MWW auf Kavalierstour

Von Stefan Höppner und Timo Steyer

DH-Methoden spielen für die Forschungsprojekte von MWW eine wichtige Rolle. Hilfreiche Tools in diesem Bereich stellt das Projekt DARIAH zur Verfügung. Um mehr über sie zu erfahren, nahmen MWW-Mitarbeiter Stefan Höppner (Weimar) und Timo Steyer (Wolfenbüttel) Mitte Februar 2016 an der ersten „DARIAH-DE Grand Tour” in Göttingen teil. Ein Reisebericht.

 

Erfahrungsaustausch: Timo Steyer und Stefan Höppner (vor der ersten Poster-Präsentation links im Bild) informieren sich auf der Grand Tour von DARIAH-DE über die neuesten DH-Tools. Foto: Frank Fischer

Mit Digital-Humanities-Tools und fachwissenschaftlichen Diensten in den Bereichen Forschung und Lehre unterstützt DARIAH-DE digital arbeitende Geistes- und Kulturwissenschaftler. Dafür baut der deutsche Ableger des europaweiten Programms DARIAH-EU eine digitale Forschungsinfrastruktur für Werkzeuge und Forschungsdaten auf und entwickelt Materialien für Lehre und Weiterbildung im Bereich der Digital Humanities (DH). Um über diese Angebote zu informieren, lud das Projekt am 18. und 19. Februar 2016 zur ersten „DARIAH-DE Grand Tour“ in die Niedersächsische Universitätsbibliothek in Göttingen (SUB) ein.

Eine Einladung, der Stefan Höppner, Leiter des MWW-Projekts „Autorenbibliotheken”, und DH-Mitarbeiter Timo Steyer, der von Wolfenbüttel aus am Aufbau einer digitalen Forschungsinfrastruktur für MWW beteiligt ist, gern folgten, da sie Gelegenheit bot, die von DARIAH entwickelten Anwendungen besser kennen zu lernen und ihre Anwendbarkeit auf die eigene Arbeit zu prüfen.  

Praxisnah und auch an DH-Einsteiger gerichtet  

Unter dem Motto „DARIAH-DE kennenlernen – sich austauschen – informieren – Fragen stellen“ präsentierten sich die verschiedenen Forschungsprojekte den interessierten Besuchern. Die Veranstaltung war dabei praxisnah ausgelegt und richtete sich ausdrücklich auch an Einsteiger in den Bereich der DH, die nach wie vor eines der größten Wachstumsfelder in den Geisteswissenschaften darstellen.

Der Tagungsort, die alte Paulinerkirche aus dem 13. Jahrhundert, stand nur auf den ersten Blick im Kontrast zum Thema der Veranstaltung. Ursprünglich Herzstück eines Dominikanerklosters und nach der Reformation Sitz des Göttinger Gymnasiums, ist sie seit dem 18. Jahrhundert die Keimzelle der Göttinger SUB, die heute zu den deutschlandweit führenden Akteuren der Digital Humanities gehört.

Cluster-Karussell und DH-Slam

Nach der Begrüßung durch Wolfram Horstmann, Direktor der SUB, und Henk Harmsen, DH-Experte an der Königlich-Niederländischen Akademie der Wissenschaften, wurden in einem so genannten Cluster-Karussell die Bestandteile und Service-Angebote von DARIAH-DE im Überblick präsentiert. Danach führte ein zweistündiger „DH-Slam“ in etwa 25 Kurzpräsentationen konkrete Projekte vor, die entweder DARIAH-DE-Angebote für ihre Forschung nutzen oder das Angebot von DARIAH-DE selbst verbessern.

Am Ende des Tages stand der Vortrag von Friederike Fless, Präsidentin des Deutschen Archäologischen Instituts in Berlin. Unter dem Titel „Digital Humanities: Herausforderungen und Perspektiven“ thematisierte sie zunächst die Umwälzung, die die DH im wissenschaftlichen Alltag generell mit sich bringen, und verdeutlichte dies dann an ihrem eigenen Arbeitsfeld, der Archäologie. Bei einem Empfang mit Buffet im Foyer des alten Bibliotheksgebäudes klang der Abend aus.

Der zweite Tag stand ganz im Zeichen der Projektpräsentationen. An zehn Stationen stellte DARIAH die Forschungsschwerpunkte und bereits entwickelten Anwendungen auf Postern vor. Dabei wurde ein breites thematisches Spektrum abgedeckt, angefangen von Entwicklung und Methoden der quantitativen Analyse geisteswissenschaftlicher Forschungsdaten über Lizenzfragen bis zu Konzepten der DH-Etablierung in der universitären Lehre. Die meisten dieser Projekte waren bereits am Vortag kurz vorgestellt worden. Nun gab es Gelegenheit, sie anhand von Postern genauer anzuschauen und mit den beteiligten Wissenschaftlern zu diskutieren.

Gewinnbringende Kooperation 

Aus Sicht der MWW-Projekte waren vor allem die Aspekte der Wissenschaftlichen Sammlungen, der Infrastruktur und des Umgangs mit Big Data (große Datenmengen) in den Geisteswissenschaften relevant. Auf der Ebene der Sammlungsbeschreibungen bestehen seit Längerem Verbindungen zwischen MWW und DARIAH, die im Oktober 2015 eine Kooperation eingegangen sind. Das von DARIAH entwickelte Schema für die inhaltliche und technische Beschreibung von Sammlungen wurde von den DH-Projekten des Forschungsverbunds an die eigenen Ansprüche angepasst und wird bereits für die Anlage von Sammlungsbeschreibungen verwendet. Diese Sammlungsbeschreibungen werden in dem im Entstehen begriffenen virtuellen Forschungsraum präsentiert werden.

Im Bereich der Infrastruktur vereint DARIAH im eigenen Repository bereits heterogene Datenbestände und stellt dafür eine gemeinsame Suche zur Verfügung. In diesem Zusammenhang stellt sich angesichts der zunehmenden Datenmenge die zentrale Frage, wie große Datenmengen sinnvoll präsentiert und der Forschung nachhaltig zur Verfügung gestellt werden können. Eine Frage, die sich bei dem Aufbau einer virtuellen Infrastruktur im MWW-Kontext auch stellt und die belegt, dass die Kooperation mit DARIAH für beide Seiten gewinnbringend ist und daher auch intensiv weiterverfolgt werden soll. Inspiriert wurden die Mitarbeiter auf ihrer „kleinen“ Kavalierstour nach Göttingen auf jeden Fall.

Stefan Höppner leitet von Weimar aus das MWW-Forschungsprojekt „Autorenbibliotheken. Materialität – Wissensordnung – Performanz“.    

Timo Steyer ist wissenschaftlicher Projektmitarbeiter „Digital Humanities“ von MWW in Wolfenbüttel.