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Jeanne d’Arc, Faust und 68er-Bewegung

Ursula Kundert im Gespräch mit Stephanie Wodianka

In der Moderne kann fast „alles zum Mythos werden“, behauptet das „Metzler Lexikon moderner Mythen“, das eine Auswahl von Personen, Figuren und Ereignisse analysiert, die in der Zeit vom 19. Jahrhundert bis heute mythische Qualität erreicht haben. Aber wie und wo können sich solche neuen Mythen nachhaltig durchsetzen, sich gegenüber bereits kanonisierten, zum Teil jahrtausendealten behaupten, sich sogar aus ihnen nähren oder, im Gegenteil, alte Sinnstiftungen löschen?

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Lexikon-Herausgeberin Stephanie Wodianka. Foto: Anne-Katrin Hapke

Von Phantasiewesen, pummeligen Schoßhunden und einer fidelen Wildsau

Von Hanne Grießmann

Als sich Hanne Grießmann, damals Wissenschaftliche Hilfskraft im MWW-Forschungsprojekt „Text und Rahmen“, ein spätmittelalterliches Gebetbuch in den Lesesaal der Herzog August Bibliothek bestellt, ahnt sie nicht, welch farbenprächtige und phantastische Welt sich ihr eröffnen würde. Hier erzählt sie vom frech-verspielten Treiben am Seitenrand der frommen Handschrift – und was es über die satirische Seite des Mittelalters verrät.

 

 

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Was macht denn das Schwein mit der Schubkarre hier? Drolerie in einem spätmittelalterlichen Gebetbuch. Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, Cod. Guelf. 87.10 Aug. 12°, fol. 52v-53r. (CC BY-SA)

„Lebendiges Orakel”

Ein Gespräch mit dem Autor Dietmar Dath

Auf Einladung des MWW-Forschungsprojekts „Text und Rahmen” hält Dietmar Dath am 4. Mai 2016 in Weimar einen Videovortrag mit dem Titel „FaustScienceFiction”. Im Interview erzählt der Autor und Redakteur der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung”, wie ihn die Schullektüre von Goethes „Faust” zur Erforschung des Satanismus anregte, warum der Faust-Mythos bis heute rastlos in der Pop-Kultur unterwegs ist und wo uns seine Aktualität alle paar Minuten vor Augen geführt wird.

 

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Plakat zum Videovortrag von Dietmar Dath am 4. Mai in Weimar © KSW

"Revolution der Klassiker-Ausgabe"

Die Fragen stellte Nicole Alexander

Vom 14. bis 16. Januar 2016 findet am Deutschen Literaturarchiv Marbach der öffentliche Workshop „Die Präsentation kanonischer Werke um 1900“ des MWW-Forschungsprojekts „Text und Rahmen“ statt. Ein Gespräch mit Tagungsleiter Philip Ajouri über die Bedeutung der deutschen Klassiker für den Buchmarkt um 1900, den neuen Verleger-Typus der Jahrhundertwende und seine persönliche Lieblingsausgabe aus dieser Zeit.

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Mit der "Großherzog Wilhelm Ernst"-Ausgabe schuf der Kunstmäzen Harry Graf Kessler 1904 einen neuen Buchtyp, der bis heute sofort als Klassiker-Ausgabe erkannt wird. © DLA Marbach

Rahmungen

Tagungsbericht von Hanne Grießmann

„Rahmungen. Präsentationsformen kanonischer Werke“ war der erste Workshop in der vierteiligen Reihe des Projektes „Text und Rahmen. Präsentationsmodi kanonischer Werke“. Die Tagungsleitenden Philip Ajouri, Ursula Kundert und Carsten Rohde diskutierten an der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel vom 29. bis 31. Juli 2015 mit Vortragenden und Gästen verschiedener geisteswissenschaftlicher Disziplinen die theoretischen Zugänge Materialität, Paratext, Textkonstitution und Sammlungskritik zu Phänomenen des Kanonischen.

 

 

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Unzweifelhaft kanonisch: Goethes "Faust", hier der Beginn vom "Vorspiel auf dem Theater".

Ruhm – Vom Wandern einer Idee durch die Moderne

Ursula Kundert im Gespräch mit Dirk Werle

"Ruhm und Moderne. Eine Ideengeschichte (1750-1930)" heißt das Buch, das der Literaturwissenschaftler Dirk Werle im vergangenen Jahr veröffentlicht hat. Ursula Kundert hat den Autor getroffen und mit ihm über sein neuestes Werk gesprochen. Ein Interview zum Anhören.

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Der Literaturwissenschaflter Dirk Werle. © Leonhard Herrmann

Handschriftliche Vielfalt im Griff der spitzen Klammern

Von Hanne Grießmann

Es ist eine Herausforderung – aber sie lohnt sich: Im Rahmen des Forschungsprojekts „Text und Rahmen“ werden mittelalterliche und frühneuzeitliche Psalmenhandschriften und -drucke durch die Kodierung nach TEI-Richtlinien maschinenlesbar gemacht. Auf dieser digitalen Grundlage können die erfassten Texte mit Hilfe von Computern analysiert und über Fachgrenzen hinweg genutzt werden. Ein Werkstattbericht.

 

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Der zweisprachige Psalter Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, Cod. Guelf. 81.10 Aug. 2° ist eine der spätmittelalterlichen Handschriften, die im Projekt "Mediengeschichte der Psalmen" nach TEI-Richtlinien kodiert werden.

Keine Randbemerkung. Nirgends – Petrarcas Psalmen ringen um Anerkennung

Von Ursula Kundert

Die biblischen Psalmen sind wohl dasjenige Werk, das am häufigsten abgeschrieben, gedruckt, zitiert, kommentiert, übersetzt, bearbeitet und nachgeahmt wurde. All dies geschieht im Mittelalter in eigenen Texten, aber auch sehr häufig zwischen den Zeilen und auf dem Rand. Dies und mehr...

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Francesco Petrarca, Psalmi penitentionales, Marcus Brandis, Leipzig ca. 1485. Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, S 378. 8° Helmst., o. S.

Vom Zeitungsgerücht zum Kartenspiel: "Faust" intermedial

Carsten Rohde

Goethes Faust erschien zuerst im Medium des Imaginären – im Gerücht. In den Jahren 1777/78 tauchten in verschiedenen Zeitschriften in Deutschland Meldungen auf, sowohl Lessing als auch Goethe schrieben an einer Dichtung über jenen spätmittelalterlichen ‚Erz-Zauberer‘ und ‚Schwarzkünstler‘,...

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»Doktor Faust«, Theaterzettel einer Aufführung aus dem Jahre 1811, ohne Ortsangabe © Klassik Stiftung Weimar / HAAB

„konkurrieren sie hiemit ?“ - Ein Verlegerwettstreit um 1900

Philip Ajouri

Lange Jahre galt Goethes Romanfragment Wilhelm Meisters theatralische Sendung (entstanden 1777-1785) als verloren. Gefunden wurde es im Dezember 1909 in Zürich, nachdem ein Schüler im Unterricht seinem Lehrer ein Manuskript mit der Frage gezeigt hatte, ob das wohl etwas von Bedeutung sei....

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Welche Rolle spielen rechtliche und ökonomische Rahmenbedingungen bei der Herausgabe von Klassikern um 1900? Im Archiv des Insel Verlags findet sich ein Telegramm, das beispielhaft davon Zeugnis ablegt. Es zeigt, mit welchem Einsatz damals um das Recht g
Welche Rolle spielen rechtliche und ökonomische Rahmenbedingungen bei der Herausgabe von Klassikern um 1900? Im Archiv des Insel Verlags findet sich ein Telegramm, das beispielhaft davon Zeugnis ablegt. Es zeigt, mit welchem Einsatz damals um das Recht gekämpft wurde, einen Goethe-Text erstmals publizieren zu können. (Telegramm von Adolf Kaegi an Anton Kippenberg, 17.3.1910, Deutsches Literaturarchiv Marbach, A:Insel).