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Goethes Faust erschien zuerst im Medium des Imaginären – im Gerücht. In den Jahren 1777/78 tauchten in verschiedenen Zeitschriften in Deutschland Meldungen auf, sowohl Lessing als auch Goethe schrieben an einer Dichtung über jenen spätmittelalterlichen ‚Erz-Zauberer‘ und ‚Schwarzkünstler‘, der im Begriff stand, zum Nationalmythos der Deutschen zu werden. Die kulturelle...

Im Historischen Museum am Hohen Ufer Hannover befindet sich heute ein Blatt, das als Sonderfall der vielfältigen Verschränkungen von Text und Bild im Porträt gelten darf. Es handelt sich um ein Porträt von Herzog August d.J. von Braunschweig-Wolfenbüttel (1579-1666) von der Hand Heinrich Julius Willershausens, der von 1645 bis 1670 als Kammerschreiber am Wolfenbütteler Hof tätig war....

Budapest, Winter 1956 – “Jetzt freue ich mich einfach darüber, dass Sie gesund sind.” Mit diesem Seufzer der Erleichterung beginnt die junge 27jährige Philosophin Ágnes Heller ihren ersten Brief an ihren akademischen Mentor und Lehrer, den “teuren Genossen Lukács”. Ein Briefwechsel auf einer politischen Nadelspitze: Georg Lukács, einer der Wortführer der ungarischen Opposition, wurde...

1678 erschien der Druckband Wohlgegründete Bedenkschrift über die Zesische Sonderbahre Ahrt Hochdeutsch zu Schreiben und zu Reden des Rostocker Rhetorik-Professors Andreas Daniel Habichthorst. Während meines Aufenthalts in Wolfenbüttel arbeitete ich im Rahmen des Forschungs- und Editionsprojekts „Die deutsche Akademie des 17. Jahrhunderts: Fruchtbringende Gesellschaft“ mit dem...

„Er hat sich verschanzt in seinem Turm, er hat den Wall seiner tausend Bücher zwischen sich und den Lärm gestellt“, schreibt Stefan Zweig in seinem Fragment gebliebenen Essay Montaigne während der letzten Etappe seines Exils, das ihn im August 1941 ins brasilianische Petrópolis geführt hat. Das Bild eines Distanz schaffenden, aus Büchern gebildeten Schutzwalls mag für wenige ...

Ein sehr angenehmer und bereichernder Aufenthalt in Weimar geht zu Ende. Wie schon das alte englische Sprichwort sagt: Wenn man Spaß hat, vergeht die Zeit wie im Flug. Bin ich nicht gerade eben erst in Erfurt gelandet? Seit meinem letzten Blogeintrag bin ich mit Kollegen aus der Klassik Stiftung Weimar nach Wolfenbüttel gereist. Dort hatten wir eine Führung durch die Herzog August...

Das Forschungsprojekt "Bildpolitik – Das Autorenporträt als ikonische Autorisierung" beginnt ein neues Format: "Bildpolitik im Gespräch". Erster Interviewpartner der Forschergruppe ist Valentin Groebner. Er lehrt seit März 2004 als Professor für Geschichte des Mittelalters und der Renaissance an der Universität Luzern und war im Frühjahr 2014 Gastwissenschaftler...

Im Lesesaal der Bibliotheca Augusta – dem Hauptbibliotheksgebäude der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel – wird mit den handschriftlichen Beständen der Forschungsbibliothek gearbeitet. Ich habe mir Cod. Guelf. 1147 Helmst., ein Psalterium und Gebetbuch aus dem 15. Jahrhundert, bestellt. Die Handschrift erreicht meinen Leseplatz in einer unscheinbaren grauen Schachtel und...

Digitale 3D-Modelle können für die Präsentation von Ergebnissen aus den Projekten des Forschungsverbunds MWW nützlich sein. So kann die digitale Visualisierung von Goethes Bibliothek seine Wissensordnung deutlich vor Augen führen oder eine virtuelle Ausstellung aller Goethe-Büsten einen direkten und damit besseren Vergleich bieten. Zum Test für zukünftige Nutzungen haben wir eine...

In der praktischen Übersetzungsarbeit ist die Brücke zwischen Vorlagentreue und zeitgemäßer Sprache nicht immer leicht zu schlagen. Vorlagentreue bedeutet gerade bei den poetischen Büchern der Bibel, wie den Psalmen, eben auch, die formale Gestaltung, das Lyrische, auszudrücken. Der Psalmvers 42,2 zieht einen Vergleich zwischen der Seele und einem Tier, auf Hebräisch: „כְּאַיָּ֗ל“...