt;) schließlich doch zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht werden. Ihr neuer Besitzer war der Schweizer Privatgelehrte Martin Bodmer. Er erwarb zunächst 193 der 231 angebotenen Dichtermanuskripte,&lt;a href="#_ftn5"&gt;[5]&lt;/a&gt; womit immerhin der gewünschte &lt;i&gt;en-bloc&lt;/i&gt;-Verkauf der Abteilung I annähernd erzielt wurde. Im Frühjahr 1937 kaufte Bodmer schließlich auch noch einen zweiten Teil –  nichtdeutsche Autographen – von Zweigs Sammlung.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Nicht nur der Verkauf der Autographen, sondern auch die Auflösung seiner Salzburger Privatbibliothek aus dem fernen London stellte Zweig vor einige logistische Schwierigkeiten und er sah sich mehrmals gezwungen, für kurze Aufenthalte nach Salzburg und Wien zurückzukehren. Nach Aussage Zweigs wurden nur etwa 500 Bücher nach London verschickt; seine erste Ehefrau Friderike schätzt hingegen, dass es sich um circa ein Drittel des Salzburger Bestands gehandelt habe.&lt;a href="#_ftn6"&gt;[6]&lt;/a&gt; Neben kleineren Schenkungen an Hausangestellte und Freunde gingen Teile seiner Bibliothek an die Salzburger Arbeiterkammer und an die dortige Musikschule (heute Universität Mozarteum).&lt;a href="#_ftn7"&gt;[7]&lt;/a&gt; Mehrere Kisten mit Widmungsexemplaren wechselten in den Besitz von Friderike Zweig, die beschlossen hatte, in Salzburg zu bleiben.&lt;a href="#_ftn8"&gt;[8]&lt;/a&gt; Seine circa 4.000 Bände umfassende Handbibliothek, bestehend aus Fachliteratur und einer umfangreichen Katalogsammlung, wurde mangels passender Käufer nach der endgültigen Auflösung des Salzburger Haushalts im Frühjahr 1937 zunächst in den Räumlichkeiten des Antiquariats Hinterberger gelagert.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;In den kommenden Jahren erwarb, verkaufte und verschenkte Zweig weitere Bücher und Autographen in London sowie während längerer Aufenthalte in New York und im brasilianischen Petrópolis. Dort lebten Zweig und seine zweite Ehefrau Lotte nach einer ausgedehnten USA- und Lateinamerikareise im Jahr 1940. Angesichts der inzwischen auch in Großbritannien drohenden Kriegsgefahr beschlossen sie, nicht nach Europa zurückzukehren. Heute befinden sich Bücher aus Zweigs Autorenbibliothek (insofern ihr Verbleib bekannt ist) in Archiven, Bibliotheken sowie in Privatbesitz in Berlin, Halle, London, Marbach, Petrópolis, Salzburg und Zürich.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Die Bestände in Marbach und London sind auf besondere Weise verknüpft. Neben der bereits erwähnten Korrespondenz Zweigs mit Hinterberger liegt in der British Library ein wesentlicher Teil der Zweig’schen Autographensammlung, nämlich jener Teil, den Zweig aus Salzburg ins Exil nach London mitnahm (beziehungsweise von dort aus erwarb) und der nach dem gemeinsamen Suizid des Ehepaars Zweig 1942 in den Besitz der in London lebenden Erben überging und von der Familie schließlich im Jahr 1986 als Dauerleihgabe an die Bibliothek des British Museums (heute British Library) gespendet wurde. Unter den &lt;a href="https://www.dla-marbach.de/find/opac/id/BF00041683/?tx_find_find%5Baction%5D=index&amp;amp;tx_find_find%5Bcontroller%5D=Search&amp;amp;tx_find_find%5BqParam%5D=1&amp;amp;cHash=2f746eb261e6718cb5a00b003d0a3610"&gt;Zweigbeständen des Deutschen Literaturarchivs Marbach&lt;/a&gt; befindet sich heute der größte geschlossene überlieferte Buchbestand aus Zweigs Besitz: 2.900 (der einst 4.000) Antiquariatskataloge aus der Handbibliothek des Schriftstellers, die 1937 bei Hinterberger zurückgeblieben waren. Die in den Katalogen enthaltenen Anstreichungen und handschriftlichen Notizen zeigen, welche anstehenden Auktionen, welche Angebote, Preisentwicklungen und Verkäufe der Autographensammler Zweig mitverfolgte. Darüber hinaus scheinen sie dem Schriftsteller Zweig oftmals als Inspiration oder durch in den Katalogen enthaltene Stückbeschreibungen und Abbildungen sogar als wertvolle Rechercheinstrumente für seine eigene Arbeit gedient zu haben. Ein Beispiel: Eine Ausgabe des &lt;i&gt;Catalogues d’Autographes Français&lt;/i&gt; aus dem Jahr 1883, die ganz der Auktion von Briefen des französischen Schriftstellers Pierre de Beaumarchais gewidmet ist. Die Inhalte der Briefe sind, um das Interesse der Käufer zu schüren, im Katalog jeweils in einigen Sätzen zusammengefasst; zusätzlich wurden nachträglich händisch Zeitungsartikel eingeklebt, in denen der Wortlaut mehrerer Briefe Beaumarchais‘ aus den Jahren 1775 bis 1795 abgedruckt wurden. Ob Zweig diese Einklebungen selbst vorgenommen hat oder ein möglicher Vorbesitzer des Katalogs, lässt sich heute nicht mehr einwandfrei feststellen; zumindest lassen sich aber Parallelen zu Zweigs eigenem Werk konstatieren, die nahe legen, dass die Kataloginhalte indirekt Eingang in seine Arbeit gefunden haben: Beaumarchais und die rufschädigende Wirkung, die dessen Pamphlete und die Aufführung seiner Werke der französischen Monarchie in den Jahren vor der Revolution zusetzten, sind anschaulich in Zweigs biografischer Studie zur französischen Königin Marie Antoinette (1932)&lt;a href="#_ftn9"&gt;[9]&lt;/a&gt; nacherzählt.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/Catalogue_autogrpahes-min.jpg/d9b35516-431b-3e77-1ba5-0f8c6c5e95b0" style="height: auto;width: 460.0px;" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;em&gt;Ausgabe des ›Catalogues d’Autographes Français‹ (1883). Unter den Einklebungen ist handschriftlich vermerkt: »Ces reproductions des lettres autographes de Beaumarchais sont extraites d’un compte-rendu inséré, avant la vente, dans le journal Le Figaro« [Die Reproduktionen der handgeschriebenen Briefe Beaumarchais‘ sind Auszüge aus einem Bericht, der vor dem Verkauf in dem Journal Le Figaro erschien.] (Foto: Jens Tremmel, DLA Marbach).&lt;/em&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Um die Verbindungslinien zwischen den Londoner und Marbacher Zweigbeständen genauer zu untersuchen, verbrachte die MWW-Mitarbeiterin Stefanie Hundehege (wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Fallstudie &lt;a href="https://www.mww-forschung.de/transatlantischer-b%C3%BCcherverkehr"&gt;»Transatlantischer Bücherverkehr. Migrationswege und Transferrouten vor und nach 1945«&lt;/a&gt;) im Herbst 2021 einen zweimonatigen Forschungsaufenthalt in London. Dort arbeitete sie mit den Beständen der British Library und der London Library. Unterstützt und ergänzt wurden ihre Nachforschungen von den Archivar*innen, Bibliothekar*innen und Kurator*innen beider Einrichtungen sowie den heute in London lebenden Nachkommen der Zweig-Erben. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Recherchen lag auf der Provenienzgeschichte der in London befindlichen Teilnachlässe Zweigs. Darüber hinaus hält die in London liegende Korrespondenz Zweigs auch neue Erkenntnisse in Bezug auf die Geschichte des Marbacher Teils der Zweig’schen Katalogsammlung bereit, die – so viel sei hier bereits angedeutet – die Geschichte der Sammlung zwischen ihrer Einlagerung in Hinterbergers Antiquariat 1937 und dem Ankauf der Sammlung durch das Deutsche Literaturarchiv 1962 in ein neues Licht rücken.&lt;/p&gt; &lt;div&gt; &lt;a href="https://www.mww-forschung.de/stefanie-hundehege"&gt;Dr. Stefanie Hundehege&lt;/a&gt; ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Literaturarchiv Marbach für die Fallstudie »Transatlantischer Bücherverkehr«. Außerdem leitet sie die Forschungsgruppe »Provenienz«. &lt;hr /&gt; &lt;div&gt; &lt;p&gt; &lt;a href="#_ftnref1"&gt;[1]&lt;/a&gt; British Library, Add MS 89376/1 Zweig–Hinterberger Jan 1936–März 1938, Brief von Hinterberger an Zweig, datiert 3. Jänner 1936, darin enthalten Abschrift Auftrag von Zweig an Hinterberger, datiert 15. Dezember 1935, S. 1.&lt;/p&gt;&lt;/div&gt; &lt;div&gt; &lt;p&gt; &lt;a href="#_ftnref2"&gt;[2]&lt;/a&gt; Zweig-Biograf Oliver Matuschek listet 991 Autographen auf, die sich zweifellos im Zeitraum zwischen 1913 und 1941 in Zweigs Besitz befanden. Oliver Matuschek: &lt;i&gt;Ich kenne den Zauber der Schrift. Katalog und Geschichte der Autographensammlung Stefan Zweig&lt;/i&gt;. Wien: Inlibris, 2005, S. 161. Laut Schätzung von Matthias und Matuschek hatte Zweig nach seiner Emigration vor, sich von circa 750 Autographen zu trennen. Stephan Matthias u. Oliver Matuschek: &lt;i&gt;Stefan Zweigs Bibliotheken&lt;/i&gt;. Dresden: Sandstein, 2018, S. 30/31. Rund 250 ausgewählte Stücke nahm er mit ins Exil nach London. »›Ich kenne den Zauber der Schrift.‹ Stefan Zweig als Autographensammler«. In: &lt;i&gt;Aus dem Antiquariat&lt;/i&gt; 1/1998, 15–20 (S. 18).&lt;/p&gt;&lt;/div&gt; &lt;div&gt; &lt;p&gt; &lt;a href="#_ftnref3"&gt;[3]&lt;/a&gt; Matthias u. Matuschek: &lt;i&gt;Stefan Zweigs Bibliotheken&lt;/i&gt;, S. 29.&lt;/p&gt;&lt;/div&gt; &lt;div&gt; &lt;p&gt; &lt;a href="#_ftnref4"&gt;[4]&lt;/a&gt; Heinrich Hinterberger&lt;i&gt;: Repräsentative Originalhandschriften. Eine berühmte Autographen-Sammlung I. Teil.&lt;/i&gt; Katalog IX. Wien: Hinterberger, [1936].&lt;/p&gt;&lt;/div&gt; &lt;div&gt; &lt;p&gt; &lt;a href="#_ftnref5"&gt;[5]&lt;/a&gt; Thomas Bodmer: »›Weltliteratur, das ist der Weg des Menschen zu sich selbst‹. Stefan Zweig und Martin Bodmer als Sammler von Handschriften«, &lt;i&gt;Librarium&lt;/i&gt; 49 (2006), 206–209 (S. 207).&lt;/p&gt;&lt;/div&gt; &lt;div&gt; &lt;p&gt; &lt;a href="#_ftnref6"&gt;[6]&lt;/a&gt; Matthias u. Matuschek: &lt;i&gt;Stefan Zweigs Bibliotheken&lt;/i&gt;, S. 29.&lt;/p&gt;&lt;/div&gt; &lt;div&gt; &lt;p&gt; &lt;a href="#_ftnref7"&gt;[7]&lt;/a&gt; Matthias u. Matuschek: &lt;i&gt;Stefan Zweigs Bibliotheken&lt;/i&gt;, S. 34.&lt;/p&gt;&lt;/div&gt; &lt;div&gt; &lt;p&gt; &lt;a href="#_ftnref8"&gt;[8]&lt;/a&gt; Matthias u. Matuschek: &lt;i&gt;Stefan Zweigs Bibliotheken&lt;/i&gt;, S. 35.&lt;/p&gt;&lt;/div&gt; &lt;div&gt; &lt;p&gt; &lt;a href="#_ftnref9"&gt;[9]&lt;/a&gt; Siehe vor allem Stefan Zweig: &lt;i&gt;Marie Antoinette. Bildnis eines mittleren Charakters&lt;/i&gt;. Berlin: Insel, 2019 (S. 195–199).&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;</summary> <dc:creator>Burow Rica</dc:creator> <dc:date>2022-03-03T07:32:00Z</dc:date> </entry> <entry> <title>Virtuelle Räume für die Nachwuchsförderung</title> <link rel="alternate" href="https://www.mww-forschung.de/c/blogs/find_entry?p_l_id=656695&amp;entryId=2401384" /> <author> <name>Burow Rica</name> </author> <id>https://www.mww-forschung.de/c/blogs/find_entry?p_l_id=656695&amp;entryId=2401384</id> <updated>2022-03-01T08:28:45Z</updated> <published>2022-03-01T07:53:00Z</published> <summary type="html">&lt;p&gt;Die Pandemie und die damit einhergehende Digitalisierung hat in vielen Bereichen zu mehr Flexibilität geführt und den Zugang zu Bildungsangeboten erleichtert. Auch über die Ausnahmesituation hinaus sollten die neuen Formate beibehalten werden, um mehr Chancengleichheit in der Nachwuchsförderung zu ermöglichen.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Im Frühjahr 2021 sah ich die Ausschreibung der &lt;a href="https://www.mww-forschung.de/internationalesommerschule/2021"&gt;Summer School&lt;/a&gt; des Forschungsverbundes MWW. Das Thema war genau meins: Räume des Sammelns. Aber ich konnte meine Familie keine zwei Wochen am Stück alleine lassen. Also blieb mir doch nur, zu verzichten. Als Mutter eines kleinen Kindes in der Wissenschaft bin ich das ja schon gewohnt. Mal eben auf eine Konferenz fahren, sich für ein Fellowship bewerben, eine Forschungsreise machen – all das ist nur mit ausreichend Planung und Unterstützung möglich. Und oftmals geht es eben nicht, denn die Rahmenbedingungen sind nur selten passend für Familien. Familiengerechte Optionen gibt es oft gar nicht und wenn doch, dann sind sie meist nicht realistisch umsetzbar. Das höchste der Gefühle ist, dass die Familie mitgebracht werden darf. Mit etwas Glück gibt es sogar ein größeres Gästezimmer für diesen Zweck, vielleicht sogar einen Zuschuss zur finanziellen Förderung. Doch wie organisiert man sich vor Ort? Über einen längeren Zeitraum ohne Kinderbetreuung wird das schon schwierig. Ohne eine weitere Person, die sowohl dazu bereit als auch finanziell in der Lage ist, währenddessen alleine die Kinderbetreuung in einer wenig kindgerechten Umgebung zu übernehmen und gleichzeitig auf die eigene Arbeit und ggf. auf das eigene Einkommen zu verzichten, ist dies schlicht ausgeschlossen.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/Dolfen-Foto.jpg/4085a703-5308-08da-47d9-0424d8db0dd1" style="height: auto;width: 506.0px;" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;em&gt;Foto: privat&lt;/em&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Doch es ärgert mich. Ich bin es leid, dass es so oft als mein persönlicher Fehler erscheint, dass ich nicht frei und ungebunden bin. Dabei wird dies erst durch strukturelle Ungleichbehandlung zum Problem. Die Wissenschaft ist ein System, in dem es Menschen mit Familie, Behinderung oder finanziellen Nöten besonders schwer haben und schnell ausgeschlossen werden.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Ich schaute mir die Ausschreibung noch einmal an. Wir waren noch mitten in der Pandemie, doch ich konnte keine Informationen finden, ob die Veranstaltung digital oder in Präsenz geplant war. Also rief ich kurzentschlossen an. Es stellte sich heraus, es wurde hybrid geplant. Ich erklärte meine Situation und wurde ermuntert, mich zu bewerben. Also gut. Am Ende war es sogar möglich, einen Teil der Zeit von zu Hause und einen Teil vor Ort teilzunehmen. So viel Flexibilität war plötzlich vorhanden und ich konnte problemlos teilnehmen.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Warum erzähle ich das hier eigentlich? Ich möchte aufmerksam machen auf eine Errungenschaft der Pandemie: Flexibilität durch Digitalisierung. Natürlich ist es toll, persönlich vor Ort zu sein. »Wie schön, dass wir endlich alle wieder zusammenkommen können«, so wurden wir am ersten Tag der Summer School begrüßt. Naja, drei von uns waren digital zugeschaltet und wir fühlten uns an dieser Stelle ziemlich ausgeschlossen. Aber die Euphorie angesichts eines vollen Tagungsraumes nach anderthalb Jahren gähnender Leere ist absolut nachvollziehbar. Ich möchte hier auch nicht dafür plädieren, alles nur noch online zu machen. Aber ich möchte darauf aufmerksam machen, dass durch digitale und hybride Formate eine größere Anzahl von talentierten Nachwuchswissenschaftler*innen Zugang zu solchen Veranstaltungen und Fördermaßnahmen bekommen können. Laut dem aktuellen &lt;a href="https://www.bmbf.de/bmbf/de/forschung/wissenschaftlicher-nachwuchs/bundesbericht-wissenschaftlicher-nachwuchs/bundesbericht-wissenschaftlicher-nachwuchs_node.html"&gt;Bundesbericht zum Wissenschaftlichen Nachwuchs&lt;/a&gt; sind ein Sechstel der Promovierenden Eltern, unter den promovierten Wissenschaftler*innen an Hochschulen ist es sogar die Hälfte. Familie und Wissenschaft ist keine Randerscheinung, auch wenn immer noch viele wegen der Umstände im Wissenschaftsbetrieb trotz Kinderwunsch auf die Familiengründung verzichten. Doch nicht nur Kinder sind schwer mit wissenschaftlicher Karriere vereinbar. Auch für Nachwuchswissenschaftler*innen, die beispielsweise finanzielle Probleme haben, Angehörige pflegen oder selbst eine Beeinträchtigung haben, werden stark benachteiligt. Es ist also an der Zeit, Residenzpflichten zu überdenken und flexiblere Modelle anzubieten. Parallel über inklusivere Bedingungen vor Ort nachzudenken versteht sich von selbst, denn ein Archivaufenthalt kann natürlich nicht via Zoom erfolgen.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Nein, es lief nicht alles perfekt in der hybriden Summer School, aber ja, das Format ist ausbaufähig und bietet viele Möglichkeiten. Das richtige Equipment ist ebenso essentiell, wie eine entsprechende personelle Betreuung des Formats. Echte Hybridität ist kein Selbstläufer und kann nicht nebenbei noch von ohnehin überlasteten Mitarbeitenden gestemmt werden. Auch ist nicht jede Veranstaltungsart für eine Eins-zu-eins-Übertragung geeignet. Manchmal ist Umdenken gefragt und es sollte auf dezidierte Onlineformate zurückgegriffen werden. Sicherlich ist es eine Herausforderung eine auch für digital Teilnehmende ansprechende Veranstaltung zu organisieren. Ich möchte diese Herausforderung aber als Chance verstanden wissen, auch über die Pandemie hinaus offener und flexibler zu werden. Es ist an der Zeit, auch unter Nachwuchswissenschaftler*innen Bildungsgerechtigkeit im Blick zu haben und Nachwuchsförderungen unabhängiger zu machen von persönlichen Verpflichtungen, körperlichen Einschränkungen oder finanziellen Möglichkeiten.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Lina Dolfen ist Doktorandin am Kunsthistorischen Institut der Universität Bonn. Ihr Promotionsprojekt zur Musealisierung des Märchens wird von der Studienstiftung des Deutschen Volkes gefördert. Im August 2021 nahm die Mutter eines vierjährigen Sohnes an der Summer School »Collection Spaces – Räume des Sammelns« des Forschungsverbundes MWW in Weimar teil.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;/p&gt; &lt;hr /&gt; &lt;p&gt;Die International Summer School 2021 »Collection Spaces – Räume des Sammelns« fand unter Berücksichtigung der zu der Zeit geltenden Pandemierichtlinien statt. Zusätzlich wurde ein Online-Angebot erprobt, das eine digitale Teilnahme möglich machte.&lt;/p&gt;</summary> <dc:creator>Burow Rica</dc:creator> <dc:date>2022-03-01T07:53:00Z</dc:date> </entry> <entry> <title>»Die besten Auctores so Von der Fortification geschrieben«</title> <link rel="alternate" href="https://www.mww-forschung.de/c/blogs/find_entry?p_l_id=656695&amp;entryId=2265330" /> <author> <name>Burow Rica</name> </author> <id>https://www.mww-forschung.de/c/blogs/find_entry?p_l_id=656695&amp;entryId=2265330</id> <updated>2022-01-11T09:49:07Z</updated> <published>2022-01-11T07:52:00Z</published> <summary type="html">&lt;p&gt;»Die besten Auctores so Von der Fortification geschrieben…« – mit dieser Aufzählung favorisierter Kriegsbautheoretiker und Ingenieure beschließt Leonhardt Christoph Sturm den ersten Teil seiner zweiteiligen Handschrift &lt;i&gt;Leonhard Christoph Sturms kurze Anleitung zum Festungsbau &lt;/i&gt;(um 1700). Bevor wir uns dem Sturmschen Who-is-Who zuwenden, noch ein Resümee seines Engagements für die ›Architectura Militaris‹ und seines Kalküls als vielschreibender Autor.&lt;br /&gt;                                                                                 *&lt;br /&gt; Sturms Einsätze im Bereich des Militärbaus beziehen sich im Wesentlichen auf drei Bereiche: Erstens ist der Militärbau Teil der »beyden Architecturen«, die er als Professor an der Wolfenbütteler Ritterakademie (1694 bis 1702) dem adligen Nachwuchs nahebringt. Zweitens erfordert Sturms Edition von &lt;i&gt;Nicolai Goldmanns vollständige Anweisung zu der Civil-Baukunst&lt;/i&gt; auch das Wissen über die Anforderungen im Militärischen; ab 1696 erscheint eine erste Ausgabe des bedeutenden Groß-Traktats, 1699 eine um Kommentare von Sturm vermehrte Auflage, in der er ankündigt, das architekturtheoretische Werk seines Kollegen Goldmann (1611–1665) als einen »Verneuerten Goldmann« herauszugeben (Sturm wird dieses Vorhaben allerdings nicht vollenden). Drittens sind das Festungsthema und die Kriegskunst in Sturms Milieu ein Muss, und zwar als Geschicklichkeitsprüfung und Austragungsort intellektueller Fehden und Eitelkeiten unter Gelehrten.  &lt;/p&gt; &lt;p&gt;In der maßgeblichen Bibliographie der Sturmiana (i.e. sämtliche Werke, Traktate und Risse, die Sturm produziert hat), die vor 20 Jahren der Historiker Claus Bernet erarbeitet hat, sind auch Titel registriert, die Sturm den Werken anderer Autoren anhängt und die deshalb eher unbekannt sind. Darunter befinden sich Schriften, die Sturm sowohl auf Lateinisch als auch auf Deutsch verfasste, womöglich geringfügig änderte, und die außer als Beigabe auch selbständig, aber mit geändertem Titel erschienen.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;                                                           &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/l-chr-sturm_vade+mecum+%281%29+%281%29.jpg/c3dc20fa-4208-d975-cd19-323a8ca14518" style="height: auto;width: 207.0px;" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;i&gt;Titelblatt zu Leonhard Christoph Sturms »Vade Mecum Architectonium bestehend in neu ausgerechneten Tabellen zu der Civil- und Milität-Baukunst« (1700)&lt;/i&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Bei Sturms Traktat &lt;i&gt;Vade Mecum Architectonicum bestehend in neu ausgerechneten Tabellen zu der Civil- und Militar-Baukunst&lt;/i&gt; (1700, Amsterdam) könnte es sich um solch einen ›Mehrfachtitel‹ handeln. Denn im selben Jahr ergänzte Sturm mit seinem &lt;i&gt;Handbüchlein vor alle Baumeister, zu mehrer Vollkommenheit, bestehend in sonderbahren gantz neuen Tabellen, zu der Architectur, Fortification, Geometrie, und dem Proportional-Circul &lt;/i&gt;die berühmten Logarithmentafeln von Ägidius Strauch (1632–1682) in der Ausgabe &lt;i&gt;Tabellen, der Sinuum Tangentium Logarithmorum, und zu der Gantzen Mathesi&lt;/i&gt; (Amsterdam). Sturms Tabellen wiederum erfuhren in der lateinische Kompilation &lt;i&gt;Tabulae plane novae architectonicae, fortificatoriae, geometricae et pro circino proportionali&lt;/i&gt;, ebenfalls 1700 in Amsterdam, eine separate Veröffentlichung. Schließlich ist das »Handbüchlein« auch als individueller Eintrag (&lt;i&gt;Handbüchlein vor alle Baumeister. &lt;/i&gt;Amsterdam 1700) im alphabetischen Katalog der Blankenburger Fürstenbibliothek Ludwig Rudolphs gelistet (nach 1734; HAB Signatur: BA I 655–662); womöglich gab es tatsächlich einen separaten Druck oder es existierte lediglich als individuelles Handschrift-Exemplar, denn woanders lässt sich dieser Einzeltitel nicht nachweisen. Deutlich wird jedenfalls Sturms Beschäftigung mit dem Militärbaufach um 1700. Dieses Engagement hielt zeitlebens an, so datiert Sturms spätester Erstdruck eines militärischen Titels auf 1718, nämlich sein &lt;i&gt;Freundlicher Wett-Streit Der Französischen/ Holländischen und Teutschen Kriegs-Bau-Kunst&lt;/i&gt; (Augsburg).                   &lt;br /&gt;                                                                                  *&lt;br /&gt; Zurück zu Sturms »besten Auctores«: Wen wählte er in den Olymp der Papier-Ingenieure?&lt;/p&gt; &lt;p&gt;            &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/Daniel_Specklin-Strasbourg+%281%29.jpg/8dd38c31-da75-a186-e84e-f1536021ea6d" style="height: auto;width: 268.0px;" /&gt;                &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/daniel-Specklin-titelblatt.JPG/10d1246b-dd20-618c-c509-2c1d8476a5b5" style="height: auto;width: 231.0px;" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;i&gt;Statue von Daniel Specklin in Straßburg (Urheber unbekannt, lizenziert nach CC BY-SA, &lt;a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Daniel_Specklin-Strasbourg_(1).jpg?uselang=de"&gt;Wikimedia&lt;/a&gt;) und Titelblatt von Daniel Specklins »Architectura von Vestungen, wie die zu unsern Zeiten mögen erbawen werden... Sampt den grund Rissen, Visierungen, und Auffzügen für Augen gestellt« (1589)&lt;/i&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Da wäre zuerst Daniel Specklin (1536–1589). Der Straßburger Ingenieur und Kartograph veröffentlichte 1589 sein Hauptwerk &lt;i&gt;Architectura von Vestungen&lt;/i&gt;, auf das sich viele Autoren als deutschen Standardbeitrag bezogen.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Als nächsten nominiert Sturm seinen persönlichen Favoriten, Georg Rimpler (auch Rümpler, um 1635–1683) mit seiner &lt;i&gt;Befestigten Festung &lt;/i&gt;(1674). Rimpler wurde durch seinen Einsatz zur Verstärkung Wiens während der Zweiten Wiener Türkenbelagerung bekannt. Im ausgiebigen Streit um die beste Manier wird Sturm für ihn die Lanze brechen, und zwar in der eigenen &lt;i&gt;Entdeckung der Unstreitig allerbesten Manier zu Befestigen, Aus Herrn George Rimplers, […] Befestigter Festung heraus gezogen&lt;/i&gt; (Frankfurt a.d. Oder, 1704). Sturm geht darin so weit zu behaupten, Rimplers Name sei eponymisch für eine eigenständige Art zu befestigen und es könne von einer »Fortifikation nach Rimpler« gesprochen werden.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Auf Rimpler folgen weitere eher unbekannte wie einschlägige Namen, so Ernst Friedrich von Borgsdorff (gest. nach 1715) mit zwei Titeln, Johann Jacob Werdmüller (auch Werthmüller, 1649–1693) ebenfalls mit zwei Titeln, Johann Bernhard Scheither (gest. 1677) und zwei Schriften, dann der Niederländer Menno Baron van Coehoorn (1641–1704) mit zwei Titeln sowie der Franzose François Blondel (1618–1686) mit zwei bzw. drei Titeln. Als 10. und letzter im Bunde ist der Italiener Donato Rossetti (1633–1688) mit einem Werk angeführt.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;                                                   &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/werdm%C3%BCller-Probierstein.JPG/19a02b8d-f169-fdc9-d161-fefebf8cdd5b" style="height: auto;width: 251.0px;" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;i&gt;Titelblatt von Johann Jacob Werdmüllers »Der Probier-Stein der Ingineuren, oder wolmeinende Gedancken über die so lang gesuchte, aber noch niemahl gefundene Fortifications-Verbesserung« (1685)&lt;/i&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Wer die genannten Titel dieser Autoren habe, so Sturm – und fügt in Klammern hinzu »wounter das erste und letze Werck sehr rar ist«, also Specklins &lt;i&gt;Architectura von Vestung&lt;/i&gt; und Rossettis &lt;i&gt;Fortificazzione à Roveschio/Fortificatione a revoscio&lt;/i&gt; von 1684 – und wer »fleißig liset und wohl verstehet, kan aller übrigen ohne schaden entbehren.« Mit dieser Lektüresondierung bietet Sturm seinen adligen Hörern und Schülern eine pragmatische Orientierungshilfe im Feld der ach so viele Titel umfassenden Fortifikationsliteratur.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Ganz zum Abschluss schärft Sturm mit didaktischem Impetus ein, dass »ein guter Ingenieur die folgenden Wißenschaften verstehen muss: Nebst der Fortification selbst, Arithmeticam, Geometriam, Mechanicam, die Zeichen Kunst, das Zimmern, das Steinhauen, item Architecturam civilem und Pyrobolicum.« Da viele Ingenieure, oder solche, die sich so bezeichnen, diesen Leistungskatalog nicht erfüllen, sich aber trotzdem an große Werke wagen und »importante Festungen zu bauen sich erkühnen«, geschehe eben, dass »ihre Werke gemeiniglich der fürstlichen Cassa, ja Land und Leuten zu großen Schaden ausschlagen.« Genau das aber ist ein wesentlicher Aspekt, der Sturm am Herzen lag: die Schatulle der Herzöge nicht überstrapazieren.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;                                             &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/AlbanischerEinmannbunker+%281%29.jpg/923f0145-6d68-2d1f-f265-f5c15b777a90" style="height: auto;width: 288.0px;" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;i&gt;Albanischer Einmannbunker („Gepanzerter Champignon“) im Kurpark von Bad Wildungen als Teil der dort 2009 gezeigten Ausstellung „Bunker-Ästhetik“, eigenes Foto&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;</summary> <dc:creator>Burow Rica</dc:creator> <dc:date>2022-01-11T07:52:00Z</dc:date> </entry> <entry> <title>Drei Grazien und Voltaire – Ein Brieffund in Weimar</title> <link rel="alternate" href="https://www.mww-forschung.de/c/blogs/find_entry?p_l_id=656695&amp;entryId=2126814" /> <author> <name>Burow Rica</name> </author> <id>https://www.mww-forschung.de/c/blogs/find_entry?p_l_id=656695&amp;entryId=2126814</id> <updated>2021-11-22T07:58:48Z</updated> <published>2021-11-22T07:26:00Z</published> <summary type="html">&lt;p&gt;»Brief eines ungenannten Braunschweiger Prinzen« – so ist der Brief im Großherzoglichen Hausarchiv A XVIII (Anna Amalia) Nr. 8b im Findbuch betitelt, den ich im Rahmen meiner Recherchen zur Fürstin Philippine Charlotte von Braunschweig-Wolfenbüttel im Weimarer Hauptstaatsarchiv ansehen wollte. In der Hoffnung, mehr über die Beziehung Philippine Charlottes zu ihrer Tochter Anna Amalia zu erfahren, klickte ich mich durch die Familienkorrespondenz, die auf Mikrofiche einsehbar ist. Ich habe nicht schlecht gestaunt, als ich auf dem Bildschirm ein geschwungenes »V« erkannte, das eindeutig Voltaires Hand zuzuordnen ist.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/LATh_HStA_Weimar_GHA_A_XVIII_Nr_8b_Bl_1v2r_geschnitten.jpg/2cbf4d8f-8eb9-744b-ebed-efb8a6e021ae" style="height: auto;width: 666.0px;" /&gt; &lt;br /&gt; &lt;em&gt;Brief von Voltaire; © Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Großherzogliches Hausarchiv A XVIII Nr. 8b, Bl. 2.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;b&gt;Ein Besuch in Braunschweig&lt;/b&gt; &lt;br /&gt; Der Brief wurde an einem 15. Oktober in Braunschweig verfasst und ist an den »roy des coeurs et des esprits« (König der Herzen und der Geister) adressiert, wobei es sich um niemand anderes handelt als Friedrich II. von Preußen. Voltaire berichtet von seiner Reise nach Braunschweig und thematisiert das Kennenlernen mit der dortigen Herzogin Philippine Charlotte (1716–1801), vierte Schwester Friedrichs und Mutter Anna Amalias.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Der Brief ist mit großer Sicherheit auf das Jahr 1743 zu datieren. Der französische Philosoph reiste im Oktober aus Berlin ab, ausgestattet mit einem Empfehlungsbrief des Königs an Philippine Charlotte. Diese bestätigt in einem &lt;a href="http://friedrich.uni-trier.de/de/oeuvres/27_1/388/"&gt;Brief vom 18. Oktober&lt;/a&gt; das Kennenlernen und zeigt sich außerordentlich begeistert von ihrer neuen Bekanntschaft. Zudem ist eine Visite Voltaires in der Wolfenbütteler Bibliothek am 17. Oktober belegt, wo er sich ins Besucherbuch eingetragen hat: »François de Voltaire agé de quarante sept ans né à Paris« – François de Voltaire, 47 Jahre alt, geboren in Paris. Was es mit der falschen Altersangabe auf sich hat – Voltaires 49. Geburtstag stand zu dem Zeitpunkt kurz bevor – konnte ich bisher nicht klären.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/Voltaire+Eintrag+BEsucherbuch.jpg/431e7476-64eb-64b0-84b2-a904afc2c07a" /&gt; &lt;em&gt;Eintrag von Voltaire in das &lt;a href="https://diglib.hab.de/mss/ba-1-152/start.htm?image=00118"&gt;Wolfenbütteler Besucherbuch&lt;/a&gt;, &lt;/em&gt; &lt;i&gt;© Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel&lt;/i&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;In seinem Schreiben berichtet Voltaire von seinem Treffen mit Philippine Charlotte, bei dem auch die Gesundheit ihrer Mutter Sophie Dorothea besprochen wurde. Voltaire drückt seine Sorge um die Königin Mutter aus, da er seiner Ansicht nach Zeichen eines bevorstehenden Schlaganfalls beobachtete. Der Brief endet mit einem Lobgedicht auf Friedrich.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;b&gt;Ein Gedicht auf Philippine Charlotte&lt;/b&gt; &lt;br /&gt; Der Brief aus dem Weimarer Archiv beinhaltet aber auch ein Gedicht, das in Voltaires &lt;i&gt;Œuvres complètes&lt;/i&gt; Eingang gefunden hat:&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Pardon, charmante Ulric, pardon, belle Amélie;&lt;br /&gt; J'ai cru n'aimer que vous le reste de ma vie.&lt;br /&gt; Et ne servir que sous vos lois;&lt;br /&gt; Mais enfin j'entends et je vois&lt;br /&gt; Cette adorable sœur dont l'Amour suit les traces.&lt;br /&gt; Ah! ce n'est pas outrager les trois Grâces&lt;br /&gt; Que de les aimer toutes trois.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Verzeihung, bezaubernde Ulrike, Verzeihung, schöne Amalie,&lt;br /&gt; Ich dachte nur Sie lieben zu können für den Rest meines Lebens.&lt;br /&gt; Und nur unter Ihren Gesetzen zu dienen;&lt;br /&gt; Aber schließlich höre und sehe ich&lt;br /&gt; Diese anbetungswürdige Schwester, deren Spuren die Liebe folgt.&lt;br /&gt; Ah! Es ist keine Kränkung der drei Grazien,&lt;br /&gt; Sie alle drei zu lieben. [Übersetzung der Autorin]&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/LATh_HStA_Weimar_GHA_A_XVIII_Nr_8b_Bl_1r_geschnitten.jpg/a054a4e2-bc6d-e09b-9c3d-d705fea7ef9d" style="height: auto;width: 536.0px;" /&gt; &lt;br /&gt; &lt;em&gt;Brief von Voltaire, © Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Großherzogliches Hausarchiv A XVIII Nr. 8b, Bl. 1.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Aus dem Kontext des Briefes geht aber eindeutig hervor, dass der Autor sich auf Philippine Charlotte bezieht. In den kommentierten Editionen wurde diese dritte Schwester fälschlicherweise als Wilhelmine von Bayreuth identifiziert, die Voltaire zu diesem Zeitpunkt zwar schon kannte, hier aber außen vor lässt.&lt;br /&gt; Wie Voltaires Brief nach Weimar in das Großherzogliche Hausarchiv kam, konnte ich bisher nicht klären. Denkbar wäre aber, dass Friedrich II., Adressat des Briefs und Anna Amalias Onkel ihr das Schriftstück schickte.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;b&gt;Voltaire und das Haus Braunschweig-Wolfenbüttel&lt;/b&gt; &lt;br /&gt; Auch nach seinem Besuch in Braunschweig blieb Philippine Charlotte in Kontakt mit Voltaire. Ein Briefentwurf der Fürstin an den Philosophen findet sich in ihrem Nachlass und in der Korrespondenz mit Friedrich II. sind seine Person und sein Werk immer wieder ein Thema. Noch im November 1783, also fünf Jahre nach Voltaires Tod, bedauert die Fürstin, dass es in Frankreich keine würdigen gelehrten Nachfolger gebe.&lt;br /&gt; Darüber hinaus sind Voltaires Beziehungen zu Familienmitgliedern Philippine Charlottes vielfältig. So adressierte er etwa seine &lt;i&gt;Lettres sur Rabelais &lt;/i&gt;an ihren Sohn und Braunschweiger Thronfolger Karl Wilhelm Ferdinand.  Allgemein muss man aber sagen, dass die Verbindungen zwischen Voltaire und dem Haus Braunschweig-Wolfenbüttel relativ wenig erforscht sind. Wer weiß, welche Fundstücke die Archive noch bereithalten.&lt;/p&gt; &lt;hr /&gt; &lt;p&gt;Joëlle Weis ist wissenschaftliche Mitarbeiterin für die Fallstudie &lt;a href="https://www.mww-forschung.de/weltwissen"&gt;Weltwissen &lt;/a&gt;und leitet die Forschungsgruppe &lt;a href="https://www.mww-forschung.de/%C3%96konomie"&gt;Ökonomie&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;</summary> <dc:creator>Burow Rica</dc:creator> <dc:date>2021-11-22T07:26:00Z</dc:date> </entry> <entry> <title>»Ein Ingenieur nicht nur bedacht seÿn muss, eine Festung an sich starck zu machen [...]«</title> <link rel="alternate" href="https://www.mww-forschung.de/c/blogs/find_entry?p_l_id=656695&amp;entryId=2108493" /> <author> <name>Burow Rica</name> </author> <id>https://www.mww-forschung.de/c/blogs/find_entry?p_l_id=656695&amp;entryId=2108493</id> <updated>2021-11-17T07:59:49Z</updated> <published>2021-11-16T12:48:00Z</published> <summary type="html">&lt;p&gt;Um 1700 ist Leonhard Christoph Sturm (1669−1719) in Wolfenbüttel beinahe heimisch. Im akademischen Betrieb ein Routinier, zudem ein Vielschreiber und auch mit der höfischen Etikette vertraut, verbaut ihm nur sein aufbrausendes Temperament die ersehnte Karriere zum Baudirektor und anderen Ämtern. Dennoch hat er während seines Aufenthaltes in der welfischen Residenz (1692–1702) manches erreicht und erlebt: Zwei von den Herzögen geförderte Auslandsreisen konnte er absolvieren (1697 sechs Wochen in die Niederlande und zwei Jahre später 15 Wochen durch die Niederlande nach Paris), den Hochaltar der Pfarrkirche St. Benedikti in Quedlinburg hat er entworfen, der baulich auch realisiert wurde und seine fortifikatorischen Überlegungen kommen voran. Was die Militärbaukunst anbetrifft, ist Sturm dabei, drei einschlägige Traktate in kurzem zeitlichen Abstand aufeinander zu publizieren (1700, 1702 und 1703).&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Die Handschrift &lt;i&gt;Leonhard Christoph Sturms kurze Anleitung zum Festungsbau nach dessen Manier, nebst den Rißen, mit auch einer kurzen Anleitung zur Mechanik&lt;/i&gt; – wir haben daraus mehrere Risse auf &lt;a href="https://twitter.com/hashtag/IntellektuelleNetzwerke?src=hashtag_click"&gt;Twitter&lt;/a&gt; präsentiert – ist ein nicht gedruckter Beitrag Sturms zur Militärbaukunst. Das Manuskript im Bestand der »Extravagantes« der Herzog August Bibliothek (Signatur: A.2 Extravagantes) ist womöglich das Ergebnis einer Übungsserie, die die erwähnten drei Volltraktate begleitete. Oder es diente der militärischen, genauer militärbaukundlichen Ausbildung der jungen Herren an der Ritterakademie.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/14.JPG/fe541c58-875c-ecf9-8f2c-8a2e3b92fff4" style="height: auto;width: 389.0px;" /&gt;          &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/16.JPG/69182d1e-3700-c5df-3854-f19dfef62146" style="height: auto;width: 186.0px;" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;em&gt;Architekt und Ingenieur. Baumeister in Krieg und Frieden. Ausstellung der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel vom 5. Mai bis 18. November 1984. Wolfenbüttel: Herzog August Bibliothek 1984, Abb. S. 22 u. S. 30.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Nach dem letzten »Riss O«, in dem Sturm eine möglichst kostenknappe und ressourcenschonende Verstärkung der Stadtbefestigung Wolfenbüttels konzipiert, ›dogmatisieren‹ 19 »kurtze Maximen welche [...] beÿ allen guten Festungen erfordert« das Mindset des Wolfenbütteler Baumeisters. Den Auftakt bilden fünf »General Maximen«, sie bringen Allgemeines zum Ausdruck: etwa dass »ein Ingenieur nicht nur bedacht seÿn muss, eine Festung an sich starck zu machen, sondern auch die Guarnison und Canonen der Festung Vor des Feindes Canonen, Granaten und Bomben wol zu versichern.«&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/23_Sturm_bescheidene-exception.JPG/e7e64c57-6615-b9f4-8629-04ebde64454c" style="height: auto;width: 360.0px;" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;em&gt;Fiktives Belagerungsszenario. In: L. Chr. Sturm: Bescheidene exception, Und Submittierung zum Außspruch unpartheyischer und competirender Richter ..., Frankfurt/Oder 1704.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;em&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/24.JPG/623616e4-4812-808c-e43a-dc42c90ec57a" style="height: auto;width: 506.0px;" /&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;em&gt;Artillerieschussbahnen und -positionen nach Daniel Specklin. In: Stefan Bürger: Architectura Militaris. Festungsbautraktate des 17. Jahrhunderts von Specklin bis Sturm. Berlin, München: Deutscher Kunstverlag 2013, S. 148.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Ferner sei es wichtig, ein Festungswerk für den schweren Beschuss mit »Stücken [Eisen], Musqueten und Haubitzen, Steinen und Cartätschen« vorzubereiten. An den geordneten Rückzug der Verteidiger beim Vordringen der Angreifer sei ebenfalls zu denken, so wie vor allem eine gute Anzahl von Hindernissen letztere nachhaltig aufhalten kann.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Dann folgen 14 »Special Maximen«, die an die vorangegangenen Risse nebst ihrer Erläuterungen anknüpfen und Sturms Festungscredo resümieren. Die Punkteliste beginnt beim Hauptwall, der »der Bomben und Minen wegen hohl gebauet« sein soll, was schwer einleuchtet, wenn es um die Widerstandskraft der Mauerstruktur geht. Allerdings heißt es weiter, dass »Gantz massiv mit Erden angefütterte Wälle ein anzeigen eines Ingenieurs [seien], der die heüt zu tage übliche attaque nicht verstehet.« Worin genau der fortifikatorische Vorteil einer hohlen, definitiv nicht erdbefüllten Mauer liegt, wird nicht ausgeführt, ebenso wenig wie es zuvor expliziert wurde. Über Sturms überselbstbewusste Abqualifizierung von Manieren, die gefütterte Wälle favorisieren, kann nur gestaunt werden. Aber genau das ist Sturm: positive wie negative Meinungen, immer voll heraus. Will Leser*in entscheiden, wie Sturms Urteil einzuschätzen ist, bedarf es der erwähnten Volltrakte. Die zu lesen, ist aber Herausforderung. Letztendlich will bedacht sein, dass wie schon erwähnt, die Handschrift Übungscharakter hatte, auch für Sturm selbst, der seine eigene fortifikatorische Kompetenz professionalisieren musste. In dem Manuskript dürfte manche Details nur abgekürzt aufgenommen sein. Gleichwohl beeindrucken die starken Urteile Sturms, die sich immer wieder zeigen, so auch in der präskriptiven Ansage, Raveline [kleine solitäre Bollwerke] seien »unentbehrliche Außenwercke«; und »ein guter Ingenieur« würde darauf achten, dass man auf der »Contrescarpe [die äußere Grabenböschung] eisern [schwere] Canonen gebrauchen kan.« So knapp und dezidiert die Maximen, so kurz und bündig ihr Abschluss mit den Worten »Ende der Maximen«.&lt;/p&gt; &lt;hr /&gt; &lt;p&gt; &lt;a&gt;Jörn Münkner&lt;/a&gt; ist wissenschaftlicher Mitarbeiter für die Fallstudie &lt;a href="https://www.mww-forschung.de/intellektuelle-netzwerke"&gt;›Intellektuelle Netzwerke‹&lt;/a&gt; an der Herzog August Bibliothek. Die Privatbibliothek, die Korrespondenzen und die Ausleihen des Gelehrten Leonhard Christoph Sturm werden in einem digitalen &lt;a href="https://vfr.mww-forschung.de/web/leonhard-christoph-sturm"&gt;Labor &lt;/a&gt;im Virtuellen Forschungsraum vorgestellt. &lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;/p&gt;</summary> <dc:creator>Burow Rica</dc:creator> <dc:date>2021-11-16T12:48:00Z</dc:date> </entry> <entry> <title>Vier Wochen auf dem Elfenbeinberg</title> <link rel="alternate" href="https://www.mww-forschung.de/c/blogs/find_entry?p_l_id=656695&amp;entryId=2073812" /> <author> <name>Burow Rica</name> </author> <id>https://www.mww-forschung.de/c/blogs/find_entry?p_l_id=656695&amp;entryId=2073812</id> <updated>2021-11-08T08:46:17Z</updated> <published>2021-11-08T08:33:00Z</published> <summary type="html">&lt;p&gt;Imposant über dem Neckar thronend, im perfekten Winkel zum goldenen Abendlicht, lädt der Komplex auf der Marbacher Schillerhöhe – das Deutsche Literaturarchiv, das Schiller-Nationalmuseum, das Literaturmuseum der Moderne und das Collegienhaus –  aktiv zum literarischen Metaphernspiel ein. Gerne werden Verweise auf Elfenbeintürme und Zauberberge bemüht,  manchen mutet die Atmosphäre auch klösterlich an. Mich persönlich erinnerte das Collegienhaus – das DLA-eigene Gästehaus – an ein Schullandheim für Geisteswissenschaftler*innen, was  vor allem an dem Wein-Automat im Keller gelegen haben mag. Nach langer Unsicherheit, ob mein Aufenthalt überhaupt möglich sein würde, konnte ich mich an diesem ungewöhnlichen Ort im August 2021 ganz der Auslotung meines Promotionsprojektes widmen.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/1.jpg/50c8f14f-b59f-f7b4-7de9-918f0424f6e5" style="height: auto;width: 612.0px;" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;em&gt;Blick vom DLA über das Neckartal, © Anna Weber&lt;/em&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Beworben hatte ich mich für meine &lt;a href="https://www.mww-forschung.de/forschungshospitanzen"&gt;Forschungshospitanz &lt;/a&gt;beim Forschungsverband Marbach Weimar Wolfenbüttel (MWW) über den Careers Service der Universität Oxford, während ich dort mein Masterstudium der Modern English Literature abschloss. In den dunklen Stunden des Jahresanfangs-Lockdowns schien mir ein tatsächlicher Aufenthalt in Marbach in so weiter Ferne, dass ich als Teil meiner Bewerbung auf meine deutsche Staatsbürgerschaft verwies, um immerhin meine Einreise garantieren zu können.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Mein erster Eindruck vom DLA war dann auch der eines Ortes, der sich gerade wieder in die Präsenz vortastet. Die Belegung des Collegienhauses war unerwartet international (zumindest europäisch-international); bei den improvisierten Vespern auf der Dachterrasse waren Italienisch und Polnisch genauso zu hören wie Deutsch in allen regionalen Färbungen. Das Angebot in der Cafeteria blieb zwar noch auf die Automaten beschränkt, doch wurde ich erfreulich häufig von den DLA-Mitarbeiter*innen zu Kennenlern-Kaffees, Forschungs-Austauschs-Kaffees oder einfach Literarischen-Gesprächs-Kaffees eingeladen. Für das Forschungsereferat des DLA und den Forschungsverbund MWW  wirkte ich sowohl am Präsenz-Format als auch dem Online-Auftritt der im Oktober eröffneten neuen Ausstellung »Wie Literatur Welt + Politik macht« im Literaturmuseum der Moderne mit. (Meine Beiträge zu &lt;a href="https://www.literatursehen.com/themenseite/uebersetzen/"&gt;Rabindranath Tagores globaler Reichweite&lt;/a&gt; und der &lt;a href="https://www.literatursehen.com/themenseite/system-wechsler/"&gt;»Systemwechslerin« Gabriele Tergit&lt;/a&gt; finden Sie im Online-Ausstellungsraum des DLA). Eine Hybrid-Veranstaltung, deren Präsenz-Teil mich und meine Mit-Praktikant*innen in besondere Aufregung versetzte, war die Konferenz »Literature in the Nobel Era« mit der Nobelpreisträgerin Herta Müller vor Ort in Marbach. Mit einer persönlichen Autogrammstunde hatte nach Monaten von Zoom-Interaktionen keine von uns gerechnet.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/2.png/c76e4e9e-8d26-9b43-aeb2-c319fd78ff2d" style="height: auto;width: 541.0px;" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;em&gt;Brief von Rabindranath Tagore an seine deutsche Übersetzerin Helene Meyer-Franck, © DLA Marbach&lt;/em&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Abgesehen von meinen Tätigkeiten für das Forschungsreferat und dem Forschungsverbund konnte ich mich im Rahmen meiner Hospitanz zur Hälfte der Zeit der Recherche für mein Promotionsprojekt widmen. In diesem möchte ich mich mit der Schriftstellerin Gabriele Tergit beschäftigen, deren Werk gerade eine kleine Renaissance erfährt: Nach mehreren Jahrzehnten werden ihre Bücher neu aufgelegt und Archivmaterial teilweise erstveröffentlicht (siehe auch den &lt;a href="https://blog.dla-marbach.de/2021/05/11/neues-vom-kurfuerstendamm-die-schriftstellerin-gabriele-tergit/"&gt;DLA-Podcast&lt;/a&gt; vom März). Das Einlesen in den Nachlass einer Autorin, über deren Leben noch keine Biographie erschienen ist, hat einen ganz besonderen Reiz.  Zwar muss man sich alle Bezüge selbst zusammenpuzzeln und mit dem &lt;i&gt;cast, &lt;/i&gt;der die Briefe und Tagebücher bevölkert, vertraut machen. Doch die Illusion, dass man möglicherweise die erste oder eine von nur ganz wenigen Personen ist, die ein bestimmtes Dokument einsehen konnten, eröffnet einen sehr intimen Blick auf eine historische Persönlichkeit und deren Schaffen. Dafür kehrte ich immer gerne in den Handschriftenlesesaal zurück – trotz Augustwetters draußen.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Anna Weber war nach ihrem Master in Modern English Literature (St Hilda’s College, Oxford) im August 2021 als Forschungshospitantin am Deutschen Literaturarchiv Marbach. Sie twittert unter &lt;a href="https://twitter.com/weberovka"&gt;@weberovka&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;</summary> <dc:creator>Burow Rica</dc:creator> <dc:date>2021-11-08T08:33:00Z</dc:date> </entry> <entry> <title>Ein Bilderserver für das DLA</title> <link rel="alternate" href="https://www.mww-forschung.de/c/blogs/find_entry?p_l_id=656695&amp;entryId=1678963" /> <author> <name>Burow Rica</name> </author> <id>https://www.mww-forschung.de/c/blogs/find_entry?p_l_id=656695&amp;entryId=1678963</id> <updated>2021-06-24T07:39:43Z</updated> <published>2021-06-24T07:01:00Z</published> <summary type="html">&lt;p&gt;Das Teilprojekt ›Medienserver‹ verfolgt das Ziel, Medieninhalte und im Speziellen Bilddateien im Verbund und darüber hinaus standardisiert bereitzustellen. Durch einheitliche und international verwendete Schnittstellendefinitionen lassen sich Drittsysteme wie Annotationswerkzeuge oder Viewer stabil an die angebotenen Ressourcen anbinden und stellen für Forschende unmittelbar einen Mehrwert in vertrauter Arbeitsumgebung dar.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Der Projektname kann den Eindruck erwecken, dass es sich bei der letztlichen Umsetzung um einen einzelnen Dienst an einem Standort handelt, der verbundübergreifend zur Ablage und Auslieferung arbiträrer Medienformate genutzt werden kann, was jedoch nicht der Fall ist.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Tatsächlich erfolgt die Bereitstellung der Services in den Häusern unabhängig, eine Zusammenfassung der Dienste unter einem gemeinsamen Namen ist aber ein wichtiges Ziel, das im Rahmen des Projekts verfolgt wird.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Für die Bereitstellung von Bilddateien mit zugehörigen Metadaten hat sich in den letzten zehn Jahren seit seiner Entstehung das ›&lt;a href="https://iiif.io/"&gt;International Image Interoperability Framework&lt;/a&gt;‹, kurz IIIF, bewährt und damit durchgesetzt. Ich möchte im Folgenden eine kurze Übersicht geben, wie in den letzten Monaten am DLA ein IIIF-kompatibler Dienst aufgebaut wurde und welche Schritte dafür nötig waren.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/ifff.png/3dfe3c0e-d0d4-3106-b2ee-891a6b211d51" style="height: auto;width: 528.0px;display: block;margin-left: auto;margin-right: auto;" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;/p&gt; &lt;p&gt;Es gibt mehrere Implementierungen der IIIF-Definitionen, von denen die meisten quelloffen entwickelt werden und von der Beteiligung der Community leben. Die Serversoftware, die wir gewählt haben und die einen Teil der IIIF-Spezifikation umsetzt, ist &lt;a href="https://cantaloupe-project.github.io"&gt;Cantaloupe &lt;/a&gt;.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Cantaloupe kann Bilder und deren Metadaten aus unterschiedlichen Quellen, wie dem Dateisystem oder Datenbanken, per HTTP ausliefern, modifizieren und ist dabei sehr performant. Außerdem bietet es die Möglichkeit, eigene Erweiterungen in der Sprache Ruby zu schreiben.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Für uns war es neben der eigentlichen Serverfunktionalität unabdingbar, verschiedene Bestände mit unterschiedlichen Berechtigungen ausstatten zu können. Im Rahmen eines Editionsprojektes durften geschützte Digitalisate nur einem bestimmten Webdienst verfügbar gemacht werden, wieder andere Aufnahmen dürfen nur auf dem Campus, andere hingegen weltweit und uneingeschränkt gezeigt werden. Dies lösten wir auf Infrastrukturebene und führten unter anderem eine Filterung auf IP-Adress-Ebene ein. Diese Architektur ermöglicht uns, den Dienst weiter auszubauen und eine Authentifizierungsschicht einzuziehen und geschützte Ressourcen nach Anmeldung anzeigen zu lassen.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Auch andere Teilprojekte profitieren von dieser Art der Bereitstellung, da zum Beispiel der &lt;a href="http://www.vfr.mww-forschung.de"&gt;Virtuelle Forschungsraum &lt;/a&gt;die eingangs erwähnten Annotationswerkzeuge in sein Angebot aufnimmt und somit projekt- und institutionsübergreifend an Beständen gemeinsam gearbeitet werden kann.&lt;/p&gt; &lt;hr /&gt; &lt;p&gt; &lt;a href="https://www.mww-forschung.de/fritz"&gt;Steffen Fritz &lt;/a&gt;ist für den Forschungsverbund Marbach Weimar Wolfenbüttel als Systemadministrator für Langzeitarchivierung am Standort Marbach tätig.&lt;/p&gt; &lt;div&gt; &lt;/div&gt;</summary> <dc:creator>Burow Rica</dc:creator> <dc:date>2021-06-24T07:01:00Z</dc:date> </entry> <entry> <title>Die Digitale Lehre Germanistik</title> <link rel="alternate" href="https://www.mww-forschung.de/c/blogs/find_entry?p_l_id=656695&amp;entryId=1638054" /> <author> <name>Burow Rica</name> </author> <id>https://www.mww-forschung.de/c/blogs/find_entry?p_l_id=656695&amp;entryId=1638054</id> <updated>2021-06-09T08:53:23Z</updated> <published>2021-06-08T13:46:00Z</published> <summary type="html">&lt;p&gt;Die Umstellung auf eine digitale Hochschullehre stellte viele Universitäten vor Herausforderungen: Eine digitale Infrastruktur musste geschaffen werden, die von Studierenden und Lehrenden gleichermaßen genutzt werden kann und nicht durch Überlastung zusammenbricht. Auch die Form des Lehrens stand vor einem Umbruch: Wie kann die Lehre – die sich in den geisteswissenschaftlichen Fächern v.a. durch intensive Diskussionen über Texte auszeichnet – in einem virtuellen Raum gestaltet werden? Während in den öffentlichen Diskussionen über ein mögliches »Nichtsemester« debattiert wurde, gab es gleichzeitig erste Initiativen, um die digitale Lehre in der Germanistik zu unterstützen:&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/tweet+Claudius+Sittig.png/a8cf37ae-8f60-b6db-299d-e21a3fc33a12" style="height: auto;width: 532.0px;" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;— Twitter-Screenshot Claudius Sittig (@ClaudiusSittig) &lt;a href="https://twitter.com/ClaudiusSittig/status/1242812476837834753?ref_src=twsrc%5Etfw"&gt;March 25, 2020&lt;/a&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Die germanistische Twitter-Crowd reagierte auf diesen Aufruf von Claudius Sittig und schnell fand sich ein Organisationsteam. Es folgten erste virtuelle Treffen, Konzepte, Diskussionen und ein reflektierendes &lt;a href="https://vfr.mww-forschung.de/documents/572323/592522/Arbeitspapier_Konstruktive_Selbstreflexion_V2.pdf/14553170-7bbe-8dbe-4a83-6fb838e0beeb"&gt;Arbeitspapier&lt;/a&gt;. Um eine Anlaufstelle schnell, nachhaltig und ansprechend zu gestalten, brauchte es starke Unterstützung. Gemeinsam mit zahlreichen Kooperationspartnern wie &lt;a href="https://www.germanistik-im-netz.de/"&gt;Germanistik im Netz&lt;/a&gt; oder dem Projekt &lt;a href="https://fortext.net/"&gt;forTEXT&lt;/a&gt; konnte der &lt;a href="http://www.mww-forschung.de"&gt;Forschungsverbund Marbach Weimar Wolfenbüttel&lt;/a&gt; (MWW) knapp 16 Tage nach dem Twitter-Aufruf am 9. April 2020 das Portal &lt;a href="https://vfr.mww-forschung.de/web/digitale-lehre-germanistik"&gt;&lt;i&gt;Digitale Lehre Germanistik&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; im Virtuellen Forschungsraum (VFR) zum disziplinären Erfahrungsaustausch präsentieren. Hier wurden nicht nur Anregungen, Tipps und Tricks gesammelt, sondern auch ein Platz für Austausch und Erfahrungsberichte geschaffen, der sich auch noch für die Organisation und Veranstaltung einer digitalen Konferenz als geeignet erwies.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/Start_DigitaleLehreGermanistik+%282%29.jpg/568ddcc7-21af-9b1c-df3c-87bc4cb5de3f" style="height: auto;width: 599.0px;" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;/p&gt; &lt;p&gt;Der &lt;a href="https://vfr.mww-forschung.de"&gt;Virtuelle Forschungsraum&lt;/a&gt; wird derzeit als Teil von MWW an der Klassik Stiftung Weimar aufgebaut. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt entwickelt eine digitale Arbeitsumgebung, die es möglich macht, ortsunabhängig zu arbeiten und Projekte nach eigenen Vorstellungen zu gestalten und zu präsentieren. Christiane Müller, IT-Entwicklerin des VFR, und Jan Horstmann, Leiter des Digitalen Labors, brachten die Anforderungen und Wünsche der Community zusammen und konzipierten das von Anfang an auf Selbstreflexion angelegte Portal &lt;a href="https://vfr.mww-forschung.de/web/digitale-lehre-germanistik/"&gt;&lt;i&gt;Digitale Lehre Germanistik&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Schnell entstand die Idee, sich in einer Konferenz weiter zu vernetzen, Erfahrungen auszutauschen und Einblicke in die digitale germanistische Lehre zu geben. Bereits im zu Beginn veröffentlichten Arbeitspapier war die Idee einer Konferenz verankert . Am 25. und 26. August – und damit nur fünf Monate nach dem initialen Tweet – fand die virtuelle Tagung »Während und nach Corona: Digitale Lehre in der Germanistik« statt, die auf große Resonanz stieß. Insgesamt schalteten sich über 200 Interessierte aus vier Kontinenten zu. Die Panels fragten unter anderem: Welche Prüfungsleistungen eignen sich in der digitalen Lehre? Welche Tools können für die Textanalyse genutzt werden? Und wie sind die Erfahrungen der Studierenden zwischen den unterschiedlichen Lehrmethoden, Videoplattformen und Workloads?&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Dabei wurde auch die Auslandsgermanistik einbezogen: Beiträge aus dem Senegal, Kroatien oder Japan zeigten, wie die germanistische digitale Lehre im Ausland gestaltet wurde und welche Schwierigkeiten sich dort ergaben. Parallel zu den Diskussionen wurde auf Twitter unter dem Hashtag &lt;a href="https://twitter.com/search?q=%23digGerm&amp;amp;src=typed_query"&gt;#DigGerm&lt;/a&gt; eifrig diskutiert, welche Punkte besonders wichtig sind, was für Anforderungen gestellt wurden und wie ein solches Projekt auch auf andere geisteswissenschaftliche Fächer übertragen werden kann. Zentrales Ergebnis der Konferenz war ein &lt;a href="https://vfr.mww-forschung.de/web/digitale-lehre-germanistik/konsenspapier"&gt;Konsenspapier&lt;/a&gt; mit acht Anforderungen an die zukünftige Lehre in der Germanistik wie etwa die Kombination digitaler und nicht-digitaler Methoden, Mut zu asynchronen Seminarentwürfen oder die Erkenntnis, dass digitale Lehre nicht als Sparmodell aufgefasst werden sollte. Das Papier wurde bislang von 92 Vertreter*innen der germanistischen Forschung und Lehre unterzeichnet.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Wir konnten die Erfahrung machen, dass eine rein digital durchgeführte Konferenz kurzfristig und dementsprechend reaktionsschnell organisiert und durchgeführt werden konnte. Positiver Nebeneffekt war, dass organisatorischer Aufwand eingegrenzt und eine ortsunabhängige Beteiligung der Fachcommunity möglich gemacht werden konnte. Die Expertise im bedarfsorientierten Einsatz des VFR ist für kommende Projekte vorhanden und kann erneut eingesetzt werden. Das Portal &lt;i&gt;Digitale Lehre Germanistik&lt;/i&gt; ist dabei nicht abgeschlossen, sondern lebt weiter vom Input aller Interessierten.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Was bleibt nun – fast ein Jahr später – von dieser intensiven Kollaboration? Im Portal wurden die &lt;a href="https://vfr.mww-forschung.de/web/digitale-lehre-germanistik/programm"&gt;Konferenzbeiträge &lt;/a&gt;in verschriftlichter Form zur Verfügung gestellt. Die Diskussionen, Tipps und Tricks werden weiter verbreitet und dankbar angenommen. Insbesondere das Konsenspapier hat als ganzheitlicher Anspruch für die digitale Lehre in den Geisteswissenschaften dankbare Aufnahme gefunden.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/Tweeet+Holger+Simon.png/81177101-08ba-d3a0-22ba-de7c04d2aca4" style="height: auto;width: 430.0px;" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;— Twitter-Screenshot Holger Simon (@HolgSimon) &lt;a href="https://twitter.com/HolgSimon/status/1301024404722384897?ref_src=twsrc%5Etfw"&gt;September 2, 2020&lt;/a&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Auch nach der Pandemie bietet das Portal Anregungen zu Tools und Ressourcen sowie Erfahrungsberichte aus der digitalen Lehre an den Hochschulen und kann sich den Bedürfnissen der Lehrenden anpassen. Denn die wachsende Community, die sich hier zusammen findet, ist nicht nur daran interessiert, während der Pandemie Hilfestellungen zu suchen, sondern die Digitalisierung in der Germanistik selbst zu reflektieren, wie Claudius Sittig in einem &lt;a href="https://www.mww-forschung.de/blog/-/blogs/-von-anfang-an-auf-eigenreflexion-angelegt-?"&gt;MWW-Interview&lt;/a&gt; ausführte.&lt;/p&gt;</summary> <dc:creator>Burow Rica</dc:creator> <dc:date>2021-06-08T13:46:00Z</dc:date> </entry> <entry> <title>Auf den materiellen und digitalen Spuren der Weltliteratur unterwegs</title> <link rel="alternate" href="https://www.mww-forschung.de/c/blogs/find_entry?p_l_id=656695&amp;entryId=1583692" /> <author> <name>Burow Rica</name> </author> <id>https://www.mww-forschung.de/c/blogs/find_entry?p_l_id=656695&amp;entryId=1583692</id> <updated>2021-05-19T08:29:21Z</updated> <published>2021-05-19T07:20:00Z</published> <summary type="html">&lt;p&gt;Dass ich im erneuten Lockdown und launischen April meine Forschungshospitanz bei der Klassik Stiftung Weimar beginnen würde, hatte ich nicht erwartet, doch das herzliche Willkommen der aktiven Gemeinschaft von Fellows und Mitarbeiter*innen im Stabsreferat Forschung lies die schlimmsten Befürchtungen schnell verfliegen. Der weitschweifende Blick über Weimar aus meinem Zimmer im Nietzsche-Archiv spiegelte sich im breitgefächerten Wissensangebot der Klassik Stiftung wider. Das Forschungskolloquium und die Präsentationen der Fellows waren wie rettende Inseln für eine Schiffbrüchige auf dem stürmischen und vereinsamenden Meer der Corona-bedingten Einschränkungen im Austausch von Forschung und Ideen.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/Nietzsche-Archiv.jpg/51673aa7-d3e1-a0dd-ecfd-5dac112712f2" style="height: auto;width: 473.0px;" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;em&gt;Blick auf den Eingang des Nietzsche-Archivs, Foto: Isabelle Riepe&lt;/em&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Ursprünglich hatte ich mich über den &lt;a href="https://www.careers.ox.ac.uk/#/"&gt;Careers Service&lt;/a&gt; der University of Oxford für eine Forschungshospitanz beim Forschungsverbund Marbach Weimar Wolfenbüttel (MWW) beworben. Corona-bedingt wurde sie von Sommer 2020 auf Frühjahr 2021 verschoben. Ich graduierte letzten August und begann mein Doktorandenstudium zur Materialität der Weltliteratur am European University Institute in Florenz. Weimar, die Klassik Stiftung und der MWW formen nun das Herzstück meiner Forschung über die nächsten Jahre.&lt;/p&gt; &lt;h4&gt;Digitale Spuren zur Weltliteratur&lt;/h4&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/Homepage+Goethe+digital.png/9d75b8d1-caa2-bb57-20a4-d0d8491863b0" style="height: auto;width: 588.0px;" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;em&gt;Startseite des Labors ›&lt;a href="https://vfr.mww-forschung.de/web/goethedigital/"&gt;Goethe Digital&lt;/a&gt;‹ im Virtuellen Forschungsraum (VFR)&lt;/em&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Das MWW Projekt ›Goethe Digital‹ lernte ich auf dem &lt;a href="https://vfr.mww-forschung.de/web/goethedigital/aktuelles/-/blogs/oxford-goethe-und-die-welt?_com_liferay_blogs_web_portlet_BlogsPortlet_redirect=https%3A%2F%2Fvfr.mww-forschung.de%2Fweb%2Fgoethedigital%2Faktuelles%3Fp_p_id%3Dcom_liferay_blogs_web_portlet_BlogsPortlet%26p_p_lifecycle%3D0%26p_p_state%3Dnormal%26p_p_mode%3Dview%26_com_liferay_blogs_web_portlet_BlogsPortlet_cur%3D1%26_com_liferay_blogs_web_portlet_BlogsPortlet_delta%3D20"&gt;Workshop ›Literature in the World: Material Networks of Books to and from Goethe’s Weimar‹ in Oxford&lt;/a&gt; kennen, wo Stefan Höppner über die Buchzusendungen an Johann Wolfgang Goethe sprach und anhand von &lt;a href="https://vfr.mww-forschung.de/web/goethedigital/weltliteratur"&gt;Visualisierungen&lt;/a&gt; die europaweite Verteilung der Zusendenden aufzeigte. Dieses Netzwerk, dass nicht nur ein kommunikatives sondern durch die Bücher vor allem ein materielles ist, inspirierte mich, die materiellen Bedingungen, in denen der Begriff »Weltliteratur« geboren wurde, historisch und literarisch genauer zu untersuchen.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Als Hospitantin bei Stefan Höppner und Ulrike Trenkmann durfte ich im April 2021 hinter die Kulissen schauen. Ich lernte die Schwierigkeiten kennen, eine Autorenbibliothek so zu katalogisieren, dass Funde innerhalb der Bücher – wie zum Beispiel Exlibris, Angestrichenes oder Zeichnungen (sogenannte Marginalien) – auch im Katalogeintrag nachvollzogen werden können. Zudem habe ich anhand der bereits vorhandenen Ausstellungen des MWW in der &lt;a href="https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/content/journal/ausstellungen"&gt;Deutschen Digitalen Bibliothek&lt;/a&gt; mehr über die Formate und Konzipierung von virtuellen Ausstellungen erfahren und meinen eigenen kleinen Beitrag zu einer zukünftigen Ausstellung erarbeitet.&lt;/p&gt; &lt;div&gt; &lt;div&gt; &lt;h4&gt;Materielle Spuren zur Weltliteratur&lt;/h4&gt; &lt;p&gt;Die andere Hälfte meines vierwöchigen Aufenthalts in Weimar widmete ich, wie im Programm der MWW-Forschungshospitanz vorgesehen, meiner eigenen Forschung. Momentan untersuche ich die Formation des Weltliteratur-Begriffs bei Wieland und Goethe anhand von Weltvorstellungen der Antike und der Weimarer Klassik. Die &lt;a href="https://doi.org/10.1515/arcadia-1987-0126"&gt;Briefe des Horaz&lt;/a&gt; und &lt;a href="http://www.zeno.org/Literatur/M/Goethe,+Johann+Wolfgang/Gespr%C3%A4che/%5BZu+den+Gespr%C3%A4chen%5D/1827"&gt;Tragödien des Euripides&lt;/a&gt; eröffnen erste textuelle Ansätze innerhalb der Weltliteratur-Forschung. Ich werde sie durch bibliographische Studien von Büchern und durch Tagebücher und Korrespondenzen ausbauen.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Zum Beispiel: Hermann Friedrich Wilhelm Hinrichs &lt;i&gt;Das Wesen der antiken Tragödie in ästhetischen Vorlesungen &lt;/i&gt;(Halle: Ruff, 1827) erreichte Goethe im März 1827. Wie im &lt;a href="https://lhwei.gbv.de/DB=2/XMLPRS=N/PPN?PPN=133477762"&gt;Katalog&lt;/a&gt; (und im &lt;a href="https://haab-digital.klassik-stiftung.de/viewer/!metadata/3522443888/44/LOG_0003/"&gt;Digitalisat der HAAB&lt;/a&gt;) vermerkt ist, hielt Goethe in seinem Tagebuch fest, dass er die Zusendung zeitnah las. Die Bleistift-Anstriche innerhalb des Buches könnten somit sehr wahrscheinlich von Goethe stammen. Die hier abgebildete Stelle ist interessant für mich, da sie unterschiedliche Welt- und Wertvorstellung (alte Griechen und Christentum) als Kriterien verwendet, um den Charakter des griechischen Philosophen Sokrates als tragisch oder komisch darzustellen. Dem Bleistiftstrich nach zu urteilen, schien dies auch für Goethe von Interesse zu sein.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/Digitalisat+Goethe.jpg/f4fe76e4-6a5a-6e65-a5d2-f29e3001d2f5" style="height: auto;width: 387.0px;" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;em&gt;Auszug aus &lt;/em&gt;›&lt;em&gt;Das Wesen der antiken Tragödie in ästhetischen Vorlesungen&lt;/em&gt;‹&lt;em&gt;. © Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Klassik Stiftung Weimar, Signatur: Ruppert 691, S. xxxii.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Die Hilfsbereitschaft, Neugierde und Hingabe mit denen Forschung ergriffen wird und Forschende willkommen geheißen werden, haben meinen Aufenthalt in Weimar zu einem sehr besonderen und produktiven gemacht. Vielen Dank dafür.&lt;/p&gt; &lt;hr /&gt; &lt;p&gt;Isabelle Riepe ist Dokorandin am European University Institute in Florenz und war vom 06.04.2021 bis 06.05.2021 als Forschungshospitantin an der Klassik Stiftung Weimar. Sie twittert unter &lt;a class="ae-twitter-link" href="https://twitter.com/isabelleriepe"&gt;@isabelleriepe&lt;/a&gt;.      &lt;/p&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;</summary> <dc:creator>Burow Rica</dc:creator> <dc:date>2021-05-19T07:20:00Z</dc:date> </entry> <entry> <title>Von der Briefmarke zum Tweet</title> <link rel="alternate" href="https://www.mww-forschung.de/c/blogs/find_entry?p_l_id=656695&amp;entryId=1541686" /> <author> <name>Burow Rica</name> </author> <id>https://www.mww-forschung.de/c/blogs/find_entry?p_l_id=656695&amp;entryId=1541686</id> <updated>2021-05-06T07:10:41Z</updated> <published>2021-05-05T13:06:00Z</published> <summary type="html">&lt;p&gt;Der Wunsch, die Dinge zu sammeln, zu ordnen und sie in einen neuen Rahmen zu setzen, ist so alt wie die Menschheit selbst. Was könnte uns also mehr über Motive und Werte, die Kultur und die Eigenheiten des Sammelns erzählen, als die Objekte, die sie für ihre Sammlungen auserwählt haben? Die Sammlungsforschung geht diesen einzigartigen Geschichten auf den Grund und ist damit für die Wissenschaft ein essentielles Werkzeug, um weit über den einzelnen Gegenstand hinaus in faszinierende kulturelle und persönliche Vermächtnisse zu blicken.&lt;/p&gt; &lt;hr /&gt; &lt;p&gt;Unter der Leitung der MWW-Kollegin &lt;a&gt;Joëlle Weis&lt;/a&gt; entstanden im Rahmen der Lehrveranstaltung »Zum Schatz erwählt – Privates Büchersammeln in der Frühen Neuzeit« an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf mehrere Gruppenarbeiten zum Thema »Was ist Sammlungsforschung?« Dieser Blogbeitrag zeigt eine Zusammenfassung der zentralen Thesen.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/100-2012-1059.jpg/ff966dcc-212d-326c-bb8f-08805258ad46" style="height: auto;width: 497.0px;" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;i&gt;Schublade aus einem Mineralienschrank Goethes, Teil seiner mineralogischen Sammlung, Foto: KSW Museen&lt;/i&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Was ist eine Sammlung? Auf den ersten Blick scheint es einfach, diese Frage zu beantworten: Wir alle kennen wissenschaftliche Sammlungen in Museen, die Briefmarkensammlungen unserer Großeltern oder die Textsammlung, die uns im Seminar zur Verfügung gestellt wird. Bei genauerer Betrachtung treten jedoch strukturelle Unterschiede zu Tage: Je genauer wir uns individuelle Sammlungen ansehen, desto unsicherer wird unsere Definition.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Sammlungsforschung beschäftigt sich genau mit dieser Vielfältigkeit und versucht, das Sammeln als elementare menschliche Kulturpraxis zu verstehen. Sammler*innen, sammelnde Institutionen, ihre Motive und Vorgehensweisen, der Anlass und der Sinn des Sammelns, die zum Teil sehr bewegten oder kontroversen Hintergründe – in diesem Mikrokosmos spiegeln sich Kultur und Zeitgeist der Sammelnden wider. Die Auseinandersetzung mit Sammlungen ist also auch immer eine Begegnung mit der Vergangenheit und den gesellschaftlichen Strukturen, die das Sammelverhalten, die Sammelmöglichkeiten und den Fortbestand einer Sammlung beeinflusst haben.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/Conrad_Buno02.jpg/d2c384f3-937a-f36b-7b17-083542c67036" style="height: auto;width: 556.0px;" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;i&gt;August der Jüngere, Herzog von Braunschweig-Lüneburg in seiner Bibliothek Kupferstich von Conrad Buno, um 1650, Foto: Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel&lt;/i&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;b&gt;Perspektiven der Sammlungsforschung&lt;/b&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Die Sammlungsforschung beschäftigt sich mit historischen oder noch existierenden privaten und öffentlichen Sammlungen von Personen oder Institutionen. Sie geht davon aus, dass Gegenständen durch den Akt des Sammelns ein zusätzlicher Kontext verliehen wird. Diese erweiterten Bedeutungsebenen werden durch die Sammlungsforschung aufgedeckt. Was macht die Akkumulation von Objekten zu einer Sammlung? Die Untersuchungsgegenstände der Forschung sind dabei so vielfältig wie die Sammlungen selbst und spiegeln das besondere Interesse der jeweiligen Sammelnden. Konkret fragt die Sammlungsforschung nach der Herkunft und dem Weg von Sammlungsgegenständen, der Funktion und Wahrnehmung von Objekten. Darüber hinaus spielen Fragen der Bewertung – sowohl im Sinne eines »kulturellen Kapitals« als auch konkret finanzieller Belange – eine zentrale Rolle. Auch unvollständige oder zerstörte Sammlungen geben einen interessanten Aufschluss über historische Ereignisse, denken wir etwa an Plünderungen im Dreißigjährigen Krieg oder die Bücherverbrennungen im NS-Regime.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Durch den Fokus auf Provenienz - also die Frage nach der Herkunft der Sammlungsobjekte - liegt ein Hauptaugenmerk der Sammlungsforschung daneben stets auf den Akteur*innen, die am Aufbau einer Sammlung beteiligt waren. Sammlungen können wichtige Bausteine bei der Erforschung von Personenbiographien sein, indem sie etwa besondere Interessen aufdecken oder sonstige Rückschlüsse auf die Lebensverhältnisse der Sammler*innen zulassen; gleichzeitig sind sie Spiegel von gesellschaftlichen Prozessen, dem Zeitgeist oder Trends. Sie zeigen, wie Menschen zu einer bestimmten Zeit ihre Umwelt wahrnahmen, ordneten und kategorisierten.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Aufgrund dieser vielfältigen Perspektiven muss Sammlungsforschung stets interdisziplinär angelegt sein und mit vielfältigen Wissenschaften und Fachrichtungen im ständigen Austausch stehen. Nur so kann die Menge und Vielseitigkeit sammelbarer Dinge sachgemäß gehandhabt werden.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;b&gt;Ziele&lt;/b&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Neben dem Wunsch, Sammlungszusammenhänge kennenzulernen und zu verstehen, hat die Sammlungsforschung in den letzten Jahren auch viele sehr konkrete Aufgaben zu bewältigen.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Ein großes Feld ist, wie bereits erwähnt, die Provenienzforschung. Diese ist einerseits elementarer Bestandteile jeder Rekonstruktion der Geschichte einer Sammlung. Andererseits liegt der Provenienzforschung auch eine gesellschaftliche Verantwortung zu Grunde. Gerade im Kontext von NS-Raubgut oder kolonialer Kontexte spielt sie für die Restitution unrechtmäßig erlangter Objekte eine entscheidende Rolle. Hier rückt – im Auftrag der Aufarbeitung und Wiedergutmachung als zentralem Ziel – die Erforschung und Rekonstruktion nicht mehr bestehender Sammlungen in den Fokus.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Insgesamt hilft die Sammlungsforschung auch dabei, verlorengegangene Objekte – wir denken an Naturkatastrophen oder auch etwa Zerstörung durch den Nationalsozialismus – zumindest ideell wiederzufinden und ihnen einen Platz in der Erinnerung zu sichern. Auf diese Weise kann die Sammlungsforschung zum Erhalt von verloren gegangenem Wissen beitragen. Durch das Erhalten, Katalogisieren, Digitalisieren und Rekonstruieren von Sammlungen werden Zugang zu den Objekten und die damit einhergehenden Erkenntnisse auch für die Zukunft gesichert. Die Sammlungsforschung ist damit auch eine »Strategie gegen Vergänglichkeit und Vergessen«.&lt;a href="#_ftn1"&gt;[1]&lt;/a&gt;&lt;/p&gt; &lt;div&gt; &lt;p&gt; &lt;b&gt;Digitalisierung: Herausforderung und Chance&lt;/b&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Gerade im Hinblick auf die Vergänglichkeit des Wissens liegt in der Digitalisierung der Sammlungsforschung eine große Chance. Durch die digitale Aufbereitung von Quellen und die Bereitstellung von Digitalisaten werden die Sammlungen weit über einzelne Institutionen hinaus greif- und erforschbar.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Dies geht aber gleichzeitig mit neuen Risiken des Vergessenwerdens einher. Sogenannte Born-digitals, also Quellen, die reiner digitaler Natur sind, häufen sich Jahr zu Jahr exponentiell, gewinnen dadurch an Bedeutung. Gleichzeitig stellen sie uns vor große Herausforderungen: Was vor einigen Jahren noch haptisch auf analogen Quellen aufbewahrt oder auch gesammelt wurde, wird gegenwärtig häufig digital gespeichert. Ein Verzeichnis oder Katalog zu einer Sammlung oder gar die Sammlung selbst können leicht auf Festplatten oder USB-Stick verewigt werden. Doch genau hier liegt die Gefahr: Wenn die Daten gelöscht werden oder nicht mehr lesbar sind, verschwindet damit ein Teil unseres historisch-kulturellen Erbes.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Dies wird besonders virulent im Hinblick darauf, dass es künftig Sammlungen von Dingen geben wird, bei denen wir heute noch am Anfang stehen, was Speicherung und Archivierung betrifft.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Was machen wir mit Sammlungen von E-Books, Twitter-Beiträgen oder YouTube-Videos? Werden digitale Sammlungen in ein paar Jahrzehnten noch nutzbar sein? Eine beunruhigende Entwicklung, die einem bei einer alltäglichen Datenflut von potenziellen digitalen Quellen (z. B. die ca. 320.000 E-Mails pro Sekunde weltweit oder 400 Stunden Videomaterial auf YouTube pro Minute) gar nicht so auffällt, aber: Digitale Objekte langfristig sicher zu speichern ist eine Herausforderung.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/IMG_1224.JPG/9856de7b-0a0e-0e9c-f029-3cefa4192bbb" style="height: auto;width: 541.0px;" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;i&gt;Einblick in den Nachlass von Friedrich Kittler, Foto: DLA Marbach&lt;/i&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Der französische Philosoph Voltaire schrieb einmal: Die Vergangenheit sei ein »riesiges Lagerhaus, aus dem man nehmen muss, was einem von Nutzen sein kann«.&lt;a href="#_ftn2"&gt;[2]&lt;/a&gt; Doch was passiert, wenn dieses Lagerhaus gar nicht mehr betretbar ist? Es klingt abstrakt, aber ein »digital dark age« – ein Zeitabschnitt, der nicht mehr zu erforschen ist, weil Quellen fehlen – ist eine realistische Zukunftsvision. Eine wichtige Aufgabe der Sammlungsforschung wird es demnach zukünftig sein, die Ebene der Born-digital-Sammlungen mitzudenken, jetzt schon nachhaltige Lösungen zu produzieren und vor allem proaktiv für eine diesbezügliche Sensibilisierung einzutreten.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;b&gt;An diesem Blogbeitrag haben mitgeschrieben: &lt;/b&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Vivian Abbing&lt;br /&gt; Timo Allhoff&lt;br /&gt; Hannah Becker&lt;br /&gt; Daniel Boumanns&lt;br /&gt; Johanna Broschk&lt;br /&gt; Kathrin Eschenberg&lt;br /&gt; Linda Förster&lt;br /&gt; Sofie Fritz&lt;br /&gt; Anna Herkelmann&lt;br /&gt; Anke Hilger&lt;br /&gt; Teresa Kaufmann&lt;br /&gt; Rabea Kuschel&lt;br /&gt; Eva-Maria Piechkamp&lt;br /&gt; Malina Annika Lena Schilgen&lt;br /&gt; Lisa-Marie Schmit&lt;br /&gt; Katja Torkie&lt;br /&gt; Selina Trothe&lt;br /&gt; Florian Ulff&lt;br /&gt; Büsra Vetter&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;/p&gt; &lt;p&gt;Redigiert von Joëlle Weis.&lt;/p&gt; &lt;div&gt;  &lt;hr /&gt; &lt;div&gt; &lt;p&gt; &lt;a href="#_ftnref1"&gt;[1]&lt;/a&gt; Clark, Christopher: Von Zeit und Macht. Herrschaft und Geschichtsbild vom Großen Kurfürsten bis zu den Nationalsozialisten, München 2018, S. 109. &lt;/p&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt; &lt;hr /&gt; &lt;div&gt; &lt;p&gt; &lt;a href="#_ftnref2"&gt;[2]&lt;/a&gt; Siebert, Irmgard: Bibliothek und Forschung. Die Bedeutung von Sammlungen für die Wissenschaft. Vittorio Klostermann. Frankfurt am Main 2011. S. 89.&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;</summary> <dc:creator>Burow Rica</dc:creator> <dc:date>2021-05-05T13:06:00Z</dc:date> </entry> <entry> <title>Vernetzen, Visualisieren und Vermitteln</title> <link rel="alternate" href="https://www.mww-forschung.de/c/blogs/find_entry?p_l_id=656695&amp;entryId=1425320" /> <author> <name>Burow Rica</name> </author> <id>https://www.mww-forschung.de/c/blogs/find_entry?p_l_id=656695&amp;entryId=1425320</id> <updated>2021-03-22T07:49:48Z</updated> <published>2021-03-22T07:44:00Z</published> <summary type="html">&lt;p&gt;Der Virtuelle Sammlungsraum (VSR) ist aus dem Teilprojekt ›Sammlungserschließender Katalog‹ hervorgegangen. Das Kernanliegen des ›Sammlungserschließenden Kataloges‹ – die Entwicklung einer integrativen Webanwendung für heterogene Bestandsdaten, welche es möglich macht, Sammlungszusammenhänge zwischen Objekten zu rekonstruieren und zu visualisieren – bleibt auch unter dem neuen Namen des Projekts erhalten. Die Umbenennung soll das Projekt darüber hinaus für neue Zugänge zu Sammlungen und Beständen abseits schematischer Katalogansichten öffnen. Ziel des VSR ist es, nicht nur digitale Tools zur Erschließung von Sammlungen, sondern zugleich auch zur Präsentation und Vermittlung der Ergebnisse von Sammlungsforschung bereitzustellen.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/Bild2.jpg/3057258c-e4f0-f678-f6f4-5bc06ce94f90" style="height: auto;width: 504.0px;display: block;margin-left: auto;margin-right: auto;" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Als ›Nachbar‹ des Virtuellen Forschungsraums sollen im VSR institutionsübergreifend Metadaten aus unterschiedlichen Erfassungssystemen zusammengeführt werden. Der VSR soll Forscher*innen die Möglichkeit bieten, Zusammenhänge und Beziehungen zwischen Objekten in Form von Relationen dokumentieren zu können und somit historische Sammlungsnetzwerke zu rekonstruieren. Dabei stehen nicht nur reine Provenienz-Zusammenhänge im Zentrum, sondern es werden vielmehr die vielfältigen Kommunikations- und Vermittlungszusammenhänge, in denen die Objekte stehen können, sichtbar gemacht und somit das Phänomen »Sammlung« aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet. Durch die Anbindung an den &lt;a href="http://www.vfr.mww-forschung.de"&gt;Virtuellen Forschungsraum (VFR)&lt;/a&gt;, sollen die Sammlungsbestände sozusagen direkt nebenan mit Hilfe der zur Verfügung gestellten Tools weiter erforscht und die Ergebnisse anschließend direkt mit den zugehörigen Objekten und Sammlungen verknüpft werden.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Gleichzeitig richtet sich der VSR ebenso an die breite Öffentlichkeit und bietet einen niedrigschwelligen Zugang zu Sammlungen des Forschungsverbunds über verschiedene Einstiegsmöglichkeiten, wobei der Schwerpunkt hier besonders auf interaktiven visualisierten Netzwerken liegen soll. Der Virtuelle Sammlungsraum präsentiert dadurch Sammlungen in ihren wechselnden Kontexten und macht Sammlungsforschung für ein breites Publikum erfahrbar.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/Bild1.jpg/7dca5db2-d1c9-f9e1-ab1c-225160571066" style="height: auto;width: 504.0px;display: block;margin-left: auto;margin-right: auto;" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Ziel des Projektes ist es, im Austausch mit den &lt;a href="https://www.mww-forschung.de/fallstudien"&gt;Fallstudien &lt;/a&gt;des Forschungsverbundes MWW das Modell eines Virtuellen Sammlungsraumes zu entwickeln, welcher die spezifischen Anforderungen und Erfahrungen aus den Teilprojekten aufnimmt und als Ergebnis eine virtuelle Arbeits- und Präsentationsanwendung bereitstellt, die als Basis für weitere Forschungsprojekte und zur Integration weiterer Sammlungen dienen kann. Ende 2021 soll ein erster Prototyp des Virtuellen Sammlungsraums vorliegen, ab 2022 soll dieser allgemein verfügbar gemacht werden.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;a href="https://www.mww-forschung.de/stefan-alschner"&gt;Stefan Alschner&lt;/a&gt; ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt ›Virtueller Sammlungsraum‹.&lt;/p&gt;</summary> <dc:creator>Burow Rica</dc:creator> <dc:date>2021-03-22T07:44:00Z</dc:date> </entry> <entry> <title>Autorenbibliothek Kurt Pinthus</title> <link rel="alternate" href="https://www.mww-forschung.de/c/blogs/find_entry?p_l_id=656695&amp;entryId=1301427" /> <author> <name>Burow Rica</name> </author> <id>https://www.mww-forschung.de/c/blogs/find_entry?p_l_id=656695&amp;entryId=1301427</id> <updated>2021-02-04T12:08:42Z</updated> <published>2021-02-04T09:19:00Z</published> <summary type="html">&lt;h4&gt;Die Person&lt;/h4&gt; &lt;p&gt;Kurt Pinthus (1886–1975) gilt als einer der bedeutendsten Vermittler des literarischen Expressionismus in Deutschland. Nach einem Studium der Literaturgeschichte, Philosophie und Geschichte arbeitete er als Verlagslektor und -berater, als Kritiker und avancierte zu einer zentralen Figur im zeitgenössischen Literaturbetrieb. Die zunehmende Ausgrenzung und Gewalt gegen Juden zwangen den mit einem Rede- und Publikationsverbot belegten Pinthus 1937, nach New York zu fliehen. Als er wenige Monate später nach Nazideutschland zurückkehrte, um seine Auswanderung vorzubereiten, gelang es ihm, seine umfangreiche Bibliothek mit sich nach Amerika zu retten. Während der Zeit im Exil arbeitete Pinthus als Dozent an der New School for Social Research und der Columbia University, zwischenzeitlich auch als Berater in der Library of Congress. Die Bibliothek wuchs und veränderte sich, da Pinthus in seiner Arbeit auf englischsprachige Bücher angewiesen war; der gerettete Bestand nahm zunehmend dokumentarischen Charakter an. &lt;/p&gt; &lt;p&gt;Ende der 1950er Jahre entstand nicht zuletzt aufgrund des in dieser Sammlung gespeicherten Wissens ein reger Kontakt zum Deutschen Literaturarchiv, das sich in Ausstellungen zunehmend der Literatur des frühen 20. Jahrhunderts und der Exilliteratur widmete. Nach mehreren Arbeitsaufenthalten und Besuchen ließ sich Pinthus schließlich 1967 mit seiner Schwester in Marbach am Neckar nieder. Als er 1975 verstarb, hinterließ er dem Haus seine geschichtsträchtige, rund 8.800 Bände umfassende Bibliothek.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Im Jahre 1919 veröffentlichte Pinthus mit »Menschheitsdämmerung« eine bis heute als Standardwerk des literarischen Expressionismus geltende Lyrik-Anthologie. Die in der Anthologie vertretenen Autoren sind, kaum überraschend, auch in Pinthus Bibliothek zu finden. Der Schwerpunkt seiner Sammlungen liegt auf der »deutschsprachigen Literatur nach 1880« (rund 2.300 Bände). Der Bestand dokumentiert so den Expressionismus in Erstausgaben und Privatdrucken, enthält aber auch so genannte Weltliteratur, Bücher zu Religion und Philosophie sowie Judaica (vgl. &lt;a href="https://www.dla-marbach.de/bibliothek/projekte/die-bibliothek-von-kurt-pinthus/"&gt;DLA-Website).&lt;/a&gt;&lt;/p&gt; &lt;h4&gt;Die Bibliothek&lt;/h4&gt; &lt;p&gt;Fast 45 Jahre lang befand sich der Bestand Kurt Pinthus nahezu unerschlossen im Deutschen Literaturarchiv. Nur zwei der 29 Abteilungen sind rudimentär verzeichnet: Die besonders umfangreiche Abteilung »Deutschsprachige Literatur nach 1880« ist auf Katalogkarten erfasst und die Abteilung Judaica wurde inventarisiert. Bisher waren die Bände aus Pinthus‘ Bibliothek jedoch nicht im Online-Katalog (OPAC) der Bibliothek des DLA zu finden – hier beginnt nun meine Aufgabe als Bibliothekarin.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Das Schöne an MWW-Projekten ist, dass Personen mit verschiedenen beruflichen Hintergründen zusammenarbeiten und so beschäftige ich mich zusammen mit Caroline Jessen mit Pinthus‘ Bibliothek. Während ich für die bibliothekarische Erschließung des Bestandes zuständig bin, ist Caroline Jessen für die literatur- und kulturwissenschaftliche Betrachtung befasst. Unsere Herangehensweisen sind zwar unterschiedlich, ergänzen sich aber sehr gut: Da ich direkt mit dem Bestand arbeite, kann ich Caroline Jessen auf interessante Funde, wie Einlagen oder Notizen, aufmerksam machen. Ihr Wissen um die Geschichte der Bibliothek und ihres Vorbesitzers hilft mir hingegen, richtig mit dem Bestand umzugehen und Funde korrekt einzuordnen.&lt;/p&gt; &lt;h4&gt;Die Erschließung&lt;/h4&gt; &lt;p&gt;Im Vergleich zur Erschließung aktueller Literatur bringt die Erschließung von Pinthus‘ Autorenbibliothek einige Besonderheiten mit sich. Durch lange Reisen und unsachgemäße Lagerung ist ein großer Teil der Bände in sehr schlechtem Zustand. Neben dem Schmutz der Jahrzehnte stellt hier hauptsächlich brüchiges Material ein Problem dar: Buchrücken und Einbände fehlen, Seiten sind ein- oder ausgerissen oder zerfallen bei der kleinsten Berührung. Es ist also Vorsicht geboten.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/IMG_1414.JPG/35da2b6a-e422-4e4e-6011-eb233ba1147b" style="height: auto;width: 270.0px;" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Restauratorin Enke Huhsmann erklärt mir den richtigen Umgang mit beschädigten Bänden, Foto: DLA Marbach&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Zunächst erschließe ich den Band formal. Diese Formalerschließung beinhaltet die ganz offensichtlichen Angaben zum vorliegenden Buch: Autor, Titel, Verlag, Erscheinungsjahr und so fort. Im Falle von Pinthus Bibliothek ist es außerdem besonders wichtig, auf eventuelle Auflage- und Ausgabezählungen zu achten. So befindet sich beispielsweise die »Menschheitsdämmerung« in einer Vielzahl von verschiedenen Ausgaben in der Bibliothek, sodass jede Ausgabe eine eigene Aufnahme im Katalog bekommt. Einige Bände erschließe ich außerdem auch inhaltlich, z.B. mit Hilfe von Schlagwörtern.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt; Eine dritte Art der Erschließung, die Provenienzerschließung, ist eine weitere Besonderheit von Autorenbibliotheken. Dabei erfasse ich also diejenigen Merkmale, die auf die Vorgeschichte des Bandes hinweisen. Viele Bände aus Pinthus‘ Bibliothek enthalten solche Merkmale verschiedenster Art: Einlagen, wie Briefe oder Lesezeichen, handschriftliche Anstreichungen und Notizen oder persönliche Widmungen von Autor*innen.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/IMG_0912-min.JPG/83d79221-5197-b7eb-6562-c2e0b29e1ed3" style="height: auto;width: 552.0px;" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Handschriftliche Widmung von Claire Goll an Kurt und Else Pinthus in Golls Buch »Das tätowierte Herz«, Foto: DLA Marbach&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Bei der Erschließung müssen einen ganze Reihe an Regelwerken und Standards beachtet werden. So geschieht nicht nur die formale und sachliche Erschließung immer im selben Format, sondern auch die Provenienzerschließung. Hier wird, ähnlich wie bei der Sacherschließung, auf Schlagwortketten zurückgegriffen und Namen und Datumsangaben werden normiert. All das soll die Bände im Bibliothekskatalog besser auffindbar machen und interessierten Benutzer*innen wichtige Informationen liefern.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Um die Bibliothek und ihre teils schwer beschädigten Bände zu schützen und langfristig erhalten zu können, sichere ich sie wenn nötig in säurefreien Mappen oder mit Hilfe von Bändern. Um der Restaurierwerkstatt die zukünftige Arbeit zu erleichtern, lege ich jedem beschädigten Band einen nummerierten Laufzettel bei und verknüpfe die Katalogaufnahme mit einem speziellen Datensatz. Diese dienen den Restauratorinnen dann als Hinweis und bieten eine Übersicht darüber, wie viele Bände dringend behandelt werden müssen. Diese Bände sind, anders als der Rest der Autorenbibliothek, nicht zur Benutzung bestellbar, um die Beschädigung nicht noch zu verschlimmern.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;a&gt;Ilka Schiele&lt;/a&gt; ist Bibliothekarin für die MWW-Fallstudie »&lt;a href="https://www.mww-forschung.de/transatlantischer-b%C3%BCcherverkehr"&gt;Transatlantischer Bücherverkehr. Migrationswege und Transferrouten vor und nach 1945&lt;/a&gt;« am Deutschen Literaturarchiv Marbach.&lt;/p&gt; &lt;div&gt; &lt;hr /&gt;&lt;/div&gt;</summary> <dc:creator>Burow Rica</dc:creator> <dc:date>2021-02-04T09:19:00Z</dc:date> </entry> <entry> <title>Zur Zukunft der Zeitschrift für digitale Geisteswissenschaften</title> <link rel="alternate" href="https://www.mww-forschung.de/c/blogs/find_entry?p_l_id=656695&amp;entryId=1263161" /> <author> <name>Burow Rica</name> </author> <id>https://www.mww-forschung.de/c/blogs/find_entry?p_l_id=656695&amp;entryId=1263161</id> <updated>2021-01-20T08:53:18Z</updated> <published>2021-01-19T14:50:00Z</published> <summary type="html">&lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/zfdg1.jpg/7c567159-f59b-1b2a-bb37-2677dc3a5033" style="height: auto;width: 681.0px;" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;von Marcus Baumgarten&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Die &lt;a href="http://zfdg.de/"&gt;Zeitschrift für digitale Geisteswissenschaften&lt;/a&gt; (ZfdG) hat sich in den letzten Jahren etabliert und ihre Führungsrolle im deutschsprachigen Raum untermauert. Für die Redaktion ist das allerdings kein Grund, den Status quo zu verwalten. Im Gegenteil: Im Jahr 2021 stehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ZfdG vor etlichen Herausforderungen, die ich hier als Redaktionsmitglied kurz skizzieren möchte, wobei mein Fokus auf dem eher technischen Bereich liegt.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Die Arbeitsabläufe der ZfdG sind wie in jeder anderen Redaktion durch verschiedene Techniken und Systeme bestimmt. Nachdem eine Einreichung durch die Fachredaktion beschlossen wurde, stellt der Autor oder die Autorin, bzw. die Autorengruppe den eingereichten Artikel fertig. &lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/zfdg2.jpg/f97ccf10-d910-701a-c8bf-532b01432c54" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Damit beginnt im Anschluss die eigentliche technische und redaktionelle Bearbeitung durch die Tagesredaktion der ZfdG. In der Regel werden die Beiträge als Worddatei geliefert, die anschließend mit einer internen Vorlage für Microsoft Word formatiert werden. Über den Transformationsservice &lt;a href="https://oxgarage.tei-c.org/"&gt;Oxgarage&lt;/a&gt; des TEI-Konsortiums wird die Textdatei aus dem docx-Format nach TEI-P5 überführt und anschließend mit einem weiteren Skript in das XML-Schema der ZfdG transformiert. Alle weiteren Änderungen am Text werden ab sofort nur noch in der xml-Datei vorgenommen, woraus sich insbesondere bei Open Review-Verfahren neue Herausforderungen ergeben. &lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/zfdg3.png/5f253238-5e47-fa78-3df0-54f87cfd604f" style="height: auto;width: 616.0px;" /&gt;&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Unterstützt wird der Workflow bisher durch ein &lt;a href="https://wiki.de.dariah.eu/"&gt;Confluence-Wiki&lt;/a&gt;, das der ZfdG-Redaktion durch den &lt;a href="https://www.clariah.de/"&gt;Clariah-Verbund&lt;/a&gt; kostenlos zur Verfügung gestellt wird. In diesem internen Bereich werden Formatvorlagen, Arbeitsstände und Workflows dokumentiert.&lt;/p&gt; &lt;p&gt; &lt;img src="https://www.mww-forschung.de/documents/portlet_file_entry/635309/zfdg4.png/80266e1e-fc0c-9f48-b0a4-7bf961099800" style="height: auto;width: 108.0px;float: right;" /&gt;Zur besseren internen Abstimmung und Kommunikation mit der Fachredaktion wird der Arbeitsablauf zurzeit auf das &lt;a href="https://ojs-de.net/start"&gt;Open Journal Systems&lt;/a&gt; (OJS) – einer Publikationssoftware für Online-Zeitschriften – umgestellt. Technisch ist es zwar möglich, auch die Präsentation der Texte in OJS zu realisieren, auf absehbare Zeit werden die Inhalte aber weiterhin über das &lt;a href="https://www.drupal.org/"&gt;Content Management System Drupal&lt;/a&gt; verwaltet und angezeigt, das zurzeit in der Version 7 in der ZfdG im Einsatz ist. Die Aktualisierung von Drupal auf die aktuelle Version 9 ist ebenfalls für dieses Jahr geplant.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Zur Unterstützung der technischen Redaktion wurde von der &lt;a href="https://www.hab.de/"&gt;Herzog August Bibliothek&lt;/a&gt; ein Gitlab-Bereich zur Versionierung der xml-Dateien und Transformationsskripte eingerichtet.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Mittelfristig sollen in diesem Bereich alle veröffentlichen Texte in der xml-Version als Gesamtdownload angeboten werden.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Neben den eben genannten technischen Neuerungen wird es in der ZfdG natürlich auch in diesem Jahr kontinuierlich neue Artikel geben. Zusätzlich zum normalen Veröffentlichungsrhythmus mit ein bis zwei Artikeln pro Monat sollen in diesem Jahr auch zwei Sonderbände erscheinen.&lt;/p&gt; &lt;p&gt;Darüber hinaus testet die Redaktion im Moment ein neues Format: das Working Paper. Dieses Working Paper wird von der ZfdG in einem »Public-Review«-Verfahren veröffentlicht und kann von der Community kommentiert werden. Die Tests der Kommentarfunktionen mittels Hypothesis-Plugin wurden vor kurzem zufriedenstellend abgeschlossen und nach einer redaktionellen Bearbeitung wird das Working Paper der &lt;a href="https://dig-hum.de/ag-digitales-publizieren"&gt;DHD-AG »Digitales Publizieren«&lt;/a&gt; noch möglichst vor der DHD-Jahrestagung 2021 publiziert. &lt;/p&gt; &lt;p&gt;Wenn sich dieses neue Verfahren in der ZfdG und der Community etabliert, könnte die ZfdG damit in Zukunft um eine neue Reihe ergänzt werden.&lt;/p&gt; &lt;hr /&gt; &lt;p&gt; &lt;a href="http://www.mww-forschung.de/forschungsverbund-mww/team/baumgarten-detail"&gt;Marcus Baumgarten&lt;/a&gt; ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt »&lt;a href="https://www.mww-forschung.de/digitale-methoden-sammlungsforschung"&gt;Digitale Methoden der Sammlungsforschung&lt;/a&gt;« und Mitglied der ZfdG-Redaktion.&lt;/p&gt;</summary> <dc:creator>Burow Rica</dc:creator> <dc:date>2021-01-19T14:50:00Z</dc:date> </entry> </feed> 