Auf Wiedersehen Weimar!

Alexander Mortimore
Goethes „Home-Office"

Ein sehr angenehmer und bereichernder Aufenthalt in Weimar geht zu Ende. Wie schon das alte englische Sprichwort sagt: Wenn man Spaß hat, vergeht die Zeit wie im Flug. Bin ich nicht gerade eben erst in Erfurt gelandet?

Seit meinem letzten Blogeintrag bin ich mit Kollegen aus der Klassik Stiftung Weimar nach Wolfenbüttel gereist. Dort hatten wir eine Führung durch die Herzog August Bibliothek mit den dortigen Hospitantinnen aus Oxford. Auf der Rückfahrt besuchten wir das Gleimhaus und den Halberstädter Dom.

Ich glaube, ich habe es geschafft, die meisten Einrichtungen der Stiftung in Weimar zu besuchen, darunter auch das entzückende Schloss Belvedere und Schloss Ettersburg. Letzteres ist ideal für einen gemütlichen Sonntagnachmittagsspaziergang zum Schluss.  


Um von etwas Traurigerem zu sprechen: Ich beschloss, das in der Nähe gelegene ehemalige Konzentrationslager Buchenwald zu besuchen. Als eines der größten KZs nach Auschwitz, mit ungefähr 56.000 Opfern, erinnert es auf erschreckende Weise daran, in welche Abgründe sich die Menschheit trotz eines solchen Hintergrunds von Kultur und der großartigen Schönheit von Natur und Kunst begeben kann.

Natürlich wäre keine Weimarreise vollständig, ohne einen Besuch von Goethes Wohnhaus am Frauenplan. Verglichen mit vielen der historischen Gebäude hier, ist es ein eher bescheidenes, aber äußerst behagliches Haus.

 


 

 

 

Zum Gedenken an den hundertsten Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges, hat die Stiftung viele Veranstaltungen organisiert. Eine der Veranstaltungen, die ich besuchen konnte, war ein Podiums-Gespräch mit dem bekannten deutschen Philosophen Peter Sloterdijk. Es ging um den intellektuellen Hintergrund des Konflikts. Behalten habe ich, dass er sagte, viele mächtige und einflussreiche Zeitgenossen hätten die Bedeutung des Einzelnen unterbewertet, was ihre Entscheidung, den Krieg zu erklären, teilweise erleichtert hätte. Das Goethe-Schiller-Archiv organisierte Lesungen aus Briefen Einheimischer, die an dem „Krieg, der alle Kriege beenden soll“ teilgenommen hatten. Viele beklagten das Abschlachten auf beiden Seiten und gaben zu, dass sie nicht genau wussten, warum sie dort waren. Dennoch fühlten sie sich aus Pflichtgefühl und aufgrund ihrer Bindung zum „Vaterland“ gezwungen, alles bis zum Ende durchzustehen.

Die letzte Einrichtung der KSW, die ich besuchte, war das Schlossmuseum, und hier gilt ganz sicher die Formulierung „last but not least“! In meinen Augen ist es das Juwel in der Krone der Klassik Stiftung. Seine Exponate sind so vielfältig und fesselnd, dass man mindestens zwei lange Besuche einplanen sollte.


Der Eingang zum Festsaal des Stadtschlosses

 

 


Der Festsaal im Stadtschloss

 

Ein Blogeintrag ist zu kurz, um alles Sehenswerte zu beschreiben, aber der Festsaal, das Assemblé-Zimmer für ausländische Bekannte der fürstlichen Familie und das Dichterzimmer zu Ehren Schillers, fallen mir sofort ein. Beachtenswert ist, dass das Gebäude zwei verheerenden Bränden zum Opfer fiel. Goethe leitete den Wiederaufbau nach dem zweiten Feuer 1774. Ich denke, insgesamt kann man ganz sicher sagen, dass er seine Sache sehr gut gemacht hat!


Das Dichterzimmer zu Ehren Friedrich Schillers

 

 

Zum Schluss möchte ich allen danken, die meine Zeit in Weimar so lohnend gestaltet haben. Mein besonderer Dank gebührt meinen Freunden und Kollegen in der Stiftung und ich hoffe, dass ich alle in nicht allzu langer Zeit wiedersehen werde! Vielen Dank und alles Gute!

(Aus dem Englischen übersetzt von Anne Tilkorn)

 

Alexander Mortimore promoviert an der Oxford University über Edmund Burkes und Goethes Reaktionen auf die Französische Revolution. Im Rahmen des Programms Forschungshospitanzen verbrachte er zwei Monate an der Klassik Stiftung Weimar.